
- Statue Musashis - Szabolcs Arnany
Die untergegangene Kultur der Samurai ist weltbekannt geworden. Faszinierend an der alten japanischen Ritterkaste waren vor allem die Disziplin und die Kampffertigkeiten ihrer Schwertkämpfer. Am deutlichsten von allen tat sich wohl Miyamoto Musashi hervor, welcher mit nur 13 Jahren seinen ersten Kampf auf Leben und Tot bestritt - und gewann. Es sollte nicht der letzte bleiben.
Kindheit und Jugend
Shinmen Musashi No Kami Fujiwara No Genshin, besser später bekannt als Miyamoto Musashi, wurde 1584 in einem kleinen Dorf namens "Miyamoto" in der Provinz Mimasaka geboren, südwestlich des heutigen Tokio. Musashi war edler Abstammung, sein Vater Munisai war ebenfalls Samurai aus dem Adelsgeschlecht der Harima.
Das Kind wurde bereits früh im Leben auf harte Proben gestellt. Der Vater verließ Musashi und seine Mutter, die kurz darauf starb. Musashi wurde daraufhin von seinem Onkel erzogen. Schon in früher Kindheit soll er einen starken und unbändigen Willen gehabt haben. Im jungen Alter von nur 13 Jahren geriet Musashi in einen Streit mit Arima Kihei, einem älteren Samurai, welcher Erfahrung im Kampf mit Speer und Schwert hatte. Musashi hatte sich zu jener Zeit auf den Kampf mit dem Holzschwert spezialisiert. Gegen Arima führte er nur einen einzigen Schlag gegen seinen Schädel, welcher so wuchtig gewesen sein musste, dass Arima verblutete und der Dreizehnjährige den Kampf gewann.
Ein Samurai auf der Suche nach Vollkommenheit
Im Alter von 16 Jahren erschlug er einen weiteren Samurai, Tadashima Akiyama, worauf Musashi seine Heimat verließ und als herrenloser Samurai, als Ronin, sein Glück suchte. Samurai ohne Herrscher waren zur Zeit Musashis nichts Ungewöhnliches, da sich Japan in einem Bürgerkrieg zwischen den verschiedenen Adelshäusern des Landes befand, und viele Samurai konnten schnell herrenlos werden, wenn ihr Lehnsherr gestürzt wurde. Die herrenlosen Samurai waren immer auf der Suche nach einer neuen Anstellung, nach Essen und Unterkunft. Viele, denen eine Eingliederung in die Gesellschaft nicht gelang, wurden zu Vagabunden oder verdingten sich als gesetzlose Räuber. Dies waren die Dinge, die viele Ronin antrieben.
Keine Regeln, keine Kompromisse
Nicht so Miyamoto Musashi. Sein einziges Lebensziel war es, die Vollkommenheit in der Kriegskunst, speziell im Schwertkampf, zu erlangen. Dafür ging er keine Kompromisse ein: Musashi verzichtete auf alle Annehmlichkeiten des Lebens, auf Frau oder Kind, auf Besitz oder Bequemlichkeit, auf Freundschaft oder Geselligkeit. Musashi suchte die Einsamkeit und trainierte jeden Tag, bei Regen und Schnee, bei Hitze und Kälte, um die absolute Perfektion der Kampfkunst zu erlangen. Es ist dieser starke Wille, sich Tag für Tag aufs neue zu fordern, welcher ihn zu einem unbesiegbaren Schwertkämpfer und zu einer Legende gemacht hat. Für Musashi bedeutete Selbstkontrolle den Schlüssel zu wahrer Freiheit.
Ungewöhnlich für einen Samurai wie Musashi war auch, dass er sich der Regeln keiner Kampfschule gebeugt hatte. Normalerweise hatte jeder Samurai seine eigene Kampfausbildung in einer bestimmten Waffenkampfschule erhalten und jeder hatte sich auf einen bestimmten Kampfstil festgelegt. Musashi jedoch erkannte, dass Siegen auch bedeutet, sich nicht einzuschränken und die Stile aller Schulen genau zu studieren - auch, um so den Feind durchschauen zu können. In seinem Buch der fünf Ringe widmet Musashi diesem Aspekt ein ganzes Kapitel: Das Wind-Buch.
