"Monsters" – Sci-Fi-Drama mit größtem Hype seit "Cloverfield"

Außerirdische Riesenkraken terrorisieren im Sci-Fi-Drama die USA und Mexiko. Gareth Edwards 15.000-Dollar-Film erinnert nicht zufällig an "Cloverfield"

Seit „The Blair Witch Project“ zählt es zu einer gepflegten Tradition: Alle Jahre wieder erblickt ein bereits im Vorfeld gehypter, extrem günstig produzierter Film das Licht der Leinwand und sorgt für Begeisterung unter den Kritikern und in den Medien. Oren Pelis „Paranormal Activity“ füllte 2009 die Kinos und Studiokassen. Fast exakt ein Jahr später tritt Special-Effects-Spezialist Gareth Edwards mit seinem Debütwerk „Monsters“ in die Fußstapfen von „Paranormal Activity“ und wirft die berechtigte Frage auf: Erneut viel Hype um nichts?

Cthulhus Verwandte verheeren Amerika

Den ersten Kontakt mit einer außerirdischen Lebensform hätte sich die US-Regierung gewiss anders vorgestellt. Nachdem eine NASA-Sonde beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zerstört wurde, verteilten sich deren Erdproben über dem nordamerikanischen Kontinent. Mit fatalen Folgen. Aus den Proben entwickelten sich gigantische, mit hoher Intelligenz ausgestattete Krakenwesen, die der geballten Schlagkraft der stärksten irdischen Militärmacht hartnäckig widerstehen und weite Teile Nordamerikas unter ihre Herrschaft gebracht haben. Um die tentakelbewehrten Aliens von der Eroberung des gesamten Kontinents abzuhalten, wurde ein gigantischer Schutzwall an der Grenze zum von den Monstern beherrschten Territorium hochgezogen.

Welche Zustände in diesem Territorium herrschen weiß niemand. Lediglich das Militär und Hasardeure wagen sich in dieses Gebiet, das jeder mit Restverstand Ausgestattete meidet. Der Traum des in Mexiko arbeitenden Fotografen Andrew (Scoot McNairy) besteht darin, Bilder in dem „Krakenland“ zu schießen und damit quasi über Nacht berühmt zu werden. Stattdessen wird er von seinem reichen Auftraggeber dank gezielter Drohungen dazu überredet, dessen verwöhnte Tochter Samantha (Whitney Able) sicher in die USA zurückzubringen. Anfangs können sich die beiden einander nicht ausstehen. Doch als Andrew die letzten Tickets für eine sichere Überfahrt nach Norden von einem One-Night-Stand geklaut werden, müssen sie sich notgedrungen zusammenraufen. Denn der einzige Weg in die Heimat führt durch das von Monstern beherrschte Gebiet …

„Monsters“ kein zweiter „Cloverfield“

Unheimliche Monster bedrohen die Zivilisation und das Geschehen wird aus der Sicht der Protagonisten hautnah geschildert: Nicht rein zufällig erinnert dieses Konzept an J. J. Abrams grenzgeniales Live-Monster-Movie „Cloverfield“. Gleich dem Kinohit von 2008 heftet sich der Zuschauer an die Fersen ganz gewöhnlicher Durchschnittsmenschen, die einen unablässigen Überlebenskampf wider die Monster führen. Außerdem bleiben die Motive der riesigen Kreaturen ungeklärt, die offensichtlich anderen Welten entstammen („Cloverfield“ deutet an, dass es sich – ähnlich wie in „Monsters“ – um die Auswirkungen einer NASA-Probe aus dem Weltall handeln könnte).

Damit enden die Ähnlichkeiten beider Filme jedoch, was sich nicht nur im unterschiedlich hoch bemessenen Budget zeigt: 30 Millionen Dollar verschlang die Produktion von „Cloverfield“. Dem stehen rund 15.000 Dollar für „Monsters“ gegenüber – eine Summe, die insbesondere angesichts der eingesetzten Technik durchaus bezweifelt werden darf. Der wesentliche Unterschied zwischen den Science-Fiction-Streifen befindet sich in einem ganz anderen Punkt. „Cloverfield“ zelebriert einen klassischen Showdown zwischen einer schier unbesiegbaren Riesenkreatur und den auf ihre Waffen vertrauenden Menschen. Nicht ganz, aber weitgehend anders „Monsters“: Hier stehen nicht bombastische Effekte, sondern die Reise zweier einsamer Seelen durch eine ihnen fremde Welt im Mittelpunkt des Geschehens.

Liebe ist stärker als Tentakel

Ab und an schlagen die Krakenmonster zu und bemächtigen sich etwa im Fluss treibender, abgestürzter US-Kampfjets. Sequenzen mit den Ungeheuern zählen dennoch zu den Ausnahmen, was einerseits jeden ihrer Auftritte herausstreicht, andererseits gerade angesichts des weitgehend spannungsfreien Basisplots sehnlich herbeigewünscht wird. Denn gerade der Plot erweist sich als monströs platt. Ein anfangs völlig konträres Mann-Frau-Gespann wird unfreiwillig zusammengeschweißt und verliebt sich im Laufe des Filmes ineinander. Warum dem so ist, erschließt sich nicht, da beide Figuren komplett sterile und austauschbare Charaktere ohne jegliches Profil sind. Hier die verwöhnte Zicke, da der ausgebrannte Fotograf mit Küchentisch-Zynismus von der Stange.

Wer sich auf Grund des Trailers einen fesselnden Science-Fiction-Film rund um eine außerirdische Invasion erwartet, wird jedenfalls bitter enttäuscht. Stellenweise rücken das Treiben der Aliens und die rabiate Reaktion der US-Militärs völlig in den Hintergrund, und das zugunsten einer unsäglich öden Liebesgeschichte, die mit Soap-Opera-geeichten Dialogen angefüllt ist. Dazu passt denn auch der völlige offene Schluss der den Eindruck erweckt, Regisseur und Drehbuchautor Gareth Edwards hätte seinen Film nur noch zu einem Ende bringen und möglichst rasch auf den Markt werfen wollen.

Fazit nach knapp 100 Minuten Laufzeit: Faszinierende Prämisse, wenige, dafür tolle Effekte, schwaches Protagonisten-Duo und phasenweise sterbenslangweilige Handlung. Angesichts des aufgebauten Hype erweist sich „Monsters“ als mittelschwere Enttäuschung. Lerneffekt wird wohl trotzdem keiner daraus erzielt: Mit Sicherheit dürfte 2011 der nächste Hype folgen, dem die Medienmeute glatt auf den Leim gehen wird …

Originaltitel: „Monsters“

Regie: Gareth Edwards

Produktionsland und –jahr: GB 2010

Filmlänge: ca. 97 Minuten

FSK: Noch nicht bekannt

Verleih: Capelight

Deutscher Kinostart: 16.12.2010

Offizielle Website zum Film „Monsters“: www.monstersfilm.com

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