
- WM-Musik 2010: Shakira - Waka Waka - http://toppayingideas.com/blog/wp-content/uploads/
Alle vier Jahre ist es soweit – mit jeder Fußball-WM dröhnen zahlreiche Fußballhits aus dem Radio und den Lautsprechern zwischen Autokorsos und Fanfesten, wie auch bei der WM 2010 in Südafrika.
Die größten Stadion-Hits, darunter "Go West", "Three Lions" und "You'll Never Walk Alone"
Denkt man an große Fußballereignisse zurück, fallen einem viele Stadion-Hits ein – "Go West" von den Pet Shop Boys, "Eat My Goal" von Collapsed Lung, "Three Lions" von den Lightning Seeds, der Trommel-Donnersturm "Carnaval de Paris" von Dario G, "Seven Nation Army" von den White Stripes und natürlich das unsterbliche "You'll Never Walk Alone", ursprünglich ein Musical-Song, der jüngst sein 100-jähriges Jubiläum feierte.
Auch in Deutschland zieren musikalische Perlen den Weg der deutschen Elf in die WM-Turniere. Zur WM 1974 in Deutschland schickte der DFB die Nationalelf ins Musikstudio, um den volkstümlichen Gassenhauer "Fußball ist unser Leben" anzustimmen. Auch wenn dieser Song heute Kult-Trash-Charakter hat und mitschuldigen WM-Heroen wie Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß und Gerd Müller heute eher die Schamesröte ins Gesicht treibt, verkaufte er sich einige hundertausend Male.
Die deutsche DFB-Elf im Schlagerstudio
Der Erfolg beflügelte die Sangeskunst der DFB-Kicker noch bis 1994. Es folgten die Schlagerperlen "Buenos Dias Argentina" mit Udo Jürgens (Argentinien 1978), "Olé España" mit Michael Schanze (Spanien 1982) und "Mexico Mi Amor" mit Peter Alexander (Mexiko 1986).
Spätestens nach dem reaktivierten Udo Jürgens mit "Sempre Roma" (Italien 1990) und dem missglückten "Far Away In America" von den Village People (USA 1994) lösten Veräppelungen wie das Trainer-Spottlied „Böörti Böörti Vogts“ von Stefan Raab den Adler-Elf-Chor ab.
Bei "Running With A Dream" von Anna Maria Kaufmann und Joey Tempest (Frankreich 1998) verzichtete man erstmals auf die DFB-Kicker als Background-Chor, und für die WM 2002 in Südostasien sogar völlig auf einen WM-Song. Nach der verpatzten Euro 2000 traute man der DFB-Elf nicht mehr viel zu. Als es die Kicker aber überraschend ins Finale schafften, war es für die Hitmaschinerie schon zu spät.
Musikalische Freunde bei der WM 2006 in Deutschland
Mit mehr Taktik plante man 2006 an die zweite WM im eigenen Land und produzierte Hits in allen Formaten, damit sich die Welt auch musikalisch zu Gast bei Freunden wähnt. Ob US-R&B-Schmalz von Alicia Keys mit "If I Ain't Got You", der Mitpfeif-House-Track "Love Generation" von Bob Sinclair oder der epische Multikulti-Worldbeat "Zeit dass sich was dreht" von Herbert Grönemeyer – die Songs rannen im heißen Sommermärchen 2006 durch die Kehlen und Lautsprecher und begeisterten Millionen Fußballfans im kollektiven WM-Rausch.
Dazu entstanden Dauerbrenner wie Oliver Pochers "Schwarz auf Weiß" oder "54 74 90 2006" der Sportfreunde Stiller, die vorläufig auch den letzten Zweifel am Gewinn des vierten deutschen WM-Sternchens beseitigten. Die Münchner Indierocker schoben nach dem verlorenen Halbfinale gegen Italien gleich die Adaption "54 74 90 2010" hinterher, die pünktlich zum WM-Start wieder aus den Radios plärrt.
Auch die Fifa entdeckte das Geschäft mit den Musikmillionen und gab für die WM 1990 in Italien erstmals einen offiziellen WM-Song in Auftrag. Gianna Nannini und Edoardo Bennato schmetterten "Un'Estate Italiana" in die Mikros, und auch die ARD kürte mit dem unsäglichen "Go Get The Cup" von David Hasselhoff einen eigenen Song.
