Mnemotechnik und Gedächtnistraining – Effektivität und Nutzen

Gedächtnistraining - Viktoria Amon
Gedächtnistraining - Viktoria Amon
Mnemotechniken auf dem Prüfstand: Wie wirkungsvoll und nützlich sind diverse Methoden zur Steigerung der Gedächtnisleistung? Erfahren Sie mehr.

Längst hat man begriffen und erkannt, dass Lernen in einer Informations- und Leistungsgesellschaft möglichst schnell, nachhaltig und effizient erfolgen sollte. Nun versprechen diverse Lehrgänge, Kurse, Seminare oder Lernprogramme, die mittels unzähliger Anzeigen, mit denen das Internet nahezu überschwemmt wird, beworben werden, den Lernprozess um vieles zu vereinfachen und die Gedächtnisleistung effektiv zu steigern. Mithilfe des angepriesenen Gedächtnistrainings sollen sich in Schule, Studium, Fort- und Weiterbildung entscheidende Fortschritte und Erfolge gleichsam garantieren lassen. Vorgestellt werden dabei verschiedene Mnemotechniken, die von ihren Grundprinzipien sehr ähnlich sind, lediglich in Bezeichnung und Gestaltung der jeweiligen Methoden und Übungen mehr oder weniger variieren. Die postulierten Aussichten auf schnellen Lernerfolg sind überaus verlockend und verführerisch. Dennoch oder gerade deswegen ist Skepsis und Vorsicht durchaus verständlich und angebracht. Kann Lernen tatsächlich so einfach sein? Können die aufwändig propagierten Mnemotechniken tatsächlich halten, was so vollmundig versprochen wird?

Grundlagen der Mnemotechnik

Mnemotechniken sind nichts Neues. Erste Ansätze und Grundlagen für Hilfestellungen, sich große Mengen an Informationen schnell und nachhaltig einzuprägen, waren schon in der Antike bekannt. Grundelemente der Mnemotechnik, wie Visualisierung und Assoziation - umgesetzt und ausgeschmückt mit reichhaltiger Phantasie, Kreativität, Humor, überraschenden Absurditäten und anschaulicher Detailgenauigkeit - auf der einen Seite und feste Ordnungs- und Bezugssysteme auf der anderen Seite sollen den Lernstoff so gehirnfreundlich zubereiten, dass es gleichsam unmöglich scheint, dass das Gelernte nicht nachhaltig verankert bleibt.

Methodenvielfalt des Gedächtnistrainings

Angefangen von einfachen Assoziationsketten und Satzkonstruktionen, bei denen es vor allem darum geht, eine bestimmte Reihenfolge von Begriffen jeglicher Art herstellen und auch nach längerer Lernpause wieder aus dem Gedächtnis abrufen zu können, bis hin zu etwas komplexeren Techniken der Schlüsselwort- oder Ersatzwortmethode, des Major Systems und der überaus populären LOCI – Methode, gibt es besonders für kreative Köpfe unzählige Möglichkeiten, sich trockenes und langweiliges Auswendiglernen interessanter und nachhaltig zu gestalten.

Wirksamkeit, Nutzen und Brauchbarkeit für die Gestaltung von Lernprozessen

Die Erfolge der Mnemotechniken überraschen zunächst, vor allem dann, wenn man bisher beim Lernen die Möglichkeiten der Vorstellung, der Visualisierung, Assoziation und das Herstellen von Bezugssystemen nicht gekannt beziehungsweise nicht angewandt hat. Die Brauchbarkeit beziehungsweise der Nutzen der vorgestellten Methoden liegt auf der Hand:

  • Sie sind vor allem dort interessant und effektiv einsetzbar, wo der Lernstoff trocken, abstrakt und eintönig ist und es dadurch besonders schwer fällt, sich diesen nachhaltig einzuprägen.
  • Sie lassen sich beliebig miteinander kombinieren, sind variabel und vielseitig einsetzbar.
  • Neben der relativ raschen Aneignung von neuen Begriffen, werden auch Kreativität, Assoziationsfähigkeit und Konzentration geschult und geübt.
  • Sie basieren auf Lernen mit allen Sinnen. Der Lerninhalt soll möglichst konkret vorgestellt werden. Die - mit Hilfe der Vorstellungskraft - konstruierten Bilder sollen so real wie nur möglich werden und auch das Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken miteinbeziehen.
  • Sie trainieren das Lernen in Bezügen und Zusammenhängen und fördern damit vor allem vernetztes, systematisches Denken und Argumentieren.

Voraussetzungen und Grenzen der Mnemotechnik

Dass sich Lernprozesse durch Mnemotechniken und Gedächtnistraining einfacher und ansprechender gestalten lassen, ist von daher kaum abzustreiten. Dennoch bleibt die Nützlichkeit und Brauchbarkeit umstritten. Kritische Stimmen sehen die Anwendungsmöglichkeiten dieser Methoden eher begrenzt. Bedacht werden muss, dass die Wirksamkeit vor allem auch von der grundsätzlichen Kreativität und dem Einfallsreichtum des Lernenden abhängt und bestimmt wird durch seine Fähigkeiten, sich auch sehr Abstraktes bildlich vorzustellen. Des Weiteren erfordert die Anwendung dieser Methoden etwas Übung, um sie tatsächlich schnell und spontan einsetzen zu können. Für das Einprägen von Regeln, Formeln oder Vokabeln mögen sie daher durchaus empfehlenswert sein. Geht es aber um komplexe Thematiken und umfangreiches Lernmaterial, wird die Mnemotechnik ein verstehendes Lernen kaum ersetzen können, lediglich unterstützend eine durchaus brauchbare Hilfestellung für bessere Strukturierung und Ordnung des Lernstoffes anbieten.

Viktoria Amon - Lesen war und ist bereits seit meiner Kindheit wohl eine meiner größten Leidenschaften. Besonders begeistern mich vor allem ...

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