Unbesiegt
Musashi zog als armer Samurai durchs Land, welcher für seine Kämpfe oft nicht mehr als ein Holzschwert benutzte und dank seiner Fähigkeiten auch nicht mehr brauchte. An vielen Orten forderte er andere Samurai heraus und besiegte sie alle. Manchmal verletzte er mit dem Holzschwert seine Gegner (welche nicht selten ein scharfes Stahlschwert hatten) nur, sodass sie den Kampf nicht fortführen konnten, manchmal endeten sie auch als Krüppel, und hin und wieder wurde auch jemand von Musashi glatt und oft mit nur einem einzigen Hieb getötet.
Einige der spektakulärsten Kämpfe Musashis sollen hier kurz beschrieben werden:
- In Kyoto forderte Musashi mit 21 die Schwertschule Yoshioka heraus. Nachdem er die Schüler der Schule der Reihe nach besiegte, trat er gegen das Oberhaupt der Schule - Seijuro - selbst an. Am Ende musste man Seijuro auf einer Trage nach Hause bringen, wo er sich als entehrter und gebrochener Mann den Haarknoten abschnitt.
- Denshichiro, der jüngere Bruder Seijuros, wollte diese Schmach rächen und trat selbst gegen Musashi an. Denshichiro schlug tot auf dem Boden auf, nachdem Musashi ihn mit nur einem Hieb seines Holzschwertes den Schädel brach.
- In der Izumo-Provinz besuchte Musashi den dortigen Fürsten Matsudaira. Er bat den Fürsten um Erlaubnis, gegen einen seiner Männer zu kämpfen. Nachdem er den ersten Mann besiegt hatte, trat überraschenderweise Matsudaira selbst im Kampf gegen Musashi an. Einen scharfen Schnitt anwendend, zerbrach er Matsudairas Schwert in zwei Teile. Der beeindruckte Fürst bat ihn, eine Weile als sein Lehrer zu bleiben.
- Seinen letzten Kampf bestritt Musashi 1612, eines Morgens auf einer Insel vor Ogura, mit einem nicht minder gefährlichen Gegner, Sasaki Kojiro. Einmal mehr hatte Musashi, arm, ungepflegt und nur ein Holzschwert in der Hand, einen edlen Samurai mit echtem Schwert vor sich stehen. Kojiro ging auf Musashi los, hieb auf ihn ein und trennte ihn mit seinem Schwert den Haarknoten vom Kopf. Doch kurz darauf ging er selbst zu Boden - Musashi hatte ihm mit einem Schlag seines primitiven Holzschwertes den Schädel zertrümmert.
Nach dem Kampf mit Kojiro hörte Musashi auf, gefährliche Zweikämpfe auszutragen. Er widmete sich jedoch weiterhin dem Studium der Kriegskunst und soll darüber hinaus auch Gefallen an der Malerei gefunden haben.
Das Buch der fünf Ringe
1634 zog Musashi mit seinem Adoptivsohn Iori nach Ogura auf Kyushu. Dort verbrachte er große Teile seines restlichen Lebens als Gast des Fürsten Churi. 1643 zog es ihn wieder in die Abgeschiedenheit. 1645 diktierte er seinem Schüler Teruo Nebuyuki das berühmte Buch der fünf Ringe. Wenige Wochen darauf, am 19. Mai 1645, starb Musashi. Der Welt hinterließ er ein legendäres Buch über die Kampfkunst und ein Beispiel dafür, was ein starker Wille erreichen kann.
Quellen:
- Musashi, Miyamoto: Buch der fünf Ringe (mit Vorwort zu Musashis Biographie). Neuenkirchen 2007
- samurai-archives.com
