
- Mais-Monokultur - Uschi Dreiucker/pixelio.de
Nachdem die Anzahl der Prozesse zwischen Monsanto und Bauern in den letzten Jahren ständig zugenommen hatte, sah sich das US- amerikanische Center for Food Safety (CFS) veranlasst, den Ursachen und dem Ausmaß dieser Rechtsstreitigkeiten nach zu gehen. Der dazu im Jahr 2005 erschienene Bericht “Monsanto vs. US Farmers“ sorgt seither für Aufsehen und Diskussionen.
Monsanto – der Megakonzern
Monsanto, mit Sitz in Creve Coeur/USA, galt über viele Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts als eines der weltgrößten Chemieunternehmen. Produkte, wie das Dioxin Agent Orange, PCB oder Aspartam standen lange Zeit massiv in der Kritik und deren Einsatz hat Millionen Menschen gesundheitlich geschädigt und viele das Leben gekostet.
Seit den 90er-Jahren hat sich Monsanto nun gewandelt zum führenden Agrar-Konzern. Das Unternehmen liefert die Saatguttechnologie für 90 Prozent aller weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen. Sein Erfolg beruht aber - so die Ermittlungen des CFS - nicht auf wirtschaftlichen oder umweltbezogenen Vorteilen der Anwender, sondern auf Monsanto's strenger Kontrolle der Anwendung seiner patentierten Technologie. Dafür hat Monsanto mehrere Strategien entwickelt:
- Zwischen 1996 und 1998 Aufkauf der Mehrzahl amerikanischer und internationaler Saatgutfirmen oder aber Fusion (unter anderem Calgene, Delta, Monsoy, Cargill, Plant Breeding International und DeKalb Genetics).
- Erwerb einer Vielzahl von Patenten auf gentechnische Verfahren und auf gentechnisch veränderte Sorten
- Erschaffung des "Monsanto-Saatgut-Vertrages", mit dem Bauern gezwungen werden, Monsanto's gentechnisch verändertes Saatgut jährlich neu zu kaufen, statt - nach 10.000 Jahre alter bäuerlicher Tradition - von der eigenen Ernte Saatgut einzubehalten und wieder auszusäen.
Warum gentechnische Veränderung der Nutzpflanzen?
Die beiden weltweit meist genutzten Eigenschaften gentechnisch veränderter Pflanzen sind die Herbizidtoleranz und die Insektenresistenz. Das erste Monsanto RoundupReady Soja wurde 1996 angebaut, es folgten RoundupReady-Baumwolle und -Raps sowie Bt-Sorten von Mais, Baumwolle und Kartoffeln.
Monsanto's Pflanzen sind gentechnisch so verändert, dass sie der Anwendung des Glyphosat-haltigen Unkrautvernichtungsmittels Roundup - ebenfalls von Monsanto - standhalten können. Roundup findet in der Landwirtschaft weltweit riesigen Absatz, obwohl es als giftig und gefährlich für Mensch und Tier gilt. Seine Deklarierung ''biologisch abbaubar“ musste Monsanto nach zwei Prozessen wegen falscher Werbeaussage vom Etikett nehmen.
Die Einführung von GVO's hat die Landwirtschaft für Tausende amerikanische Bauern gravierend verändert. Sie wurden gezwungen, auf unbekanntes, gefährliches Terrain vorzudringen. Monsanto's dominierende Stellung auf dem US-amerikanischen Saatgutmarkt hat es zudem schwierig gemacht, qualitativ hochwertige konventionelle Sorten einiger Hauptkulturpflanzen im Handel zu erhalten.
In den USA und Kanada beherrschte Monsanto im Jahr 2004 den Markt mit 85 Prozent genverändertem Soja, 76 Prozent Baumwolle, 45 Prozent Mais und 84 Prozent Raps (2003). Aber auch in Südamerika, Asien und Australien haben sich GVO's mit 100 Millionen Hektar Anbaufläche stark ausgebreitet.
In die Analyse von Saatgut, Erbgut und die Gentechnik investiert Monsanto sehr viel Geld. 2005 waren es mehr als 85 Prozent des gesamten Forschungs- und Entwicklungsbudget: 430 Millionen US-Dollar.
Monsanto gegen Bauern
Der Prozess der Kontrollübernahme beginnt damit, dass Monsanto die Bauern zwingt, beim Kauf von patentiertem Saatgut den "Monsanto-Saatgut-Vertrag" zu unterschreiben. Dieser Vertrag ermächtigt Monsanto unter anderem, Kontrollen auf dem Land der Bauern durchzuführen und verpflichtet sie zu einer hohen Haftung.
Alles - von Aussaat, Ernte bis zum Verkauf des genetisch veränderten Saatgutes - wird reglementiert und das für mehrere Jahre. Bauen Landwirte, in Unkenntnis der strengen Vertragsbedingungen, Saatgut von Monsanto nach, müssen sie mit hohen Geldstrafen rechnen. Hierdurch wurden einige Bauern bereits in den Bankrott getrieben, was der sehr gut recherchierte Dokumentarfilm “Mit Gift und Genen“ , der französischen Regisseurin Marie-Monique Robin, zeigt.
