Mittelalterlicher Musik und sakrale Choräle

Wie Kompositionen von Hildegard von Bingen und Mönchen heute wirken

Mittelalterliche Choräle verkaufen sich nach wie vor in Millionenauflage: Eine Entdeckungsreise der Zeitlupe und Techno-Partys in Englands Kirchen

Gesänge, die seit mehr als 800 Jahren Menschen über Grenzen geführt haben und es auch heute noch können? So was soll es geben? Unglaublich, aber spanischen Benediktinermönchen von Silos verkauften ihre mittelalterlichen Choräle weltweit mit einer Auflage von fast 5 Millionen. Gregorianischer Gesang bringt manchen Menschen wie in Trance, die Lieder von Hildegard von Bilngen schaffen den Gegensatz zu unserem Alltag, der von einem "ich wollte doch noch... und muss doch auch noch..." dominiert werden. Die Zisterziensischen Mönche vom Stift Heiligenkreuz sind das jüngste Bespiel für den Erfolgstrend.

Mach der Gegensatz zum Alltag den Reiz aus?

Wer kennt den Streß und die Hektik nicht, die unseren Alltag bestimmen? Hohes Verkehrsaufkommen, Autohupen, Abgase und quietschende Bremsen, volle Fussgängerpassagen, Supermärkte mit langen Schlangen an der Kasse, immer mehr Termine, E-Mail - Telefon - Mobiltelefon - Blackberry: Immer erreichbar sein. Macht gerade der Gegenpol den besonderen Reiz der Musikrichtung aus? Die mittelalterlichen Choräle wirken wie eine Neuentdeckung der Langsamkeit oder wie die Entdeckungsreise zur Zeitlupe.

Hildegard von Bingen, Mystikerin aus dem Mittelalter

Hat sie denn auch komponiert? Ja, Hildegard von Bingen (1098-1179), gerne als Universalgenie des frühen Mittelalters bezeichnet, war eine bemerkenswerte Frau und die Erste auf vielen Gebieten. Zu einer Zeit, in der viele Frauen gar nicht schreiben und lesen konnten, veröffentlichte Hildegard, bekannt als "Sybille vom Rhein", ihre Hauptwerke über Theologie und über ihre Visionen. Als nur wenigen Frauen Respekt entgegengebracht wurde, wurde sie von Bischöfen, Päpsten und Königen besucht und um Rat gefragt. Sie nutzte die heilenden Kräfte der Natur, schrieb Abhandlungen über naturwissenschaftliches Wissen und die medizinische Verwendung von Pflanzen, Tieren, Bäumen und Steinen. Sie gründete ein Kloster, in dem ihre musikalischen Stücke aufgeführt wurden. Es war eine lebenspraktische Frau des 12. Jahrhunderts, die bereits für ihre Zeitgenossen als weibliche Symbolfigur in einer Männergesellschaft galt. Sie hinterließ insbesamt 77 Kompositionen, deren Tonumfang, Intervalle und melodischer Verlauf den Rahmen der damals bekannten Musik sprengte. Sie war der festen Überzeugung, dass der Musik eine göttliche Harmonie innewohnte. Ohne Ausbildung behauptete sie, dass sie die Lieder als göttlich Eingebung emfing.

Musik voll Lebenskraft und Intensität

Auch wenn ihre Musik für unsere Ohren heute mittelalterlich klingt, entsprach sie kaum den Regeln und dem Geschmack der Zeit. Die Menschen in Ihrer Epoche waren neune Gedanken und innovativen künstlerischen Ausdrucksformen jedoch durchaus aufgeschlossen. Und ihre Lieder haben nichts von ihrer Leuchtkraft eingebüst, so dass sie heute noch als himmlische Offenbarungen erscheinen, so urteilen zumindest namhafte Kritiker. Dieser Kraft können sich heute viele Menschen, insbesondere auch immer wieder Produzenten, Musiker und Sänger nicht entziehen. Dies erklärt, warum es eine Vielzahl von Produktionen rund um das Thema Hildegard von Bingen gibt.

Claudia von Holten, Claudia von Holten

Claudia von Holten - Inhaberin von Amiguitos - Sprachen für Kinder, einer Spielsprachschule für Kinder von 1 bis 10 Jahren und freiberufliche ...

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