
- Modellauto Mercedes SL neu im Maßstab 1:18 - Firma 1zu87.com
Sechs offene Sportwagen mit dem inzwischen als legendär angesehenen Namenskürzel SL hat es bei Mercedes-Benz nun schon gegeben. Mit dem R231 debütierte auf der North American International Auto Show in Detroit 2012 die siebte Interpretation des Zweisitzers, der als Grundlage für die Entwicklung von Modellautos der unterschiedlichsten Hersteller, Baugrößen, Qualitäts- und Preisklassen dienen wird. Traditionell beauftragt aber der jeweilige Autobauer einen Zulieferer mit der Fertigung der ersten Werbemodelle; diesen Namen tragend wegen der zum Konzern passenden Umverpackung und der Tatsache, dass sie zuerst nur bei den Händlern der Marke erhältlich sind – so wie der neue Mercedes SL in den Maßstäben 1:43 und 1:18. Doch findige und an Kontakten reiche Fachhändler sicherten sich zum 06. Februar 2012 Werbemodelle für ihre Kundschaft, die im Fall des Mercedes SL im Maßstab 1:18 eine Miniatur von Norev erwirbt. Offenbar bietet der französische Hersteller der Marke Mercedes-Benz so gute Konditionen, dass der deutsche Autobauer seine Miniaturen fast nur noch in Vaulx-en-Velin entwickeln lässt: Neue B-Klasse, C-Klasse-Coupé und CLS kommen aus Frankreich. Keine gute Entscheidung, denn beim international weitverbreitetsten Sammlermaßstab 1:43 konnte Norev mit dem SL keine Qualität auf der Ebene des bisherigen Lieferanten Minichamps vorstellen. Wie aber schaut es beim Modell im Maßstab 1:18 aus, das den Zweisitzer von Mercedes auf etwa 25,50 Zentimeter verkleinert?
Mercedes SL Modellauto Maßstab 1:18 im Test
Eine erste Enttäuschung offenbart sich dem Erwerber des offenen SL im Bburago-Maßstab auf den ersten Blick, denn die Motorhaube und ihre Vorderkante schließen nicht bündig mit der Bugschürze ab. Oberhalb der Grills bietet sich dem Betrachter eine Kante, die das Vorbild nicht aufweist. Im Gegensatz zum Modell im Maßstab 1:43 gibt Norev bei der größeren Variante immerhin das Layout der Scheinwerfer und deren Aufbau im Inneren vorbildgerecht wieder. Auch die Chromspange im Kühlergrill und ihre Rundungen zum Mercedes-Stern hin ist exakt ausgeformt. Schön: Auch die zwei Oberflächen dieses Anbauteiles sind vorbildgerecht gefertigt. Dass alle Kühlergrillgitter nicht durchbrochen, also zum Durchschauen ungeeignet ausgeführt wurden, ist bei dieser Modellauto-Kategorie bedauerlich, beim SLS AMG Roadster in 1:18 von Minichamps aber ebenso.
Norev hat sich beim SL 2012 auch mehr Mühe beim Ausarbeiten der Lüftungskiemen rund um den Motor gegeben: Deren Bautiefe und Chromspangen sind vorbildgerechter ausgeformt, als beim 1:43er SL aus gleichem Hause. Auch die Gravuren der Scheinwerferwaschanlage sind nicht so grob ausgestaltet, wie beim kleinen Bruder. Die Bügeltürgriffe wurden zweifarbig ausgeführt und aufgesetzt, nicht nur graviert. Was stört, ist der grobe Spalt an den Türen zur A-Säule: Da scheinen die Formenbauer geschlampt zu haben, denn so sauber wie beim Audi R8 von Kyosho oder dem SLS AMG Roadster von Minichamps in 1:18 schließen die Türen nicht mit der A-Säule ab. Auch der Spalt zum Kofferraumdeckel wirkt recht grob. Gut hingegen der Gesamteindruck der Zinkdruckguss-Karosserie und der Qualitätseindruck zur Lackierung.
