Zum ersten Mal in der Geschichte der USA ist ein Häftling auch mit Pentobarbital hingerichtet worden. Pentobarbital wird hauptsächlich als Tiernarkosemittel eingesetzt. Der Mörder John David Duty war 1978 in Oklahoma bereits wegen Raub, Mordversuch und Vergewaltigung zu einer dreimal lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Im Jahr 2001 hatte der Verurteilte schließlich seinen 22 jährigen Zellengenossen mit Schnürsenkeln erdrosselt und wurde deshalb zur Todesstrafe verurteilt.

Warum Tiergift Pentobarbital?

Im Bundesstaat Oklahoma wird nach wie vor die Giftspritze verwendet. Dabei werden dem zu Exekutierenden drei Spritzen verabreicht. Die erste soll Bewusstlosigkeit, die zweite eine Totallähmung und schließlich die dritte einen Herzstillstand verursachen. Normalerweise wird das Gift Natrium-Thiopental verwendet. Dies ist das einzige offiziell zugelassene Mittel zur Herbeiführung der Bewusstlosigkeit. Doch der einzige USA-Hersteller, der Pharmakonzern Hospira, wird vermutlich erst wieder 2011 liefern können, da ein Bestandteil des Giftes im Moment nicht beschaffbar sei. Die Bundesstaaten Kalifornien und Kentucky hatten daraufhin alle geplanten Hinrichtungen verschoben. In Arizona jedoch, war bereits am 27. Oktober der 48-jährige Jeffrey Landrigan mit einer Dosis Thiopental unbekannten Ursprungs hingerichtet worden. Um auf solche Importe aus dem Ausland und dem komplizierten Bewilligungsverfahren zu verzichten, hatte ein Bezirksrichter im November die Anwendung von dem Tiernarkosemittel Pentobarbital zum ersten Mal genehmigt.

Argumentation: bei Tieren die humanste Art

Die Anwälte Dutys hatten sich auf die Verfassung des Bundesstaates berufen, dass Häftlinge keinen außerordentlich grausamen Strafen ausgesetzt werden dürfen und es sich schließlich bei der Verwendung des Tiergiftes um ein neuartiges Hinrichtungscocktail handeln würde, dessen genaue Wirkung unbekannt sei. Der Bundesstaat Oklahoma hingegen argumentierte, dass Pentobarbital bereits erfolgreich getestet worden wäre: Bei Tieren sei es die humanste Art und Weise, diese einzuschläfern. Und auch bei menschlichen Patienten wäre es erfolgreich zur Anwendung gekommen, um diese ins Koma zu setzen.

Die Tötung des John David Duty

Am Donnerstag, dem 16. Dezember wurde das Todesurteil schließlich vollstreckt. Davor hatte sich Duty von seiner Familie und Freunden verabschiedet, diese durften die Hinrichtung mitverfolgen. Der verurteilte Mörder hatte sich schließlich mit seinen letzten Worten bei der Familie seines Opfers entschuldigt. Sein letzter Appell galt Jesus Christus. Als um 18:12 Uhr die erste umstrittene Injektion mit dem Tiergift gesetzt wurde, durften die Familie und die Freunde des Verurteilten, durch ein Spiegelfenster im so genannten „death house“ zusehen. Nach dem Injizieren des zweiten und dritten Giftes, wurde der Mörder John David Duty um genau 18:18 Uhr Ortszeit für tot erklärt. Seine Tötung mit Tierbetäubungsgift entfachte die Debatte um „Capital Punishment“ (Todesstrafe) in den USA, ums Neue.

Todesstrafe in USA und der Welt

Als erster heute noch existierender Staat der Welt, hatte 1865 San Marino die Todesstrafe abgeschafft. Weitere 94 Staaten folgten, als bislang letzter, Argentinien im Jahr 2008. Dagegen ist die Todesstrafe ohne Wenn und Aber in 58 Staaten der Erde aufrecht erhalten, beispielsweise in den USA, China, Weißrussland oder Vietnam. Etwa 72 Prozent der Hinrichtungen wird in China durchgeführt. In weiteren 35 Ländern ist die Todesstrafe zwar formal aufrecht, wird aber in der Praxis nicht mehr angewendet. So in Russland, Marokko, Algerien oder Tunesien. In Lettland, Kasachstan, Israel, den Fidschi-Inseln und einigen Mittel- und Südamerikanischen Ländern (auch Brasilien) wird die Todesstrafe nur in Kriegszeiten angewendet.

In den USA reiht sich John David Duty unter die vielen anderen Tausenden von Hingerichteten ein (Amnesty International bietet Statistiken zu jedem Staat), darunter auch 119 ausländische Staatsbürger inklusive vier Deutsche. Die Hinrichtungsarten variieren: Giftspritze, elektrischer Stuhl, Erschießen oder die Gaskammer. In einigen Bundesstaaten gelten als Alterslimit bloße 16 Jahre.