
- Modell 2011 - mpbystyle Berlin 2011
Der Trend zurück in die gute alte Zeit hält weiterhin an und vermittelt das Feeling für vergangene glänzende und gloriose Zeiten. Der Brückenschlag über Jahrzehnte erstklassigen Modedesigns scheint mit den neuen Kreationen voll ins Schwarze zu treffen. Die ersten Trends für Herbst/Winter 2012/ 2013 werden sich durch noch mehr Mondänität definieren. Sie scheinen sich weiterhin an die Designs des letzten Modejahrhunderts zu orientieren. Dieser Faden wird mit Sicherheit auch in den nachfolgenden Saisons weiter gesponnen werden.
Der Betrachter muss sich aber fragen, ob dieses Nostalgiegefühl in den vergangenen zwei Jahren nicht doch etwas überstrapaziert wurde. Der Wunsch nach frischen innovativen Ideen, aus denen sich neue nie da gewesene Kreationen entwickeln lassen, nimmt auf Seiten der Konsumenten immer mehr Gestalt an.
Ein Hauch von Dekadenz und übertriebenem Luxus
Etwas im Stil übergewichtet kommen die neuen Modelle von Gucci und Gaultier daher und teilen konsequent die Darstellung der Zeiten um die 1970er und frühen 1980er Jahre mit. Hier ist die Frau mit einem etwas üppigeren Geldbeutel gefragt.
Große Hüte, überdimensionale Pelzbesätze, eine breite Palette extravaganter Accessoires aus Schlangenleder und die etwas übertriebenen Farbkombinationen hinterlassen unmittelbar den Eindruck des gehobenen Luxus mit einer gesunden Prise Dekadenz.
Ein Großteil der Branche stellt so mit ihren gelungenen Demonstrationen aus der guten alten Zeit ihre Kollektionen für die Herbst- und Winterzeit 2012 vor. Die Ära des wirtschaftlichen Erfolges, der Sorglosigkeit und der Verschwendung ist nicht zu leugnen. Sie produziert eine neue Form des Luxusdenkens, die die stilistischen Highlights der 1940er bis zu den 1970er Jahren bejubelt.
Gezielt nehmen Pelze eine gewisse Vorrangstellung ein und werden, wegen ihrer hohen Wertigkeit und ihrer langlebigen Eigenschaften, als Investitionsobjekte interpretiert. Die Marlene-Hose oder auch die Schlaghose werden weiterhin favorisiert und erinnern an längst vergangene Zeiten. Elegante Kleider mit reichhaltigen Farbmustern und Schluppenblusen aus Materialien höchster Güte, sowie Leder, Cord, Samt und Seide sind in der großen Schmuckkiste des Wertedenkens zu finden. Dabei wurden Boucle und Brokat auch nicht vergessen.
Sehnsucht nach bewährten Designs
Ob nun das Etuikleid, mit einem Rolli kombiniert, oder der Kapuzen-Pullover aus feinem Strick, der Plissier-Rock oder die Bluse mit Bubikragen, alles war schon einmal da und sind interessante Impressionen mit einem Touch moderner Haute Couture. Die Steghose von M. Bogner, Diors weit schwingende Midi-Röcke und die unverkennbaren Einflüsse eines Yves Saint Laurents durch seine Kreationen aus den 1960er Jahren sind Ausgangspunkte und Ausdrucksweisen einer kreativen Reise durch die Zeit. Die entstandenen modernen Interpretationen lassen zum Beispiel bei s.Oliver und Cinque Twiggy wieder auferstehen. Gradlinige Designs von Prada und Balenciaga werden durch große farbige geometrische Muster getragen.
Röcke und Kleider gehen wieder in der Länge von einer Handbreit über dem Knie bis eine Handbreit darunter.
Strenge Schnitte und betont mehr Volumen stellt Stella McCartney in den Fordergrund. Bei ihr überschneiden sich die typischen geschlechtsspezifischen Grundmerkmale im Design und zeigen mit groß geschnittenen Blazern in Kombination mit leichten Cocktailkleidern den Stil der 1950er Jahre. Für das Auge des anderen Geschlechts etwas gewöhnungsbedürftig.
Sachlichkeit und Geradlinigkeit
Futuristische Materialien und Schnitte mit geraden klaren Linien, grafische Zusammenstellungen mit farblichen Variationen und raffinierte Details bestimmen bei Riani, Cinque und Celine die Basis ihrer neuen Kollektionen. Schlichte Konturen, außergewöhnliche Materialien und die Art der Schnitte liefern ein offenes Bekenntnis zu den Styles der 1960er und 1970er Jahre. Zudem werden hochwertige Wollstoffe und Seide miteinander kombiniert, ergänzt durch Stoffe mit veredelten Oberflächen (Gummi- oder Lederlook).
Diese Kombinationen stehen derzeit bei einigen Kollektionen im Vordergrund, wirken aber nicht künstlich und vermitteln gewollt einen etwas futuristischen Eindruck. Zusätzlich kommen Einflüsse aus Architektur und Kunst zum Tragen, die durch harmonischen Farbvermischungen und vielfältigen Formen unterstrichen werden und meisterlich zusammen gefügt sind.
Sachlichkeit und Geradlinigkeit, sowie die Auswahl der Farbtöne, vermitteln eine wohltuende Ausgeglichenheit zwischen Volumen und Silhouette und sind sehr sorgsam arrangiert.
Ein Trend zu bestimmten Farben ist derzeit nicht erkennbar. Mit Blick auf das Styling, unter Berücksichtigung der verwendeten Materialien, könnte man bei einem Großteil der Designs bei verschiedenen Kollektionen vorsichtig eine Trendwende hinein interpretieren. Kommen Trends in Richtung Ganzjahres- Kreationen? Erste Präsentationen der meisten Label werden schon ab dem 22. Januar in den Showrooms von Hamburg bis München durchgeführt und mit der CPD- Verkaufsmesse in Düsseldorf vom 03. bis 06. Februar die Trends für die Saison Herbst/ Winter 2012/ 2013 vorstellen.
Quelle:
- TM, Ausgabe Nr. 14, Dezember 2011
