Modelleisenbahnen – Nenngrößen und Spurweiten

Die Vielfalt der Baugrößen und Maßstäbe

Modelle Nenngrößen H0 und Z - Uli Kutting
Modelle Nenngrößen H0 und Z - Uli Kutting
Modelleisenbahnen gibt es in verschiedenen Maßstäben und Spurweiten, die jeweils ihre eigene Bezeichnung haben. Das zugrunde liegende System ist recht einfach.

Trotz Computer und Spielekonsole erfreut sich die Modelleisenbahn als Freizeitbeschäftigung immer noch recht großer Beliebtheit. Wer jedoch mit dem Gedanken spielt, eine Modellbahn zu verschenken oder selbst in dieses Hobby einzusteigen, sieht sich einer auf den ersten Blick beinahe unüberschaubaren Flut verschiedener Maßstäbe, Spurweiten und Nenngrößen-Bezeichnungen gegenüber. Doch das System ist verblüffend einfach.

Einheitliche Bezeichnungen

Schon früh nach dem Auftauchen der ersten in Serie gefertigten Modelleisenbahnen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts pendelten sich die Maßstäbe, in denen die Modelle ausgeführt wurden, und die Spurweiten der Schienen, auf denen die Modelle liefen, auf wenige, von sämtlichen Herstellern mehr oder weniger eingehaltene Werte ein. Diese erhielten, der leichteren Merkbarkeit wegen, einheitliche Handelsbezeichnungen, die Bau- oder Nenngrößen. Sie wurden, von klein nach groß, mit aufsteigenden römischen Zahlen benannt.

So bezeichnete die Nenngröße I die Spurweite 45 mm, die Nenngröße II die Spurweite 64 mm. Die genauen Modellmaßstäbe waren dabei erst einmal nebensächlich, ergaben sich – zumindest annäherungsweise – aber zwangsläufig aus der Vorbildspurweite von 1.435 mm für Regelspurbahnen, und nur solche hielt man lange Zeit für nachbildenswert. Der Maßstab der Nenngröße I lag etwa bei 1:30 bis 1:35, der Maßstab der Nenngröße II bei 1:20 bis 1:25. Genau musste es damit noch niemand nehmen, denn von der maßstäblichen Umsetzung von Vorbildfahrzeugen ins Modell war man damals noch weit entfernt.

Zahlen und Buchstaben

Als die Modellbahnen immer kleiner wurden, mussten neue Bezeichnungen her. Kleiner als Nenngröße I war die zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingeführte Nenngröße 0 (Null) mit einer Spurweite von 32 mm. Der Maßstab lag bei etwa 1:45. Noch vor dem zweiten Weltkrieg kam die Baugröße H0 (Ha-Null beziehungsweise Halb-Null) – ursprünglich als 00 bezeichnet – mit einer Spurweite von 16,5 mm dazu, Maßstab etwa 1:80 bis 1:90.

Damit waren die Zahlen ausgereizt, Buchstaben kamen hinzu. So steht die in den 40er Jahren eingeführte Nenngröße TT, Spurweite 12 mm, für table-top – Tischeisenbahn –, mit einem Maßstab von 1:120. Die 1962 eingeführte Nenngröße N ist nach der Spurweite der Regelspurmodelle von 9 mm benannt. Der Maßstab beträgt 1:160. Mit der seit 1972 am Markt befindlichen Nenngröße Z, Spurweite 6,5 mm, Maßstab 1:220, waren für lange Zeit die Möglichkeiten der Miniaturisierung ausgereizt – daher der letzte Buchstabe des Alphabets.

Normen Europäischer Modellbahnen

Die Nenngrößen sind mittlerweile, zusammen mit einer Fülle weiterer technischer Details, in den Normen Europäischer Modellbahnen, kurz NEM, europaweit festgelegt. Erarbeitet wurden die Normen gemeinsam vom MOROP, dem Verband der Modelleisenbahner und Eisenbahnfreunde Europas, und der Modellbahnindustrie. Darin sind die Nenngrößen mit den zugehörigen Maßstäben und die Spurweiten nicht nur für Modelle von Breit- und vor allem Regelspurbahnen (1.700 mm bis 1.250 mm Spurweite), sondern auch für Schmalspurbahnen festgelegt.

Dabei bezeichnet hinter der eigentlichen Nenngrößenbezeichnung ein „m“ – für Meterspur – Modelle von Eisenbahnen mit Spurweiten zwischen 1.250 mm und 850 mm, ein „e“ – für Engspur – Bahnen mit Spurweiten zwischen 850 mm und 650 mm und ein „i“ – für Industriebahn – beziehungsweise „f“ – für Feldbahn – Gleise mit Spurweiten bis hinab zu 450 mm. Legt man die in Europa gängigsten Vorbildspurweiten 1.435 mm, 1.000 mm, 750 mm (beziehungsweise 760 mm in Österreich) und 600 mm zugrunde, ergeben sich dabei für die gegebenen Modellmaßstäbe ziemlich genau die jeweiligen Modellspurweiten.

Die Nenngrößen im Einzelnen

  • Nenngröße II: Maßstab 1:22,5. Spurweiten: II 64 mm, IIm 45 mm, IIe; 32 mm, IIi: 22,5 mm
  • Nenngröße I: Maßstab 1:32. Spurweiten: I 45 mm, Im 32 mm, Ie 22,5 mm, Ii 16,5 mm
  • Nenngröße 0: Maßstab 1:48 (in den USA), 1:43,5 (fine scale) beziehungsweise 1:45. Spurweiten: 0 32 mm, 0m 22,5 mm, 0e 16,5 mm, 0i 12 mm
  • Nenngröße S (in Europa quasi nicht verbreitet): Maßstab 1:64. Spurweiten: S 22,5 mm, Sm 16,5 mm, Se 12 mm, Si 9 mm
  • Nenngröße H0: Maßstab 1:87 (in Großbritannien 00, Maßstab 1:76). Spurweiten: H0 (00) 16,5 mm, H0m 12 mm, H0e 9 mm, H0i 6,5 mm
  • Nenngröße TT: Maßstab 1:120. Spurweiten: TT 12 mm, TTm 9 mm, TTe 6,5 mm
  • Nenngröße N: Maßstab 1:160. Spurweiten: N 9 mm, Nm 6,5 mm, Ne 4,5 mm
  • Nenngröße Z: Maßstab 1:220. Spurweiten: Z 6,5 mm, Zm 4,5 mm

Aus der Zusammenstellung wird deutlich, dass die Modelle von Schmalspurbahnen in einer Nenngröße jeweils auf den Vollspurgleisen der jeweils kleineren Nenngrößen fahren können – aber nicht unbedingt sollten, denn der Abstand der Schwellen ändert sich durch die anderen Maßstäbe natürlich gegenüber der maßstäblichen Umsetzung. Ein bemerkenswerter Umstand ist zudem, dass jeder Maßstabswert als Spurweite wieder auftaucht.

Nicht alle Modellbahn-Nenngrößen sind für alle Modellbahner oder an einer Modelleisenbahn Interessierten gleich gut geeignet. Alter, Geldbeutel und zur Verfügung stehender Platz sind entscheidende Kriterien für die Wahl der richtigen Modelleisenbahn. So hat jede Nenngröße für den Modelleisenbahner ihre eigenen Vor- und Nachteile.

Christian Peitz, Sabine Peitz

Christian Peitz - Schon fast mein ganzes Leben begleiten mich Modelleisenbahnen und ihre Vorbilder. Speziell die Zeit der Dampfloks hat es mir in Vorbild ...

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