Moderne Landwirtschaft mit Computer und Handy

Kooperation öffentlicher und privater Wissensquellen im Pflanzenbau

Rapsfeld an der Straße - Monika Hermeling
Rapsfeld an der Straße - Monika Hermeling
Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) stellt sein Programm „ iGreen - Mobiles Wissen für Landwirte", vor.

Land- und Forstwirte stehen täglich vor einer Reihe komplexer Entscheidungen. Sie benötigen aussagekräftige Wetterprognosen, Informationen zur Bodenqualität ihres Ackers, Zustandsberichte ihrer Pflanzen, Tipps zur Ertragsoptimierung und zum Umweltschutz. Um ihnen das Tagewerk zu erleichtern, wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), im Rahmen des Forschungsprogramms "IKT 2020 - Forschung für Innovation",das Projekt „iGreen macht grünes Wissen mobil“, entwickelt. Es wurde mit über 14 Millionen Euro gefördert und vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), in Kaiserslautern, koordiniert.

Elektronische Helfer unterstützen Landwirte

Wenn der Landwirt auf dem Feld feststellt, dass in seinen Kartoffeln die Kartoffelkäfer hausen oder sich Disteln ausbreiten steht er vor einem Problem, das schnell gelöst werden muss. Damit er von seinem Arbeitsplatz aus sofortige Entscheidungen treffen und sie zeitnah umsetzten kann, stehen ihm im Projekt“ iGreen - Mobiles Wissen“, elektronische Helfern zur Verfügung. Diese können den Landwirt, beispielsweise direkt in der Landmaschinenkabine auf dem Feld, beraten und ihn bei seiner wichtigsten Aufgabe, einer umweltschonenden und nachhaltigen Erzeugung optimaler Erträge an Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen, zu unterstützen. Gleichzeitig soll die Fruchtbarkeit der Anbauflächen erhalten oder verbessert werden.

Die Qualität der Lebensmittel durch eine Kooperation von Landwirtschaft und Forschung steigern

"Die Bundesregierung hat das Ziel die natürlichen Lebensgrundlagen zu schonen“, erklärt Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan. „Die intelligente Verbindung von Informationstechnik und Landwirtschaft im Forschungsprojekt iGreen schafft Grundlagen, um den Ressourceneinsatz in der Landwirtschaft zu optimieren, die Umwelt zu schonen und den Ernteertrag zu steigern. Durch die Standardisierung der Ergebnisse kann iGreen für Landwirtschaft und Industrie in Deutschland wichtige Wettbewerbsvorteile sichern."

Hand in Hand von Wissenschaft, Landwirtschaft und Wirtschaft

Im Forschungsprojekt iGreen arbeiten 24 Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlicher Hand zusammen. Sie erstellen ein standortbezogenes Dienste- und Wissensnetzwerk.

Vernetzung von Wissen und Praxis

Der Gesamtprojektleiter von iGreen, Prof. Dr. Andreas Dengel, äußert sich zum Wissensnetzwerk von iGreen: "Wir vernetzen verteilte Informationsquellen, um darauf aufbauend Computerwerkzeuge für Landwirte zu entwickeln. Die entsprechenden Quellen liegen entweder als privates Wissen bei den Landwirten selbst vor oder sind über verschiedene Kanäle als öffentliches Wissen oder als Wissenselemente aus dem Geschäftsbereich verfügbar. Letztere sind zum Beispiel Produkteigenschaften und Dosierungsempfehlungen von Saatgut oder Düngemitteln sowie Absatzmöglichkeiten und Preise für Ernteprodukte."

Die beteiligten Wirtschaftsunternehmen fungieren als Endanwender, Technologielieferanten und Schnittstellen. Die wissenschaftlichen Partner liefern das erforderliche innovative und konzeptuelle IT-Know-how. Die Beratungsnetzwerke und Institutionen der öffentlichen Hand bringen Expertenwissen und amtlich aufbereitete Geodaten in das Vorhaben ein.

Wie sieht die praktische Nutzung von iGreen aus?

"Wir nutzen Web 3.0-Technologien, um Lösungen zu entwickeln, die demonstrieren, wie auch Kleinunternehmen das Innovationspotenzial des mobilen Internets zu ihrem Vorteil einsetzen können", so Dengel weiter. "Um den elektronischen Datenaustausch in der Landwirtschaft zu verbessern, werden Endgeräte, wie GPS-gestützte Bordrechner oder internetfähige Mobiltelefone, eingesetzt. Als Basis dafür dient eine integrierte Software-Architektur, die den Schutz der Datenhoheit aller Beteiligten garantiert."

Der Landwirt als Wissensmanager und Koordinator auf dem Feld

Ein Landwirt beurteilt das Wachstum seiner Pflanzen auf dem Feld und kann mobil direkt auf neuestes Pflanzenbauwissen und entsprechende Beratung zugreifen. Entscheidet er sich etwa für eine Dünge Maßnahme, kann er durch Zugriff auf staatliche Geodaten die genaue Lage und die Bodenqualität seines Feldes elektronisch an einen beauftragten Lohnunternehmer übermitteln. Die Fahrer der eingesetzten Landmaschinen erhalten vor Ort eine präzise Auftragsbeschreibung, die alle für die bezeichnete Fläche anwendbaren Umweltschutzregeln berücksichtigt. Der Einkauf der anzuwendenden Düngemittel geschieht dank Vernetzung mit Handelspartnern ebenfalls mobil und elektronisch. Über die Durchführung erhält der Landwirt eine detaillierte elektronische Dokumentation, die er für seine Abnehmer nutzen kann.“

Die Finanzierung ist gesichert

Alfred Schmid, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnunternehmen (BLU), zur Rolle seiner Organisation in iGreen: "Um die in iGreen entwickelten Technologien umzusetzen, haben bereits über 200 unserer Mitgliedsunternehmen Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro zugesagt."

Das Land Rheinland-Pfalz nimmt eine Pionierfunktion bei der Entwicklung ein. Zukünftig soll den Landwirten bundesweit, über das länderübergreifende Informationssystem, die Integrierte Pflanzenproduktion (ISIP) zur Verfügung gestellt werden.

Rosige Zukunftsprognosen für weitere Anwendungsfelder

In der Zukunft werden durch das Wissensmanagement mit iGreen weitere Anwendungsfelder in den Bereichen Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft, Städte- und Landschaftsbau sowie Umwelt- und Naturschutz gesehen.

Auch interessant:

Wie leben Menschen mit Wildtieren in der Stadt?

Quelle:

Karlsruhe Institut für Technologie (KIT)

Das Institut für Angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB)

Zentralstelle der Länder für EDV-gestützte Entscheidungshilfen und Programme im Pflanzenschutz

Online-Redakteurin, Gerlinde Ahrend, Gerlinde Ahrend

Gerlinde Ahrend - Ich bin Journalistin, Online-Redakteurin und Autorin, mit eigenem Journalistenbüro In der Vorbereitung meiner Ausbildung zur ...

rss