Die Sichtweisen und Einstellungen in Hinblick auf die organische Bodenabteilung der Moore haben sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Moor gilt nicht mehr als Unland, das entwässert und urbar gemacht werden muss. Im Zeitalter des Klimawandels, in dem Umwelt-, Gewässer-, Arten- und Bodenschutz zunehmend an Bedeutung gewinnen, weil ökosystemare Zusammenhänge ganzheitlich betrachtet deutlicher werden, wandelt sich das Image der Moore zu äußerst schützenswerten Kohlenstoff- und Stickstoffspeichern sowie Lebensräumen, Ökosystemen und Regulatoren des Landschaftswasserhaushaltes.

Moorschutz ist auch Klimaschutz, Gewässerschutz und Schutz der biologischen Vielfalt

Wiedervernässung anstatt Entwässerung lautet immer häufiger die Devise - zum Beispiel im Naturpark Drömling im Nordwesten Sachsen-Anhalts. Aber nicht alle kultivierten Moore können wie die letzten unversehrten Niedermoore Deutschlands, zu denen das Peenetal von Salem bis Jarmen zählt, einfach zu Naturschutzgebieten erklärt werden. Darum beinhaltet die Entwicklung des Moorschutzes zudem die Erforschung nachhaltiger „nasser“ Nutzungsformen zum Anbau von so genannten Paludikulturen und nachwachsenden Rohstoffen, wie etwa massenwüchsiges Schilfgras, woraus auch Bioenergie gewonnen werden könnte. Diese Moornutzungsform toleriert höhere Wasserstände und belastet die Klimabilanz auf Emissionsseite darum nicht und so ist Moorschutz quasi Klimaschutz. Aktiver Moorschutz fängt im Kleinen an: Jeder Hobbygärtner, der torffreie Blumenerde in Beet und Topf verwendet, schützt das Ökosystem Moor und verhindert dadurch Kohlendioxid-Emissionen.

Naturnahe Moore sind einerseits Niedermoore, andererseits Hochmoore - ungenutzt

Besonderes Augenmerk soll an dieser Stelle den Niedermooren zukommen, weil sie am Weltbodentag, den 5. Dezember 2011 durch die DBG, den BVB und ITVA, unterstützt vom UBA, zum Boden des Jahres 2012 ernannt worden sind. Niedermoor ist ein Bodentyp der Klasse der naturnahen Moore. Der andere Typ dieser Klasse ist das Hochmoor. Beide unterscheiden sich durch die sie besiedelnden Pflanzen auf der Grundlage differenter Mengen an Nährsalzen voneinander. Niedermoore sind nährstoffreicher als Hochmoore, die nur auf stark versauerten Böden oder bei nährsalzarmem Grundwasser entstehen und entsprechend artenarm sind. Wegen der Besonderheiten bei der Pedogenese unter dem Einfluss von Grund- und Überflutungswasser in Niederungen von Flüssen sowie Seen, bestehen intakte Niedermoore zu über 30 Prozent aus dem organischen Material der Torfakkumulation. Der über vier Dezimeter mächtige und wassergesättigte Torfkörper eines naturbelassenen Niedermoors nährt sich von den abgestorbenen Teilen der üppig vorkommenden Pflanzengesellschaft, seien es Wollgras, Schilf, Seggen und Moose oder nasse Füße liebende Bäume, wie etwa Weidenarten. Ein Dezimeter Torf entsteht innerhalb von circa 100 Jahren. So geben über Jahrhunderte gewachsene Niedermoore mit ihrer speziellen Zusammensetzung aus konservierten Pflanzenresten, Sporen und Pollen Auskunft zum damals vorherrschenden Klima, zur Vegetation und über die Naturgeschichte.

Moornutzungen hinterliessen tiefe Spuren einer Epoche der Kulturgeschichte

Mit Hilfe des Baus von Meliorationsanlagen, Gräben und Drainagen wurden etliche Niedermoore, wie etwa im bereits erwähnten Drömling, in der Vergangenheit trocken gelegt, um Weidewirtschaft und Ackerbau betreiben zu können. Heute wissen wir, dass durch die Oxidation des im Boden gebundenen Kohlenstoffs klimarelevante Gase entweichen, vor allem Kohlendioxid und Lachgas. Die anthropogen verursachten Treibhausgase in der Atmosphäre beschleunigen und intensivieren die globale Klimaerwärmung einhergehend mit in den letzten Jahrzehnten bereits aufgetretenen Wetterextremen. Mit dem Wasserentzug setzten Schrumpfungsprozesse der Torfkörper ein. Das Bodengefüge strukturierte sich um. Derartig verändertes Nieder- bzw. Hochmoor bezeichnen Bodenkundler als Mulm- und Erdniedermoor bzw. Erdhochmoor. Bis in das 20. Jahrhundert hinein baute die Industrie Hochmoor-Torfe in großem Stil zur Verwendung als Brennstoff, Düngemittel und in der Medizin ab. Durch diese anthropogenen Eingriffe entstand die als Fehnkultur bezeichnete künstliche Bodenform, bei der Reste des abgebauten Schwarztorfes mit der folgenden Unterschicht vermischt wurden. Auf diese Vermengung aus Torf und Mineralboden wurde eine Schicht des ursprünglichen bzw. teilweise vererdeten Moores gelegt. Darüber wiederum folgte gelber Sand, der sich gepflügt mit dem Erdmoorboden zu einer Torf-Sand-Krume vermischte.

