Modafinil – Aufputschmittel mit Suchtpotenzial

Strukturformel von Modafilin - schoschie
Strukturformel von Modafilin - schoschie
Auch wenn Modafinil in Deutschland seit 2008 nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, sind mögliche Folgen für Gesundheit & Gesellschaft ungewiss.

Eigentlich ist Modafinil eine Substanz, die in Medikamenten wie Vigil zur Behandlung von Narkolepsie verwendet wird. Seit Anfang der 2000er wird es aber auch zunehmend von gesunden Menschen eingenommen, die ihre Leistungsfähigkeit steigern oder den Jetlag umgehen möchten. Obwohl verschreibungspflichtig, avanciert Modafinil zur Modedroge. Dabei dient es nicht dazu, der Realität zu entfliehen. Vielmehr geht es den Konsumenten darum, dem stetig wachsenden Leistungsdruck gerecht zu werden, dem sie unterliegen - beruflich wie privat.

Modafinil zählt zu den Smart Pills

Eine Pille morgens vor der Arbeit oder vor der Schule und selbst der stressigste Tag ist kein Problem mehr. Smart Pills, wie das modafinilhaltige Vigil, machen aus Menschen Arbeitsmaschinen. Klug, wie die Bezeichnung Smart Pills vermuten lässt, machen sie aber nicht.

Cephalon, der US-Amerikanischer Hersteller von Provigil (Medikament auf Basis von Modafinil), verzeichnete zwischen 2002 und 2008 einen Umsatzanstieg von fast 800 Millionen Dollar. Längst ist Modafinil die wichtigste Droge des Silicon Valley. Aber auch unter Studenten steigt die Zahl der Konsumenten. Ein Problem, das uns mit G8 auch in Deutschland drohen könnte?

Hierzulande haben zwar bislang nur rund vier Prozent der Schüler und Studenten Erfahrungen mit dem Hirn-Doping gemacht. Erschreckende 80 Prozent würden Pillen auf Modafinilbasis aber gerne mal ausprobieren.

Langfristige Folgen von Modafinil-Konsum noch nicht untersucht

In der Apotheke ist Modafinil in einer fahrlässig unscheinbaren, blau-weißen Packung auf Rezept erhältlich. Für 80 Euro gibt es 20 Pillen zu je 100 Milligramm - im Internet auch für weniger. Laut Beipackzettel zählen Herzrasen, Störungen der Leberfunktion, epileptische Anfälle und Angstzustände zu den Nebenwirkungen. Zu den langfristigen Folgen des Modafinil-Konsums sind allerdings noch keine genauen Ergebnisse bekannt. Einige Experten warnen vor Langzeitschädigungen, wie sie etwa bei Kokainsüchtigen auftreten können. Auch über das Suchtpotenzial von Modafinil wird in Fachkreisen noch gestritten. Das Risiko trägt in jedem Fall der Verbraucher.

Wirkung von Modafinil

Etwa 15 Minuten nach Einnahme von Modafinil zeigt der Körper die ersten Reaktionen auf die Droge. Die einen verspüren ein Kribbeln in den Gliedmaßen, die anderen ein leichtes Ziehen im Gesicht. Modafinil betäubt nicht - es fokusiert. Arbeiten werden schneller und zielgerichteter erledigt. Statt in einem Rausch fühlt sich der Konsument wie in einem Tunnel. Was links und rechts passiert ist unbedeutend.

In wissenschaftlichen Studien schneiden Probanden unter Modafinil-Einfluss, etwa bei Konzentrationsübungen, regelmäßig wesentlich besser ab, als ihre nüchternen Kollegen. Neben der Aufmerksamkeit, nimmt auch die Leistung ihres Kurzzeitgedächtnisses zu.

Modafinil und mögliche Folgen

Von den ungewissen gesundheitlichen Folgen einmal abgesehen, könnte Modafinil auch erschreckende Auswirkungen auf die Gesellschaft und das Arbeitsleben haben. Was ist zum Beispiel, wenn ein Kollege unter Modafinil-Einfluss wesentlich mehr Leistung erbringen kann als der Rest der Belegschaft? Könnte da von Arbeitgeberseite nicht ein gewisser Druck entstehen, unter dem sich auch andere Mitarbeiter dazu gezwungen sehen, mit der Droge zu experimentieren? Oder wenn eine Kommilitonin nach der Einnahme von Modafinil wesentlich bessere Klausuren schreibt. Könnte dies andere Studenten dazu verleiten, das Wundermittel ebenfalls zu testen?

Wie man es auch dreht und wendet - Modafinil bleibt ein Aufputschmittel. Eine Droge, deren Konsum nicht absehbare gesundheitliche Langzeitfolgen haben könnte. Die Frage, die sich jeder Stellen sollte, der mit Modafinil liebäugelt ist, ob das Risiko den (meist kurzfristigen) Nutzen Wert ist. Lässt die Wirkung nach, ist man nicht schlauer als zuvor. Man sehnt sich höchstens nach dem nächsten Tunnel-Moment.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

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Sebastian Haberland - Ich wurde 1986 in Mannheim geboren und bin gelernter Industriekaufmann. Bereits in der Grundschule galt meine Leidenschaft dem Lesen ...

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