
- Surfer auf den Lachine Stromschnellen in Montreal - Monika Fuchs, Quebec Reisen, TravelWorldOnline
Bis heute geraten die Fluten des Sankt Lorenz Stroms am Südufer Montreals in Wallung auf diesem kurzen Flussabschnitt. Vor der Siedlung Habitat 67 gibt es eine stehende Welle im Strom, die besonders gern von Wellenreitern für ihren Sport genutzt wird. Bis in den späten Herbst hinein kann man sie dort bei ihrem Sport beobachten. Lange jedoch behinderten die Stromschnellen den Schiffsverkehr auf dem Sankt Lorenz Strom. Erst der Lachine Kanal erleichterte die Schifffahrt auf dem Sankt Lorenz Strom.
Irokesendorf an den Stromschnellen von Lachine im Sankt Lorenz Strom
Schon die Irokesen erkannten die strategische Bedeutung der Stromschnellen im Sankt Lorenz Strom, die in der Region des heutigen Montreal den sonst so ruhig dahin fließenden Wasserlauf in Unruhe versetzen. Auf einer kurzen Strecke von wenigen Kilometern überwindet der Strom einen Höhenunterschied von dreizehn Metern - für die Indianer und die frühen Pelzhändler mit ihren Kanus ein unüberwindliches Hindernis, um das sie ihre Boote an Land herumtragen mussten. Die Irokesen erbauten an dieser Stelle ein befestigtes Palisadendorf, das Jacques Cartier 1535 auf seiner Reise den Strom hinauf entdeckte.
Montreal entsteht an den Stromschnellen von Lachine im Sankt Lorenz Strom
Und auch den Franzosen war schnell klar: wer die Lachine Stromschnellen kontrolliert, der beherrscht die Handelswege in den Westen. Paul Chomedey de Maisonneuve und Jeanne Mance errichteten 1642 das Fort Ville-Marie an der Stelle, wo einst Cartier das Irokesendorf Hochelaga vorgefunden hatte. Bereits 1689 dachte man zum ersten Mal über den Bau eines Kanals zur Umschiffung dieser Stromschnellen nach. Dessen Realisierung ließ jedoch noch mehr als ein Jahrhundert auf sich warten.
Der Lachine Kanal macht Montreal zum wichtigsten Warenumschlagplatz Ostkanadas
Seit 1825 können Boote und Kanuten den Lachine Kanal nutzen, der auf einer Länge von gut vierzehn Kilometern die stürmischen Stellen im Strom passiert. Vom Lac St. Louis westlich von Montreal verläuft der Kanal entlang des Südost-Ufers der Insel, auf der sich die Stadt Montreal erstreckt. Der Kanal wurde mehrfach erweitert und war bis in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts wichtiger Bestandteil des Schifffahrtsweges ins Landesinnere Kanadas.
Aus dem Zentrum Kanadas brachten Güterzüge die alljährliche Getreideernte nach Montreal, wo sie in gewaltigen Silos gelagert wurde, bevor sie mit Schiffen zu den Handelspartnern in aller Welt weiter transportiert wurde. Noch heute ragen südlich der Innenstadt von Montreal imposante Silage-Anlagen über dem Kanal auf, die an diese Zeiten erinnern. Neulingen in der Stadt sind sie oft ein Dorn im Auge, denn Schönheiten sind sie wahrlich nicht. Aber sie erinnern an die erfolgreichen Zeiten, als Montreal zum wichtigsten Handelshafen im Osten Kanadas aufstieg - auch wenn dieser Tausende von Kilometern im Landesinnern lag.
Erst als 1959 der Sankt Lorenz Seeweg eröffnet wurde, verlor der Lachine Kanal an Bedeutung, bis er 1970 geschlossen wurde. Seit 1978 untersteht er der Kontrolle der kanadischen Nationalparkverwaltung und ist seit 2002 ausschließlich für den Freizeitverkehr geöffnet. Yachten und Kanufahrer prägen heute das Bild auf diesem historischen Kanal.
Quelle: eigene Recherchen vor Ort mit freundlicher Unterstützung von Tourism Montreal und Tourism Quebec
