
- Sonnenuntergang auf einem Traditionssegler - Torsten Weiler - Pixelio.de
Wenn die Gischt über den Bug spritzt, der Wind durch Wanten und Stagen saust und das Schiff zufrieden mit schneller Fahrt durch die Wellen pflügt - da schlägt das Herz jedes Seglers gleich kilometerweit hoch. Doch was tut der deutsche Segler, wenn in heimischen Gefilden die Segelsaison ihr Ende findet? Er reist in ein Segelgebiet auf der Südhalbkugel? Falsch! Auch im Norden kann man im Herbst noch wunderbar die Segel setzen und in der teils rauen See zu einem waschechten Seebären heranwachsen.
Auf dem alten Traditionsschiff Pippilotta sind echte Seebären-Törns an der Tages- beziehungsweise Jahresordung
Jedes Jahr bietet sich auf der Pippilotta für Jung und Alt die Möglichkeit , an meist zwei Segeltörns im Herbst für je eine Woche so gegen Ende September / Anfang Oktober als Mitsegler teilzunehmen. Start beziehungsweise "Einschiffen" ist immer im deutschen Hafen Kappeln, meist einen Abend vor Törnbeginn, wo sich die ganze Crew erstmal ausgibig beschnuppern kann und der Kampf um die Kojen beginnt. Mitte Oktober können alle Segelinteressierten auch noch an einem Ausbildungstörn teilnehmen; hier wird man Schritt für Schritt in die Feinheiten des Segelns eingeführt: Man lernt, wie man richtig die Segel setzt, erfährt etwas über Sicherheit und Umweltschutz an Bord und kann verschiedene Segelmanöver üben. So wird man langsam zu einem richtig eingefleischten Seebären.
Die Seemeilen, die man dabei "schrubbt" kann man sogar, wenn man möchte, in ein Seglerbuch eintragen lassen, denn sie gelten offiziell als Seemeilennachweis für den Erwerb diverser Segelscheine. Wer noch kein Seglerbuch besitzt, bekommt natürlich vom lustigen und freundlichen Kapitän Hartwig auch gern eins in die Hand gedrückt, gegen eine geringe Gebühr versteht sich. Das Segelrevier ist die raue Ostsee, die jedem Seebär und dem, der es noch werden will, richtige Seebeine verpasst. Wem eine Woche zu lang ist und wer zudem noch ein ganz besonderes Erlebnis machen möchte, für den gibt es noch ganz am Ende des Jahres eine spannende Alternative.
Auf der Pippilotta das neue Jahr begrüßen - der Sylvestertörn
Wer wollte nicht schon einmal auf ganz besondere Art ins neue Jahr rutschen? Auf der Pippilotta ist dies möglich. An Sylvester fährt das Schiff nach Ærøskøbing in Dänemark. Dort treffen sich viele alte Schiffe auf ein freudiges Neujahrsfest; ein dickes Buffet, Spaß, Musik und Tanz sind garantiert und das auch bis weit nach Mitternacht. Am Neujahrstag wird dann erstmal ausgeruht, ausgibig gefrühstückt und dann heißt es schon wieder "Leinen los" für einen kleinen Besuch auf einer der vielen dänischen Inseln. Am Tag danach geht es dann meist zurück.
Mitsegeln auf dem Dreimastschoner Pippilotta - etwas ganz Besonderes
Die Pippilotta ist ein amtlich zugelassenes Traditionsschiff und sogar als Unterbringungsstätte für Kinder und Jugendliche zertifiziert. Und natürlich wird nicht nur im Herbst und an Sylvester über die sieben Weltmeere geschippert, sondern auch zur Hochsegelsaison im Sommer. Hier liegt die Törndauer zwischen zwei bis vier Wochen. Im Mittelpunkt jedes Törns steht das Mitanpacken. Jeder ist hier Teil der Mannschaft und nicht nur einfacher Passagier und hilft - natürlich nur im Rahmen seiner Möglichkeiten - mit beim Segel setzen, Ruder gehen und ist fest in eine Wache eingeteilt. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, jeder erwirbt hier in der Praxis alles, was ein Segler so zum Segeln braucht. Wer meint, das klingt nach Arbeit, wird meist eines Besseren belehrt. Die Mannschaft wächst schon über ein Woche wie eine Familie zusammen.
Bei schönem Wetter kann man auch in seiner Freiwache- zum Beispiel auf dem Bugspriet, festgeschnallt mit Sicherheitsgurt - die Seele baumeln lassen und die Fahrt der Pippilotta durch die See genießen. Wer das einmal erlebt hat, wird den Frieden und die Ruhe, die das Meer und die Schiffsbewegung unter Segel zu bieten haben nie mehr missen wollen. Die Zeit scheint still zu stehen,man ist mittendrin und fühlt sich wie in alter Zeit. Luxus wird hier kleingeschrieben, auf der Pippilotta gibt es nur die Mannschaft, das Schiff und das Meer. Hier wird Segeln nicht nur erlebt, sondern gelebt!
Bildnachweis: Foto 1: Torsten Weiler - Pixelio.de & Foto 2: Doris Rennekamp - Pixelio.de