Aus der Verlandung nährstoffreicher Seen hervorgegangene Niedermoore

Niedermoore bezeichneten frühere Generationen auch als Flachmoore, weil sie über kilometerweite Flächen völlig eben sind. Niedermoore kommen nicht nur in Niederungen der Tiefebenen, sondern in geringerer Ausdehnung ebenfalls im Bergland vor. Sind sie aus der Verlandung nährstoffreicher Gewässer entstanden, liegen sie für gewöhnlich als Sümpfe und Wiesen zunächst ohne jeden Baum und Strauch in der Landschaft. In das Wasser vorgedrungene Seggenrasen, Schilfbestände sowie Sauer- und Wollgräser geben sich zu erkennen. Nicht selten schwappen die Flachmoore als Schwingrasen auf dem versumpfenden See. Zur Weidenutzung solcher Niedermoore wurden einerseits Entwässerungsanlagen errichtet, andererseits düngen die Bewirtschafter, so dass sich Süßgräser einstellen, die bei Bedarf zusätzlich an- und nachgesät werden. Durch die stetige Mahd und den Viehverbiss bei Beweidung bleiben Niedermoorwiesen baum- und strauchfrei.

Einzigartige Moorlandschaften sind Erlensumpfmoore, wie der Spreewald

Wird solches Grünland hingegen vernachlässigt, erobern rasch Gebüsche, später Weiden und schließlich Erlen und Birken den tiefgründigen Niedermoorboden. Der Spreewald ist beispielsweise ein solches nasses Erlenbruchniedermoorgebiet. Weil dort selbst im Sommer infolge des Grundwasserstandes Wasser über dem Waldboden stehen bleibt, überwiegt eine Begleitfauna aus Wasserschwertlilien, Sumpfprimeln, Sumpfschildfarn, Wasserfenchel und anderen Sumpfkräutern. Die Erlen stehen auf großen Bulten, die sich wie Inseln aus dem Wasser heben. Da bei der Niederwaldwirtschaft die Stubben erhalten bleiben, wenn etwa alle 35 Jahre Erlen abgeschlagen werden, begünstigt diese besondere Form der Waldbewirtschaftung, dass sich Bulte bilden, denn die Schwarzerle schlägt wieder kräftig Stöcke aus, von denen sich drei bis vier Stämme je Erlensockel durchsetzen. Durch die absterbenden Pflanzenteile können nasse Bereiche des Erlensumpfmoores über einen längeren Zeitraum derart aufgefüllt werden, dass die Sumpfvegetation durch typische Arten feuchter Wälder verdrängt wird. In Erlenstandmooren treten so etwa Brennesseln, Sauerklee und Rührmichnichtan sowie Schling- und Kletterpflanzen wie die Große Winde oder das Klebkraut auf. In trockeneren Erlenbrüchen wird der Wald dichter.

Verbreitung der Moore auf der Erde und in Deutschland

Auf der Erdoberfläche nehmen Moore nur circa ein Prozent der gesamten Landfläche ein. Ihre Verbreitungsgebiete erstrecken sich in Nordamerika, Nordeuropa, Westsibirien und in den feuchten Tropen, wo sich klimatisch bedingt die größten Moorvorkommen befinden. In Deutschland werden etwa 4,5 Prozent der Landesfläche von Mooren eingenommen, wobei im Nordwesten von nährstoffarmem Niederschlag ombrotroph gespeiste Hochmoore und in den Talniederungen Nordostdeutschlands von mineralstoffreichem Grundwasser minerotroph ernährte Niedermoore dominieren. Aus erdgeschichtlicher Sicht ist eines der ersten gebildeten Moore im (Unter-)Devon - vor rund 400 bis 320 Mio. Jahren – das schottische zu Hornstein verkieselte Psilophytenmoor. Auch alle Stein- und Braunkohlelagerstätten entstanden durch biogeochemische Prozesse aus ehemaligen Mooren. Der Kohlenstoffgehalt erhöhte sich dabei nach Verlusten an Wasser und flüchtigen organischen Verbindungen.

Quellen

  1. Vorabdruck des Konzeptes zum Schutz und zur Nutzung von Mooren als Fortschreibung des Moorschutzkonzeptes Mecklenburg-Vorpommerns
  2. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (2005): Bodenkundliche Kartieranleitung. Hannover. (5. Auflage)
  3. Hueck, Kurt (1953): Deutsches Moorland. Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig K.-G., Leipzig & A. Ziemsen Verlag, Wittenberg/Lutherstadt
  4. Michel, B.; Plättner, O.; Gründel, F. (2012): Klima-Hotspot Moorböden. Thünen-Institut für Agrarrelevante Klimaforschung, Braunschweig. (ForschungsReport)
  5. Langheinrich, U.; Braumann, F.; Lüderitz, V. (2010): Niedermoor- und Gewässerrenaturierung im Naturpark Drömling (Sachsen-Anhalt). In: Waldökologie, Landschaftsforschung und Naturschutz, Heft 10/2010.
  6. Lexikon der Geowissenschaften. Spektrum Akademischer Verlag. Band 3 von 6.
  7. Kaiser, M. (2012): Der Mörder ist immer der Gärtner. In: Öko-Test. April-Heft.