Schwerer sachlicher Fehler beim Mercedes SL 2012
Der Mercedes SL 2012 im Maßstab 1:18 ist werksseitig in drei Farben lieferbar: Unter der Nummer B66960106 in Kristall-Silber-Magno, also matt lackiert, unter der Bestellnummer B66960107 in Magnetit-Schwarz-Metallic sowie unter B66960108 in Saphir-Rot-Metallic; jeweils etwa 1.100 Gramm auf die Waage bringend. Doch das Sprichwort "außen hui, innen pfui“ trifft beim SL von Norev leider mitten ins Schwarze: der Kofferraum beim offenen Modell ist leer! Das geht auf gar keinen Fall, denn beim Vorbild klappt das Festdach in das Ladeabteil. Ist der Roadster offen, ist der Kofferraum mit Verdecktechnik gefüllt. Bei einem Sammlermodell dieser Preisklasse geht es nicht, dass dieses Detail nicht stimmt. Bei einem Premiumvorbild schon mal gar nicht; auch nicht, wenn das Dach als seperates Teil beiliegt. Damit enttäuscht der SL von Norev schwer.
Und die Mercedes-Designer, die nach Angabe des Kataloges zu den Modellautos aus dem Hause Daimler AG an der Entwicklung der Miniaturen mitwirken, scheinen vom SLS geträumt zu haben, denn so etwas durchgehen zu lassen, geht nicht: In den Roadsterkofferraum gehört ein Dach, wenn das Modell offen dargestellt ist. Minichamps löste das beim neuen Mercedes SLK im Maßstab 1:18 viel besser weil vorbildgerecht; beim SL Modelljahr 2008 allerdings auch nicht, wie Suite101.de damals schon anmerkte. Doch immerhin hat die Aachener Modellbau-Manufaktur beim neuen SLK nachgebessert, Norev in lockerer französischer Lebensart aber wohl geschlampt. Und da macht Mercedes mit? Wer sich von dieser Enttäuschung erholt hat, findet wenigstens sehr sauber in die Karosse eingebundene Rückleuchten.
Innenraum? Ein Hit
Keine Enttäuschung der Innenraum: Beim SL im Maßstab 1:43 noch mit heftigen Kritikpunkten versehen, kann der SL in 1:18 alles besser. Nun könnte man zur Ehrenrettung von Norev sagen, dass es auf 0,25 Metern leichter ist, Details zu verkleinern, als auf 0,10 Metern, doch nein – Minichamps bewies mit dem Audi A8 von 2002 sehr wohl, dass eine Lüfterdüsen-Umrahmung auch in 1:43 als solche ausgeführt werden kann. Entsprechend perfekt auch die anderen Details des Innenraums in 1:18, die Norev beim 1:43er stellenweise falsch wiedergab. Doch die Schalter, Instrumente, sogar die Aluminium-Dekors des neuen SL in 1:18 entsprechen im Gegensatz zum kleineren Modell exakt dem Vorbild. Ein Traum: Das Lenkrad und die Schalterleiste in der Mittelkonsole. Dass der Innenraum mit Softlack und Filzboden Luxusansprüche erfüllt, ist gegeben.
Aktuelle Mercedes-Modelle qualitativ auf dem absteigenden Ast?
Bei der Nachbildung der Fahrzeugunterseite hat sich Minichamps beim Mercedes SLS AMG im Maßstab 1:18 sehr viel mehr Mühe gegeben, als die Franzosen bei Norev. Gerade im Bereich der Hinterachse weist der SLS eine stärker ausgeprägte Detaillierung auf, als der SL. Dies gilt auch beim Strang der Abgasanlage und den Details der Vorderachse. Obwohl als 1:18er-Miniatur gleich teuer, bietet der SLS mehr für das Geld als der SL, der aber im Vergleich zu seinen Markenkollegen im gleichen Maßstab wesentlich weniger stark zurückfällt, als der SL in 1:43 von Norev gegenüber den Minichamps-Modellen der gleichgroßen SL-Vorgänger. In der Vitrine des Sammlers von Modellen in der Bburago-Größe herrscht also mehr Harmonie, als bei den 1:43er-Modellen von Norev, die sich in Look und Wertigkeit von denjenigen von Schuco und Minichamps abgrenzen.
