"Monk": Ein Zwangsneurotiker sorgt für Furore

TV-Serie "Monk" auf RTL ist fester Bestandteil der Fernsehlandschaft

Eine TV-Serie mit einem Zwangsneurotiker als Hauptdarsteller ist eine der ungewöhnlichsten verwirklichten Ideen der Fernsehgeschichte.

Schon mit der Ausstrahlung der Pilotfolge erzielte der von Tony Shalhoub dargestellte Adrian Monk mächtiges Medienecho. Es sollte nicht lange dauern, und der schrullige Detektiv tauchte in allen möglichen Fernsehkanälen weltweit auf. Das Konzept der Serie besteht nicht darin, die übliche Komik abzubilden, welche anderswo ungewollte Schenkelklopfer hervorruft. Nein, die Qualität von "Monk" ist in der Genialität und Unverwechselbarkeit des Hauptprotagonisten zu sehen.

Die Serie "Monk" zeigt auf: Zwangsneurotiker sind keine Freaks

Adrian Monk ist kein Mann von nebenan – er könnte es aber sein. Zu glauben, dass es sich bei ihm um einen Freak handelt, der alle heiligen Jahre in der Realität auftaucht, ist eine grobe Fehleinschätzung. Menschen mit zwangsneurotischen Persönlichkeits-Anteilen sind keine Seltenheit. Ihr Hang zu Perfektion und völliger Kontrolle führt dazu, dass sie von automatisierten Mechanismen eingenommen sind, die eine Beeinträchtigung von Lebensqualität darstellen.

Der Polizeiberater Adrian Monk bedarf einer Assistentin, um die Gefährlichkeiten, die ihn im Alltag bedrohen, abwehren zu können. Er ist zweifellos eine Extremform eines Zwangsneurotikers. Schon in der Pilotfolge flüchtet er in merkwürdigen Zick-Zack-Linien vor einer bedrohlichen Situation. Selbst unter Lebensgefahr richtet er sich an bestimmte Muster, die ihm Sicherheit vorgaukeln.

Pluspunkte der Serie "Monk": Fortwährend packende Skripts

Die erste Staffel der Serie kann nur als fantastisch bezeichnet sein. Jede einzelne Folge verfügt über eine Qualität, die seinesgleichen sucht. Noch eine Spur genialer sind Monks Ermittlungen, die ihn auf einen Rummelplatz führen, seine Schwierigkeiten im Urlaub auszuspannen, und seine überbordende Flugangst. Folgen, die mittlerweile Geschichte geschrieben haben.

Bis Mitte der vierten Staffel ging nur wenig Qualität verloren, plötzlich aber hatten die Skripts deutlich weniger Originalität, und die Figurenzeichnung von Adrian Monk bekam einige Schrammen ab. Die chronologische Entwicklung geriet ins Schleudern, und erlebte ihren Tiefpunkt mit der Folge, wo Adrian auf seinen Vater trifft, und keine Parallele zu einer anderen Folge gesetzt ist, die Monk und seinem Bruder eine herbe Enttäuschung mit ihrem Dad einbrachte. Es scheint so, als sei die Figur des Vaters ohne Rückbezüge aufgetaucht. Ob dies beabsichtigt ist? Falls es so sein sollte, ist es zumindest ein nicht erklärbares Kuriosum.

Monks Charakter: Er ist keine einsame Insel, auch wenn er es gerne wäre

Trotz seines Status als Einzelgänger definiert sich Adrian sehr stark über andere Personen. Da ist seine einem Mordanschlag zum Opfer gefallene Frau Trudy, von der er sich nicht lösen kann. Er muss mehrmals wöchentlich zum Psychiater, zu dem er ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt hat (der Darsteller des Dr. Kroger, Stanley Kamel, verstarb am 8. April 2008 an den Folgen eines Herzinfarkts). Und ohne eine Assistentin ist sein Leben gar nicht mehr vorstellbar.

Einmalige Idee und ausgezeichnetes Team von Schauspielern

Wenngleich die TV-Serie "Monk" einen leichten Qualitätseinbruch erlitt, ändert dies nichts an der Einmaligkeit der zugrunde liegenden Idee. Insbesondere die ersten drei Staffeln strotzen nur so von ausgezeichneten Geschichten. Tony Shalhoub verkörpert mit Adrian Monk wohl die Rolle seines Lebens. Er ist mit dieser Figur verwachsen, und hat es gelernt, ihre Eigenheiten zu lieben. Die Krimis leben in erster Linie von den genialen Ermittlungsmethoden des Zwangsneurotikers. Manche Szenen sind brüllend komisch, andere zeugen von hintergründiger Ernsthaftigkeit. Mit Ted Levine als Captain Stottlemeyer, Jason Gray-Stanford als Randy Disher, und Bitty Schram sowie Traylor Howard als Assistentinnen Sharona Fleming und Natalie Teeger hat sich rund um Tony Shalhoub ein Team gebildet, das die Ideen des mehrköpfigen Schreibteams szenisch wunderbar umzusetzen vermag.

Jürgen Heimlich, Jürgen Heimlich

Jürgen Heimlich - Geboren im Zeichen des Wassermanns im Jahre 1971. Schon in der Volksschule Niederschrift eines kleinen Erzählbandes („Das ...

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