Momo, immer noch aktuell

Portrait eines Bioladens der Gründerzeit

Momo früher - Momo
Momo früher - Momo
Der Bioladen Momo macht Karriere, aber die „grauen Männer" bedrohen das Geschäft.

Einst gab es einen kleinen Laden in Bonn-Beuel, der sich gleich dem Roman „Momo“ nannte. In dem Roman reduzieren „graue Männer“ Zeit auf Gewinn und nehmen dem Leben somit seine Qualität. In Anlehnung hieran wollte der Laden Momo also Lebensqualität bieten, in Form von hochwertigen Bio-Produkten und Zeit füreinander. Das Konzept ging auf. Heute ist der Laden 27 Jahre alt und seit 2005 aus der Friedrich-Breuer-Straße in die Hans-Böckler-Straße umgezogen.

Der Laden expandiert

„Es gab Zeiten, da hatte man kaum Platz zum Stehen“, erklärt der Ladeninhaber. Tschernobyl und Lebensmittelskandale wie BSE haben ein Bewusstsein für Umwelt und Gesundheit geschaffen und Momo nachhaltig Kundschaft verschafft. Als dann 2005 ein Bio-Laden ein paar Ecken weiter eröffnen wollte, kam Momo der Konkurrenz zuvor und zog selbst in das begehrte Mietobjekt ein.

Heute beträgt die Verkaufsfläche 600 Quadratmeter statt 100, das Sortiment ist von 2500 Artikeln auf 6000 angestiegen, es gibt einen Pächter für Bistro und Metzgerei und die Belegschaft besteht aus 27 Festangestellten, statt des ständig wechselnden Kollektivs von vier bis 15 Mitarbeitern.

und ändert sich

Einst hatte ein Kollektiv aus Studenten den Laden gemeinschaftlich geführt und jeder für die laufenden Kosten eine Einlage eingezahlt. Hohe Fluktuationen und fehlender Konsens erschwerten jedoch das Geschäft ebenso wie finanzielle Unsicherheit, denn beim Ausstieg erhielt jeder Teilhaber seine Geldeinlage zurück. Heute führen daher der Inhaber Raoul Schaefer-Groebel und sein Stellvertreter Ulrich Rothert den Laden.

Auch die Kundschaft hat sich gewandelt. Früher bestand sie vorwiegend aus politisch engagierten Leuten, die den eingegliederten Umweltladen in Momo nutzen, um zu ganz verschiedenen Themen zu demonstrieren. Heute gibt es den Umweltladen nicht mehr. Neben politisch engagierten, kaufen gesundheitsbewusste Familien ein, alte Menschen, welche die Beratung schätzen, oder Kunden, die wegen des guten Geschmacks der Kartoffeln kommen.

Der Kampf gegen die grauen Männer

Der Laden von einst, der Lebensqualität schaffen wollte, bleibt seinem Ideal treu. Bis heute bietet er hochwertige Bio-Lebensmittel, lässt sich Zeit für die Kunden und engagiert sich gesellschaftlich, nur zu fachbezogenen Themen eben rundum Bio, Umwelt und Gesundheit, was dem Interesse der breiten Kundschaft entspricht.

Auch der Kampf gegen die „grauen Männer“, die Geschäftsleute aus dem gleichnamigen Roman „Momo“ geht für den Laden im realen Alltag weiter. Heute sind es Discounter, die Bio billig verkaufen. Dabei nutzen sie jegliche Strategien, kaufen Überschüsse von namenhaften Produzenten ein und verkaufen sie günstig als Noname-Marke weiter, fordern Mengenrabatte für die Abnahme von Ware, diktieren den Lieferanten feste Einkaufspreise, auch wenn deren Kosten steigen, passen die Löhne der Mitarbeiter nicht der Inflation an oder setzten auf 400 Euro Jobs.

Die Ironie der Geschichte

Gegen diese Übermacht hat Momo nun zu kämpfen, denn durch das billige Angebot wandern Kunden ab. Momo kann aber nicht billiger sein, denn es hat das Kapital der Großen nicht, um in rauen Mengen zu kaufen. Außerdem fühlt sich der Inhaber den Bio-Werten verpflichtet und meint damit auch soziale Verantwortung. Er legt wert auf ein langfristiges und partnerschaftliches Verhältnis zu den Produzenten und arbeitet nur mit Festangestellten zusammen.

Eine Ironie birgt die Geschichte also. In dem Roman gaukeln die „grauen Männer“ vor, man könne Zeit wie Geld sparen. Die Discounter hingegen behaupten, Bio billig zu bieten. Wenn Bio ein Wirtschaften zugunsten aller meint, Umwelt und Mensch gleichermaßen, dann muss aber auch in jeden Bereich investiert werden, damit er fortbestehen kann. Billig bedeutet jedoch, dass irgendwo gespart wird.

Quellenangaben