
- Mongolische Weite - Ursula Rischanek
Tiefblau spannt sich der Himmel über die grenzenlos weite Steppe. Außer dem Schnauben der Pferde ist bis auf einen gelegentlichen Vogelschrei nichts zu hören. Kilometer um Kilometer tragen uns die kleinwüchsigen, stämmigen und zotteligen Pferde durch die unglaublich schöne Landschaft. Sanfte Hügel heben sich aus der Ebene, im Hintergrund zeigen sich zerklüftete Bergketten. Dazwischen leuchten Gers, die Jurten der Nomaden, wie Punkte auf einem Fliegenpilz. Nach wie vor zieht etwas weniger als die Hälfte der 2,5 Millionen Mongolen durch das Land. Je nach Landstrich werden die Gers sechs bis 20mal pro Jahr für die Wanderung zum nächsten Weideplatz abgebaut. Da den richtigen zu finden, der Futter und Wasser für die Tiere bietet, ist lebenswichtig. Die unzähligen Schafe, Ziegen, Kamele, Pferde und Yaks, die immer wieder wie aus dem Nichts auftauchen, sind schließlich das lebende Vermögen der Nomaden, die Reisende gastfreundlich bewirten.
Urpferde ausgewildert
A propos Pferde: seit einigen Jahren sind in der Mongolei auch die Przewalskipferde wieder heimisch. Die Steppenwildpferde, die schon als ausgestorben galten, wurden in drei Nationalparks erfolgreich ausgewildert. Im Hustai-Nationalpark, etwa 95 Kilometer westlich der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator, leben mittlerweile an die 300 Urpferde. Mit etwas Glück stößt man bei einer Wanderung im Park auf eines der Tiere - gute Augen sind dafür Voraussetzung, denn das falbfarbene Fell der von den Mongolen "Thakis" genannten Pferde hebt sich kaum von den gelbgrünen Hügeln, auf denen sie grasen, ab.
Ein ganz anderes Bild bietet sich im Norden des Landes am Hövsgöl-See. Statt der unendlichen Weite wandert oder reitet man hier durch dichte Lärchen-, Zirben- und Kiefernwälder, denen der Saure Regen anscheinend noch nicht zugesetzt hat. Elche, Luchse, Zobel, Bären, Hirsche, Wildschweine und Moschustiere sind hier daheim - und in den Nächten kann man durchaus den einen oder anderen Wolf heulen hören. Der tiefblaue See ist mit 134 Kilometern Länge und 39 Kilometern Breite der zweitgrößte der Mongolei und mit 262 Metern der tiefste in Zentralasien. Dank seines Fischreichtums ist er bei Anglern sehr beliebt: Bloß: Mongolen fischen nicht - und sie essen auch keine Fische. Dafür stehen Pferde, Schafe, Rinder und Ziegen, aber auch Murmeltiere auf ihrem Speiseplan.
Steinerne Zeugen der Vergangenheit
Die Mongolei hat neben einer unbeschreiblich schönen Landschaft, über der sich an 260 Tagen im Jahr ein blauer Himmel spannt, auch kulturell einiges zu bieten. Etwa das Kloster Erdene Zuu, das als erstes großes lamaistisches Kloster 1586 aus den Trümmern der alten Hauptstadt Karakorum errichtet wurde. Bis zu den Säuberungen in den 1930er Jahren lebten hier zeitweise bis zu 10.000 Lamas - heute kümmern sich nur noch einige wenige um die Tempelanlage, von der nur noch drei große Tempel, eine Stupa sowie ein paar Nebengebäude erhalten sind. Auch von Karakorum, der 1220 von Dschingis Khan gegründeten Hauptstadt, haben nur zwei Relikte die Jahre überlebt: zwei große steinerne Schildkröten, auf dem Rücken quadratisch ausgehöhlt, sind die einzige greifbare Verbindung zur früheren Hauptstadt des mongolischen Großreichs. Tempel finden sich überall im Land; oft haben sie die Säuberungen überstanden, oft wurden sie zerstört und werden nun in mühevoller Arbeit wieder aufgebaut. Aber auch auf Ruinen aus der Türkenzeit - wie bei Hoshoo Zsaidam -, Hunnengräber und steinzeitliche Malereien in der Nähe des Berges Lach oder Dinosaurierknochen und versteinerte Bäume - in der Wüste Gobi - stößt man in der Mongolei.
