
- Selbstgebaute Handspindel mit Merino - S. Arif
Der Trend zur Handarbeit breitet sich immer mehr unter jungen Leuten aus. Kunsthandwerke wie Stricken, Häkeln oder Filzen bringen viele Menschen dazu, sich intensiver mit dem natürlichen Rohstoff Wolle zu beschäftigen und nicht nur vorgefertigte Produkte zu kaufen und zu verarbeiten.
Spinn-Communities: Ravelry, Foren & Co.
Vorbei sind die Zeiten, in denen man beim Thema Handarbeiten an die miefigen Pullunder von Omi oder strickende Turnschuh-Politiker aus den 80ern dachte. Ob genäht, gestrickt oder gehäkelt - es ist wieder in, selbst Kleidung zu fertigen, das beweisen rasant wachsende Communites wie die deutschsprachige Näh-Seite Natron & Soda und vor allem die englischsprachige Community Ravelry. Gerade letztere - hier gibt es auch vielfältige deutschsprachige Gruppen und Foren zu den unterschiedlichsten Themen wie Spinnen, Stricken, Färben - hat hier eine Vorreiterrolle. Natürlich gibt es auch deutsche Foren wie zum Beispiel den Spinnkult, wo man seine Erfahrungen austauschen kann, von anderen Usern etwas über unbekannte Spinntechniken erfährt, stolz seine gefertigten Garne und Artyarns vorzeigen oder sich zu Spinntreffen und alternativen Aktionen wie Guerilla-Knitting verabreden kann. Man sieht Spinnen und Handarbeiten ist nicht altbacken sondern Ausdruck eines individuellen Trends.
Was benötigt man zum Spinnen? Spindelbau
Wer sich an diese Fertigkeit heranwagen will, sollte sich vielleicht nicht sofort ein teures Spinnrad zulegen. Eine Handspindel und etwas Wolle zum Einstieg reicht erst einmal aus. Erfahrungsgemäß sind gekaufte Anfängerspindeln meist nicht unbedingt das gelbe vom Ei – hier kann man leicht selbst Hand anlegen und sich eine Handspindel aus Fimo selber bauen. Wer handwerklich etwas begabter ist, kann auf die Anleitung zum Selbstbau einer Spindel aus Holz zurückgreifen. Für Anfänger haben sich meist sogenannte "Kopfspindeln" bewährt - hier befindet sich der Wirtel oben an der Spindel und das Garn läuft durch einen Haken. Wobei die "Fußspindeln" - der Wirtel befindet sich am unteren Ende des Schafts - traditionell in Deutschland verbreiteter waren. Letztendlich muss man ausprobieren, was einem persönlich mehr liegt.
Was ist besser? Spinnrad oder Handspindel?
Man sollte dabei nicht vergessen, dass das Spinnen mit der Hand auch neben dem Spinnen mit dem Spinnrad eine gleichwertige Qualität und Daseinsberechtigung besitzt. Erfahrene Spinnerinnen greifen gerne auf beides zurück, besitzen oft große Spindelsammlungen und gerne auch mehr als ein Spinnrad - es sind eben "Herdentiere" - je nachdem welcher Technik man sich zum Spinnen eines bestimmten Garnes bedienen will.
Was benötigt man an Zubehör zur Garnherstellung?
Wer sich nach seinen ersten Versuchen wirklich als garnophil herausstellt und diesem Hobby intensiver nachgehen will, wird über kurz oder lang auch noch Handkarden oder eine teure Kardiermaschine benötigen, diese dienen dem Mischen und Kämmen verschiedener Spinnfasern. Auch eine (gekaufte oder selbstgebaute) Lazy Kate, eine Vorrichtung zum Abrollen vollgesponnener Spulen oder Handspindeln beim Verzwirnen des fertigen Garns, und eine Haspel zum Haspeln des gesponnenen Garns, ist dann nötig.
Wo bekommt man Wolle zum Spinnen?
Leider gibt es kaum Ladengeschäfte in denen man die Fasern vor dem Kauf befühlen und betasten kann. Dafür schießen die Online-Shops in diesem Bereich zahlreich aus dem Boden und bieten ein großes Sortiment an Schafswolle, Seide, pflanzlichen Fasern, Färbemitteln, Perlen zum Einspinnen und mehr.
Färben von Wolle und anderen Fasern
Viele Spinnerinnen und Spinner färben ihre Wolle auch selbst. Hier kann man ganz authentisch mit Pflanzen färben, gekaufte Wollfarben verwenden oder auch ganz simpel mit dem Getränkepulver Koolaid oder mit Ostereierfarben Wolle färben.
Literatur zum Thema Spinnen und Artyarn
Bekannte Bücher über die Spinnkunst wie zum Beispiel „Intertwined. The Art of Handspun Yarn“, „Respect the Spindle“ oder „Spinning in the Old Way“ sind leider derzeit nur in englischer Sprache zu bekommen. Es gibt inzwischen aber auch vereinzelt deutsche Bücher zu diesem Thema.
Worauf achten beim Kauf eines Spinnrads?
Vorsicht beim Ebay- oder Flohmarktkauf: alte Spinnräder sind zwar sehr schön – aber meist erhält man hier ein nicht spinnfähiges Deko-Rad. Ein weiteres Problem bei alten Rädern ohne bekannte Hersteller ist, dass man Einzelteile nicht nachkaufen kann. Falls das Rad also nicht gut läuft, defekt ist, Bauteile oder Spulen fehlen, eventuell sogar Holzwürmer hat und man keinen guten Tischler oder Drechsler zur Hand hat gilt hier: Finger weg! Natürlich gibt es auch gute Händler für gebrauchte Spinnräder – wer aber noch lange Spaß an seinem Hobby haben will, sollte auf ein Markenrad zurückgreifen. So kann man auch später noch zusätzliche Spulen kaufen oder sein Rad aufrüsten. Kromski, Louet, Ashford, Henkys sind nur einige der großen Hersteller-Namen. Einige Onlineshops bieten auch einen Spinnradverleih zum Probespinnen an.
