Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing am Arbeitsplatz - Public Domain
Mobbing am Arbeitsplatz - Public Domain
Um nicht gemochte Kollegen und Mitarbeiter „freiwillig" zum Verlassen des Betriebes zu bringen, wird Mobbing immer öfter angewandt.

Unter Mobbing wird die systematische, gerichtete, häufige und dauerhafte Ausübung negativer Handlungen auf einzelne Personen verstanden, einhergehend mit einem bestehenden oder sich entwickelnden Machtgefälle. Im Laufe der Zeit kommt die gemobbte Person in eine zunehmend unterlegener Position und kann sich immer schwerer wehren. Mobbing ist ein Symptom für gestärte Kommunikation. Das Mobbingopfer wird isoliert oder isoliert sich oft selbst. Die Täter bekommen keine Rückmeldung über die Auswirkungen ihrer Schikane und lernen, dass sie sich durchsetzen können. Im weiteren Sinn bedeutet Mobbing, andere Menschen ständig bzw. wiederholt und regelmäßig zu schikanieren, zu quälen und seelisch zu verletzen.

Typische Mobbing-Muster

Am Anfang sehen meist einzelne Konflikte, Unverschämtheiten, Gemeinheiten. Häufen sich diese, erfolgt der Übergang zum Mobbing. Bestimmte soziale Charakteristika der Opfer scheinen Mobbing zu fördern: wenig Selbstbewusstsein, eine allzu selbstkritische Haltung, ängstliches oder überangepasstes Verhalten. Auffälliges oder andersartiges Aussehen, Übergewicht, Ungeschicklichkeit oder geringe Frustrationstoleranz können hinzukommen. Der Mobber versucht, über die Demonstration seiner Stärke eigene Schwächen zu überspielen. Er tritt impulsiv auf, zeigt wenig soziale Fertigkeiten und wenig Mitgefühl. Meistens ist er durchschnittlich oder weniger beliebt, in der Regel aber beliebter als sein Opfer. Zwischen Mobber und Opfer herrscht ein Ungleichgewicht im Stärkeverhältnis. Das Opfer nutzt zu wenig denkbare Verteidigungsmöglichkeiten, wehrt sich nicht ausreichend, sieht sich nicht in der Lage, die Situation zu beenden.

Folgen des Mobbings

Die über Monate und Jahre andauernden Feindseligkeiten der Mobber und Mobberinnen führen bei den Gemobbten zu verschiedenen gesundheitlichen Beschwerden. Aus der Stressforschung ist seit langem bekannt, dass Belastungsfaktoren, sogenannte Stressoren, denen der Mensch über einen längeren Zeitraum ausgesetzt ist, zu starken körperlichen und seelischen Stressreaktionen führen. Möglicherweise lange unbemerkt, kommt es dann zu weiteren gesundheitlichen Störungen und Beschwerden, die bei den Betroffenen schon in der Frühphase des Mobbing auftreten, dazu zählen unter anderem Schlafstörungen, Migräne und Spannungskopfschmerzen, Schweißausbrüche, Kreislaufprobleme, Herzbeschwerden, Magen- und Gallenbeschwerden, Ohrensausen (Tinnitus), Erschöpfungszustände, allgemeine Störungen des vegetativen Nervensystems.

Psychische Probleme durch Mobbing

Als langfristige Folgen von Mobbing kann es neben den körperlichen bzw. psychosomatischen Beschwerden auch zu psychischen Beeinträchtigungen und Erkrankungen kommen.

Die häufigsten psychischen Beschwerden:

  • Konzentrationsprobleme, Gedächtnisstörungen, Schlaflosigkeit
  • Selbstzweifel, Selbstunsicherheit
  • Depressionen, Antriebslosigkeit, Weinkrämpfe
  • Gefühle der Verzweiflung, Selbsttötungsgedanken
  • paranoide Zustände, Verfolgungswahn
  • Übersensibilität (Empfindlichkeit)
  • gereizte, aggressive Stimmungen
  • Hektik, Rastlosigkeit
  • Alpträume

Es kann passieren, dass die allmählichen Persönlichkeitsveränderungen der Betroffenen als Anlass genommen werden, sie als Querulanten und psychisch gestört abzustempeln. Die Selbstzweifel der Gemobbten werden dadurch noch verstärkt. Selbsttötungsgedanken sind nicht selten die Folge.

Therapie von Mobbingopfer

Im problemorientierten Vorgehen erfolgt zunächst die Analyse und Bearbeitung des so genannten externen Anteils (Aspekte der Firma, dann Beziehungsmuster zum vermeintlichen Übeltäter). Erst dann erfolgt Analyse und Bearbeitung der Eigenanteile, da im subjektiven Erleben des Patienten andere Personen oder das Unternehmen hauptverantwortlich und maßgeblich für die ihm entstandenen Probleme und den gesundheitlichen Zustand gemacht werden. Es ist sinnvoll, diese Reihenfolge einzuhalten, da sonst die Gefahr wächst unnötigen Widerstand zu aktivieren. Zur Analyse von Eigenanteilen gehört: Gefühle, Modalitäten, körperliche Reaktion und Gedanken auf dem Hintergrund der Arbeitsplatzkonflikte erarbeiten. Vorherrschende Gefühle; Hilflosigkeit, Ängste, Wut, Unsicherheit, Scham und Schuldgefühle. Im beobachtbaren Verhalten zeigen sich: Rückzug, Isolierung aber auch Angriffsverhalten und Streitverhalten. Aufrechterhalten kann auch der Beitrag durch Familien und den Ehepartner sein, die entweder genervt oder mitleidig reagieren, was Problem stabilisierend sein kann.

Weitere Inhalte der Therapie:

  • Distanz zum Geschehen erreichen
  • Grundsätzliche Entscheidungen: Rückkehr an den Arbeitsplatz oder Kündigung
  • Rollenspiel/Tausch zur Führung eines Konfliktgesprächs
  • Neinsagen lernen/Problemlösetraining
  • Kognitive Umstrukturierung im Prinzip des geleiteten Entdeckens
  • Ärgerbewältigung
  • Entspannungsverfahren
  • „Hausaufgaben“ zur Selbsterarbeitung konkreter Möglichkeiten.
  • Sehr empfehlenswert ist eine auf Mobbing ausgerichtete Gruppentherapie zum Erleben eines sozialen Mikrokosmos.
  • Begleitend: Ergotherapie als Arbeit in einer realitätsnahen Umgebung. Soziotherapie, Sport- und Bewegungstherapie (Selbstwertproblematik).