Mobbing - wenn die Unternehmensleitung wegschaut

Mobbing - Maria Tanner
Mobbing - Maria Tanner
Mobbing - ein Synonym für Psychoterror in der modernen Wirtschaft. Der volkswirtschaftliche Schaden geht jährlich in die Milliarden.

Mobbing, seit mehr als 40 Jahren gibt es diesen Begriff im deutschen Wortschatz. Ein Begriff aus dem Englischen. „to mob“ bedeutet anpöbeln, bedrängen, angreifen. Es gibt Menschen in unserer Gesellschaft, die wissen, wie man andere systematisch unter diesen ganz speziellen Druck setzt, dass diese kaum noch in der Lage sind, auch nur ansatzweise einen klaren Gedanken zu fassen.

Mobbing kommt vorwiegend in der Arbeitswelt zum Tragen, vor allem in den Fällen, wo es um Beförderungen geht und darum, einen unliebsamen Konkurrenten auszuschalten. Aber auch immer mehr dort, wo man Mitarbeiter los werden will, weil das Unternehmen Personal abbauen muss. Damit spart man sich die Zahlung einer Abfindung, glaubt man für den Moment. Was das gesamte Prozedere nach Meinung der Unternehmensleitung sonst noch kostet? Nun ja, um das mal mit der Worten des ehemaligen Deutsche Bank Chefs Hilmar Kopper zu sagen: Peanuts.

Ein schleichender Prozess

Kaum merklich wird der oder die Gemobbte systematisch in den gefühlten Wahnsinn getrieben. Zu Beginn sind es nur Kleinigkeiten, im weiteren Verlauf werden Vorwürfe, beispielsweise wegen nicht erfüllter Aufgaben, immer massiver. Das ist die Art des direkten Mobbings. Meist geht dem direkten Mobbing das Indirekte voraus, durch vorenthalten von Informationen. So werden oftmals langjährige Mitarbeiter, die bisher tadellose Arbeit abgeliefert haben, dazu gebracht, selbst an sich zu zweifeln.

Wenn sich das Arbeitsumfeld verändert

Der Gemobbte spürt langsam, das sich sein Arbeitsumfeld verändert. Die Kollegen beginnen sich abzuwenden, sie reden kaum noch. Taucht der betreffende Mitarbeiter irgendwo auf, verstummen abrupt die Gespräche. Ganz im Unterbewusstsein, wird der Mitarbeiter nicht nur von einer Person gemobbt, sondern es sind alle mittendrin, ohne es zu merken. Sie sind alle beeinflussbar, denn sie wissen, jeder im unmittelbaren Umfeld könnte der Nächste sein. Vor allem dann, wenn sich Führungskräfte dieses Instrumentes bedienen. Damit erhöht sich der Schaden für ein Unternehmen, denn die Führungskraft verwendet die Energie nicht dafür, wofür sie eigentlich bezahlt wird. Nämlich die Mitarbeiter zu führen und nicht zu lähmen.

Wenn Mitarbeiter Angst haben, in die Firma zu gehen

Nicht jeder Mensch hat die psychische Stärke, sich gegen Mobbing-Attacken zur Wehr zu setzen. Betroffene beginnen sich selbst zu analysieren. Die Frage „Was habe ich falsch gemacht?“ begleitet sie jeden Tag an den Arbeitsplatz. Sie können nicht mehr abschalten. Sie haben Angst.

Alle wissen, dass Angst ein schlechter Ratgeber ist. Aber im Zeitalter in der die Arbeitslosigkeit die Märke beherrscht und Krisen vorprogrammiert sind, wird diese Angst als Schwäche ausgelegt. Niemand möchte als schwach gelten oder aufgrund dessen seinen Arbeitsplatz verlieren. Deshalb versuchen sie, diese vermeintliche Schwäche zu überwinden.

Was die Folgen sind

Mobbing hat nicht nur negative Folgen für die Gesundheit des Betroffenen, sondern auch in beruflicher und privater Hinsicht. Es wirkt sich auf das Leistungs- und Arbeitsverhalten aus, und es treibt die Betroffenen sehr oft in eine ausweglose Situation.

Im privaten Bereich sind Betroffene nicht mehr in der Lage, ihre Freizeit zu geniessen und Hobbies nachzugehen. Es verliert sich der Freundeskreis, weil Aussenstehende die Situation nicht einschätzen können und möglicherweise mit Unverständnis reagieren.

Nicht selten versuchen sich Mobbingopfer das Leben zu nehmen, weil sie dem unendlichen Druck nicht mehr Stand halten können. Selbst wenn ein Betroffener diesen, für ihn oder sie unausweichlichen und letzten Ausweg gewählt hat, ändert sich in den allermeisten Fällen nichts. Denn wer ist in der Lage, den Nachweis zu führen, dass der Grund dafür Mobbing war?

Präventivmassnahmen

Sobald jemand merkt, dass sich sein Arbeitsumfeld verändert, muss er oder sie sich öffnen. Das ist oft leichter gesagt als getan. In vielen Sozialstationen gibt es heute bereits Mobbingberater, die Strategien entwickeln, dem entgegen zu wirken. Es stärkt das Selbstbewusstsein und Betroffene sind eher in der Lage, ein klares „Stopp“ zu setzen und zu signalisieren, das der Mobber kein leichtes Spiel haben wird.

Aber auch Arbeitgeber können präventiv Strategien gegen Mobbing in der eigenen Firma verfolgen. Der Aufbau einer klaren Organisations- und Führungsstruktur ist dafür zwingend notwendig. Arbeitgeber müssen sich selbst und ihre Führungskräfte für derlei Attacken gegen Mitarbeiter sensibilisieren. Wird ein Mobber entdeckt, muss dagegen interveniert werden. Leider ist es nicht immer leicht, diese Art von Störenfrieden sofort zu erkennen.

Rechtliche Konsequenzen

Gesetzliche Verankerungen zum Schutze von Mobbingopfern sind europaweit unterschiedlich geregelt. So gibt es beispielsweise in Frankreich und Schweden eine eindeutige Gesetzgebung, die Mobbing unter Strafe stellt. Aber auch in Deutschland sind die Arbeitgeber verpflichtet, Arbeiter und Angestellte unter einen besonderen Schutz vor Mobbingattacken zu stellen. Erbringt er das nachweislich nicht, kann er arbeits- respektive zivilrechtlich dafür belangt werden.