Zwischen der Abschaffung des Korsetts zu Beginn des 20. Jahrhunderts und dem »everything goes« unserer Tage liegen zwei Weltkriege und eine ungeheure Technisierung und Globalisierung der Gesellschaft. In den Kreationen der Designer spiegeln sich die sozialen Veränderungen wieder. Unter dem Eindruck einer neuen, natürlicheren Vorstellung vom menschlichen Körper wurde das Korsett zu Beginn des Jahrhunderts einer größeren Bewegungsfreiheit geopfert. Nach dem ersten Weltkrieg feierte der BH seinen Durchbruch. Die Frauenmode wurde bequemer. Die im Krieg gewonnene Eigenständigkeit der Frauen und das damit veränderte Frauenbild ließ den Rocksaum höher rutschen. Das Kostüm mit weitem Rock und Schlupfbluse aus Jersey wurde modern.
Smokey-Eyes und Garçonnemode
In den 1920er-Jahren bestimmen Kostüme in Herrenfasson (Garçonnemode), kniekurze Röcke, Hänge- und Hemdblusenkleider die Mode. Ebenso gilt der Charlestonlook: Kleider mit tief sitzender Taille, dazu Bubikopf, smokey eyes und Zigarettenspitze, als Zeichen der Gleichberechtigung der Frau in Familie und Gesellschaft. Es ist die Zeit in der Coco Chanel das Kleine Schwarze erfand.
Die Mode wird femininer
In den 1930er-Jahren ist die figurbetonte, wadenlange Kleidermode im Schrägschnitt von Madeleine Vionnet up to date. In den 1940er und 50er Jahren erobern die modischen Linien von Christian Dior, ausgehend vom New Look 1947, die Laufstege und Schränke der Schönen und Reichen. Längere, femininere Röcke, sanftere Schulterlinien und Schuhe mit hohen Absätzen halten Einzug, im starken Gegensatz zu der eher maskulinen Damenmode der Kriegsjahre. Caprihosen, flache Ballerinas, Twinset und Petticoats sind vor allem bei der Jugend der Roaring Fifties im Trend. In dieser Zeit bringt sich Coco Chanel mit ihrem schlichten, eleganten Chanel-Kostüm ein zweites Mal ins Spiel.
Nude- und Beatnik-Look
In den 1960er Jahren ging der Einfluss der Haute Couture zurück. 1947 zählte sie ungefähr 15.000 Kundinnen weltweit, in den 1970er Jahren waren es immerhin noch 3.000, heute sind nur noch wenige hundert übrig. Die Designermode grenzte sich in dieser Zeit mit der Ausbildung des Prêt-á-porter – der Haute Couture von der Stange – als ein klar definiertes Produkt von der Konfektion ab. Zum ersten Mal in der Geschichte brachte die Jugend ihre eigene Mode hervor und Modemarken begannen ihre Kollektionen mit einem Image zu versehen, das einzelne Gruppen oder Subkulturen zielgerichtet ansprach. Es ist die Zeit des Nude Look von Yves Saint Laurent. 1962 schickte er die ersten Models in transparenten Chiffonblusen vor das geschockte Publikum. Dazu machte er den Beatnik-Look populär.
Der Mini kommt mit Twiggy
Nach 1964 war die Minimode von Mary Quant aktuell. Das Kultmodel Twiggy machte den Look Ende der sechziger Jahre zum Markenzeichen einer ganzen Generation. Daneben reüssierte André Courrèges mit seinem Stil der geometrischen Formen und Linien, wie mit Winkelmaß und Zirkel konstruiert. Bis 1966 wurden die Röcke immer kürzer, und die Mode spiegelte die Einflüsse der Op- und Pop-Art sowie der Raumfahrt wieder.
Hippies und Folklore, Rocker und Popper
In den 1970er-Jahren waren Hippielook, Folkloremode sowie der Punk, geprägt von Vivienne Westwoods Mode-Label im Trend. Ab 1980 wird das Oversize aktuell. Es ist die Zeit der Rocker und Popper, ein Jahrzehnt der bequemen und oft schrill bunten Mode. Sweatshirts, welche sehr weit geschnitten waren und oft in Verbindung mit Leggins oder Röhrenjeans getragen wurden, waren sehr beliebt. Mitte der 1980er-Jahre wurde Armani zu einem der weltweit führenden Modedesigner. Seine Kreationen waren besonders bekannt für ihren Schnitt und ihre Eleganz.
Die Mode der Spaßgesellschaft
In den 90ern erschloss der Modemarkt die Jugend als gewinnbringendste Zielgruppe und baute den Markenkult aus. Politik, Mode, Musik, alles wird zur Ware in der Spaßgesellschaft. In dieser Zeit sind Konzepte wie das »Power Dressing« weit verbreitet und veranlassen die Gesellschaft, viel Geld auszugeben für teure Designermode, deren Qualität und Stil ins Auge springt. Es ist die Zeit Karl Lagerfelds mit seinen Kreationen, in denen er ausgefallene, moderne Trends mit klassischer Eleganz, dominiert von einer immer wiederkehrenden femininen Männlichkeit, mixt.