Die WM- und Euro-Fußballhits seit 1990
Es folgten unterschiedlich erfolgreiche Turnierhits wie "Gloryland" von Daryl Hall (WM 1994), "We're In This Together" von Simply Red (Euro 1996), "Cup Of Life" von Ricky Martin (WM 1998), "Campione 2000" von E-Type (Euro 2000), "Boom" von Anastacia (WM 2002), "Força" von Nelly Furtado (Euro 2004) und "Feel The Rush" von Shaggy (Euro 2008).
In dieser Tradition hält es auch die Fifa WM 2010 in Südafrika. Man setzt auf farbenfrohe Musik zwischen Ethnokitsch und Weltmusik, die mit Hilfe großer Werbeträger in die Welt heraus getragen werden.
K'naans "Wavin' Flag", die WM-Hymne von Coca Cola, groovt mit einer "k'naackigen" Mischung aus Reggae, Funk, Dance, Soul und Hip Hop. Puma Football dagegen setzt in seinem mitreißenden Werbespot "Journey Of Football" Gnarls Barkleys „Going On“ ein, das sich mit psychedelischen Gitarrenläufen und einem inbrünstigen Soul-Refrain ins Gehör frisst.
Progressive Rock, Worldbeats und Latino-Dance in Südafrika
Obskurer dagegen die musikalische Unterlegung des Konkurrenten Nike Football – für den epischen TV-Spot "Nike Writes The Future", in dem Weltkicker wie Rooney, Ronaldo und Cannavaro größenwahnsinnige World-Cup-Träume zelebrieren, rockt eine Neuauflage des niederländischen Progressive-Rock-Stampfers "Hocus Pocus" von Focus (1971) mit Gitarrenhärte und Jodelakrobatik den Ball in den Rasen.
Das kolumbianische WM-Maskottchen Shakira steuert mit "Waka Waka" den offiziellen World-Cup-Song in einer englischen und spanischen Version bei. Begleitet wird die jodelnde und hüftschwingende Sexbombe von der südafrikanischen Multikultitruppe Freshlyground.
Auch hierzulande überschwemmt eine Reihe WM-Hits die Medienkanäle. Während die ARD täglich "Come Back As Heroes" der südafrikanischen Indierocker Parlotones abspielt, benutzt das ZDF "Marching On" des US-HipHoppers Timbaland mit One Republic.
Spaß und Leidenschaft mit deutschen Fußballliedern
RTL dagegen überrascht mit Velile, der Hauptdarstellerin des Hamburger Musicals "König der Löwen", die mit dem Trommelfeuerwerk des dänischen Safri Duos ihren Ohrwurm "Helele" auf Zulu anstimmt. Dagegen überzeugen die afrikanisch inspirierten Kriegsschreie von Oliver Pocher in "2010 – wir gehen nur zurück, um Anlauf zu nehmen" sicherlich weniger die Kriegsgeister als die heimischen Gehörgänge.
Die restlichen Fußballhymnen aus deutschen Landen machen keine allzu schlechte Figur – ob Elton vs. Peilomat mit "Weltmeister", Stylevorlage mit dem Dance-Hit "Der 12. Mann" oder Seed-Sänger Dellé mit dem Dancehall-Kracher "Cry Out WM 2010". Und die Indiepopper Revolverheld erschufen mit "Helden 2009" schon letztes Jahr zur U21-WM eine inoffizielle deutsche Erwachsenen-WM-Hymne.
Ein unerwarteter Hit zum WM-Beginn wurde "Schland o Schland" von der Gagtruppe Uwe Lena, das durch ein YouTube-Video zum Mega-Klick-Hit wurde und zu einem Plattenvertrag führte.
Die Zeiten von schwungvollen Easy-Listening-Schlagerchören ist zwar vorbei, aber die Musikmaschinerie läuft auch zur WM 2010 auf Hochtouren mit einer Vielzahl an bunten Hits, mit der man bald alleine die vier Wochen der Weltmeisterschaft füllen könnte.
Die WM-Songs zum Mitsingen:
Puma Football – Journey Of Football
Nike Football – Nike Writes The Future
