Moira Young - Dustlands. Die Entführung

Moira Young - Dustlands Buchcover - Fischer Verlage
Moira Young - Dustlands Buchcover - Fischer Verlage
In einer postapokalyptischen Welt muss die junge Saba gefährliche Abenteuer bestehen, um ihren entführten Zwillingsbruder zu retten.

Klimakatastrophe, Umweltzerstörung, Finanzkrisen – die Zukunft sieht finster aus, wenn alles so weiter läuft wie bisher. Der finale Kollaps, die Apokalypse ist für viele neue Autoren des Fantasy Genres schon Vergangenheit. Mark Lawrence „Prinz der Dunkelheit“, Suzanne Collins „Die Tribute von Panem“, Justin Cronin „Der Übergang“ entwerfen in ihren Debüts endzeitliche Dystopien, in denen Gewalt und Anarchie herrschen. Von unserer untergegangenen Zivilisation zeugen nur noch Relikte, deren Sinn die Überlebenden nicht mehr verstehen. Auch in Moira Youngs als Trilogie angelegte „Dustlands“ findet der Leser die oben genannte Szenarien wieder. Das ist ihr so gut gelungen, dass ihr Buch in der Kategorie Kinderbücher für den britischen Costa Award 2011 nominiert wurde.

Dustlands: Sabas gefährliche Suche nach ihrem entführten Zwillingsbruder

Die 18jährige Saba lebt mit ihrem vergötterten Zwillingsbruder Lugh, der ungeliebten kleinen Schwester Emmi und ihrem verhärmten Vater in einem ausgetrockneten, menschenleeren Tal. Während eines Sandsturms erscheinen vier Reiter. Sie töten den Vater und entführen Lugh. Saba macht sich auf den Weg, Lugh zu finden und zurück zu holen. Unterwegs muss sie gefährliche Abenteuer bestehen. Sie muss kämpfen und töten und macht sich mächtige Feinde. Aber sie lernt auch das erste Mal Freundschaft und Liebe kennen.

Dustlands: Die Reise der Heldin zu sich selbst in einer postapokalyptischen Welt

Die Abwracker, unsere Gesellschaft, ist untergegangen. Übriggeblieben sind Wüsten mit mörderischen Sandstürmen und mutierten Monstern, Nebel und kahle Gebirge. In der lebensfeindlichen Umgebung geht es ums Überleben, Bildung ist überflüssig. Saba gehört zu dem neuen Menschenschlag. Sie ist ein wildes, schroffes Mädchen, anderen begegnet sie – zu Recht – mit Misstrauen. Sie ist eine furchtlose Kämpferin und tötet, wenn es nötig ist. Dass sie auch alleine stark ist, dass sie auch eine weiche Seite hat, dass es höhere Ziele gibt, lernt sie erst auf ihrer Reise. "Dustlands" erzählt, wie die meisten Bücher, die sich an Jugendliche wenden, vom Erwachsenwerden. Und wie die meisten Fantasybücher, erzählt sie davon, wie der Protagonist zum Helden wird. Die Reise wird auch zu einer Reise zu sich selbst.

Dustlands: Geschrieben im Sprachduktus der Analphabetin Saba

Die Ich-Erzählerin Saba besitzt keine geschliffene Sprache. Sie kann nicht lesen und schreiben und war nur mit wenigen Menschen zusammen. Sie ist es nicht gewohnt, Emotionen zuzulassen und schon gar nicht, sie sprachlich wiederzugeben. Verschluckte Wortendungen und Schlichtheit prägen Sabas Slang, der durchaus poetisch sein kann: „Ich vermiss ihn so schlimm, dass mir der ganze Körper weh tut. Es ist wie…eine Leere. Eine Leere in mir, neben mir und um mich rum, überall da, wo Lugh sonst ist.“ „In meinem Bauch ist ein Messer. Es dreht sich und schlitzt mich auf. Mit jedem Herzschlag rutscht es ein bisschen tiefer in mich rein. Es tut so weh, damit kann ich nicht weiterleben.“ Moira Young schreibt die Geschichte so auf, wie Saba sie schreiben würde, wenn sie schreiben könnte: ohne Anführungsstriche bei der wörtlichen Rede. Gedanken, Beobachtung und Rede stehen gleichwertig neben einander. Der Leser muss sich die Mühe machen, sie zu unterscheiden.

Dustlands: Versatzstücke aus Film- und Literatur

Man begegnet in "Dustlands" vielen bekannten Bildern aus Film und Literatur. Die abgedrehten, skurrilen Gegenspieler erinnern an "Mad Max", die bösartigen Höllenwürmer an die Sandwürmer in „Dune – Der Wüstenplanet“. Käfigkämpfe finden sich auch in "Mad Max" und in Suzanne Collins „Die Tribute von Panem“. Carthy Mac Cormacs „Die Straße“ klingt ebenso an wie Westernmotive, wenn sich Outlaws zu Banden zusammenschließen oder Saba sich dem Showdown stellt. Die amazonenhaften Kämpferinnen mit Pfeil und Bogen sind ein beliebtes Fantasy Motiv und nehmen eine Gesellschaft vorweg, in der Frauen und Männer gleich sind. Sogar ein bisschen von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ steckt in der Liebesgeschichte von Saba und Jack.

Dustlands: Moira Youngs Erfolgsmix für Jugendliche

Moira Young bedient sich bewährter und bekannter Versatzstücke und schafft es, daraus etwas Eigenes zu machen. Ihre jugendliche Protagonistin ist keine moralisch makellose Heldin, aber sie ist sympathisch und entwickelt sich. Dustlands erzählt temporeich, bietet spannende Action und sorgt mit den Dialogen zwischen Saba und Jack für den nötigen Humor. Es gibt genug rätselhafte Andeutungen, um auf die Fortsetzungen gespannt zu sein. Der Mix zwischen Coming of Age und Fantasy spricht die (weibliche) jugendliche Zielgruppe an. Die harten Actionszenen, die Sprache und der Schreibstil sind für Jüngere nicht geeignet. Wer es wie Saba nicht so mit dem Lesen hat, kann auf die Bilder zum Buch warten. Die Verfilmung ist geplant und mit Ridley Scott als Regisseur verspricht es ebenfalls ein Erfolg zu werden.

Moira Young. Dustlands – Die Entführung. FJB Fischer Verlage. Dezember 2011. Gebunden. 450 S. 16.99 €

Brigitte Grahl, Brigitte Grahl

Brigitte Grahl - Nach meinem Studium der Germanistik und Publizistik an der FU habe ich als freie Journalistin bei Print- und Online-Medien ...

rss