Vermutet Monsanto Vertragsbruch oder Verletzung von Patenten, so beginnen aggressive Nachforschungen. Es werden private Ermittlungsunternehmen eingeschaltet, die dann unerwartet auf den bäuerlichen Betrieben auftauchen, häufig ohne Genehmigung Proben ziehen oder Fotos machen.
Das CFS erfuhr in seiner Befragung, dass Monsanto die Bauern danach durch Drohbriefe unter Druck setzt, sich vertraulich und außergerichtlich auf eine geheim gehaltene Strafsumme und sonstige Vergleichsbedingungen zu einigen. Widersetzen sich Bauern, so kommt es zur Klage. Bis zum 26. Oktober 2007 hatte Monsanto 112 Klagen gegen US-amerikanische Bauern eingereicht, wovon 372 Bauern und 49 kleine Firmen oder Landhändler betroffen waren.
Bauern haben oft kaum eine Chance, gegen den Giganten Monsanto anzukommen, da dem Unternehmen allein für Prozesse ein jährlicher Haushalt von 10 Millionen US-Dollar und 75 Angestellte zur Verfügung stehen.
Laut Presseberichten und Monsanto's eigenen Aussagen wurde schätzungsweise gegen 500 Bauern ermittelt in einer Größenordnung von 85,6 bis 160,6 Millionen US-Doller (Stand: 2005). Man schätzt, dass diese Zahlen wohl nur die Spitze des Eisberges darstellen.
Monsanto's Gründe für Klagen können vielseitig sein. So wurden Bauern verklagt, nachdem ihr Feld mit Pollen von Gen-Pflanzen eines anderen Landwirtes verunreinigt wurde, wenn gentechnisch verändertes Saatgut einer Vorjahres-Kultur auf Feldern keimte, auf denen im Folgejahr keine gentechnisch veränderten Sorten angebaut wurden und auch, wenn Bauern patentiertes Saatgut aussäten, ohne den Monsanto-Saatgut-Vertrag beziehungsweise die jährlichen Neuerungen unterschrieben zu haben.
Flächendeckende Verunreinigung
Gentechnisch veränderte Pflanzen von Monsanto sind in den USA sehr stark verbreitet. Fast jede der dortigen nicht gentechnisch veränderten Hauptkulturpflanzen ist von der Verunreinigung mit gentechnischem Erbgut betroffen. Verunreinigungen treten so häufig auf, dass einige bedeutende Saatguthändler nicht mehr bereit sind, ihre nicht gentechnisch veränderten Sorten als ''gentechnikfrei'' zu deklarieren.
Selbst wenn Bauern Saatgut ohne gentechnische Verunreinigung aussäen, können Pflanzen durch Körner belastet werden, die von vorbei fahrenden Lastwagen herunter fallen, vom Wind verweht oder von Vögeln und anderen Tieren auf die eigenen Felder gebracht werden. Auch durch Austausch oder Ausleihen von teuren Maschinen unter den Bauern kann es passieren, dass diese durch Gen-Saatgut aus der vorherigen Ernte verschmutzt sind.
Eine Änderung der Politik wird gefordert
Der Druck auf die Politik steigt, eine drastische juristische Verfolgung, wie sie Monsanto praktiziert, grundsätzlich zu verändern. Dazu gehört in erster Linie die Änderung der Patentgesetzgebung. Gentechnisch veränderte Pflanzen dürfen nicht länger als patentierbar anerkannt und der Nachbau von Saatgut nicht als Patentverletzung betrachtet werden. Bis zum Jahr 2005 hatte Monsanto bereits 647 Patente auf gentechnisch veränderte Pflanzen. Außerdem fordern Bauern, dass biologische Verunreinigung nicht als Patentverletzung betrachtet und sie dafür haftbar gemacht werden.
Wie steht die EU und Deutschland zu gentechnisch verändertem Saatgut?
In vielen Ländern der EU herrscht noch große Skepsis beziehungsweise Ablehnung gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen für den menschlichen Verzehr. Gründe dafür sind Mängel in den Zulassungsverfahren, Folgeschäden durch den Einsatz von Agro-Gentechnik und Rückgänge in der Artenvielfalt. Die EU importiert allerdings schon seit Jahren Gentechnik-Pflanzen als Viehfutter und in Form von Agrosprit.
Im Jahr 2006 bauten deutsche Bauern auf knapp 950 Hektar Gen-Mais der Linie Mon 810 an und Monsanto's Methoden bekamen konventionell und ökologisch arbeitende Bauern aus der Nachbarschaft bereits zu spüren.
Im Jahr 2005 erschien die US-Studie “Monsanto vs.US Farmers“ mit dem Titel “Monsanto gegen Bauern“ in Auszügen auch in deutsch. Sie ist über den ABL-Verlag, Hamm, zu beziehen.
Quelle:
Broschüre "Monsanto gegen Bauern"
