
- Moienmarkt Umzug - Hartmut Richter
Die bis auf das Jahr 956 zurückgehende Geschichte der süd-brandenburgischen Stadt Schlieben umfasst, neben einer Vielzahl von Sagen und Mythen, den alljährlich stattfindenden Moienmarkt. Dieses bis heute beibehaltene Volksfest wird von den Schliebenern seit 1593 gefeiert. Jedes Jahr findet das Stadtfest am Wochenende vor dem ersten Montag im Monat Juli statt und ist mit mehreren tausend Besuchern eines der größten und bekanntesten Heimatfeste des Elbe-Elster-Kreises, welcher sich nur 40 Kilometer vom bekannten Erholungsgebiet des Spreewaldes und etwa 100 Kilometer südlich von Berlin befindet.
Geschichte
Über eine 400-jährige Tradition zurückblickend, finden sich erste Hinweise auf das Volksfest im Jahre 1593. Aufgrund des jährlich stattfindenden Ereignisses am Johannistag wurde der Moienmarkt auch Johannismarkt genannt. Der heutige Name geht auf das Wort „Moie", was mit den neuhochdeutschen Worten „Mädchen" oder „Magd" zu übersetzen ist, zurück. Damals nutzten die Bauern der Umgebung den Johannismarkt für die Anwerbung von Mägden und Knechten für das kommende Jahr und die anstehende Ernte. Der geschlossene Vertrag wurde anschließend in den zahlreichen Weinkellern mit Schliebener Wein begossen. Es wird außerdem angenommen, dass die Bediensteten von ihren Arbeitgebern zum Moienmarkt vertraglich zugesicherte finanzielle Zuschüsse bekamen. Wie noch heute trafen sich damals die Leute auf dem Moienmarkt, um Neuigkeiten auszutauschen, wobei die Wege zu Fuß oder Pferd zurückgelegt wurden. Während Handwerker und Händler ihre Ware feil boten, unterhielten Gaukler und Musikanten das Volk.
Wie wird heutzutage der Moienmarkt gefeiert?
Die zum jährlichen Volksfest stattfindende Moienwahl gewährt dem Besucher Einblicke in die historische Tradition. Hierbei müssen junge Mädchen vor einer Jury ihre Fähigkeiten bezüglich der Haus- und Hofarbeit unter Beweis stellen. Zur „Moie des Jahres" wird im Anschluss das Mädchen gekürt, welches die meiste Geschicklichkeit nachweisen konnte.
Doch nicht nur die Moienwahl, sondern auch die historische Ratssitzung oder ein deftiges Rittermahl auf dem Schliebener Drandorfhof versetzen den Besucher zurück in längst vergangene Zeiten. Außerdem locken die 34 historischen Kellergewölbe, die 1510 zur Aufbewahrung des Schliebener Weines, welcher bis heute angebaut wird, in den Boden gegraben wurden. In den Weinkellern können die Moienmarkt-Besucher gesellige Stunden bei einem Gläschen Rebensaft verbringen. Bereits im 13. Jahrhundert sollen Zisterzienser Mönche die ersten Weingärten angelegt haben, wobei diese bis heute bestehen und den Schliebenern jährlich Weinsorten, wie „Müller-Thurgau" und „Bacchus" schenken. Da viele Wanderwege die Besucher von den historischen Weinkellern durch das Erholungsgebiet „Langer Berg" führen, ist Schlieben nicht nur für Weinkenner und Volksfestliebhaber, sondern auch für naturbegeisterte Wanderer eine Reise wert.
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