Österreich, immer wieder Österreich. Zum vierten Mal in Folge hat ein Skispringer der Alpenrepublik die traditionsreiche Vierschanzentournee gewonnen und damit für einen historischen Triumph der ÖSV-Adler gesorgt. Nach Thomas Morgenstern im Jahr 2011 hat Gregor Schlierenzauer am Freitag, 6. Januar 2012 die 60. Vierschanzentournee für sich entschieden. Der Tiroler vom SV Bergisel Innsbruck konnte zwar den Rekord von Sven Hannawald nicht knacken, machte sich einen Tag vor seinem 22. Geburtstag aber selbst das größte Geschenk und erfüllte sich den Traum vom erstmaligen Gewinn der Vierschanzentournee. "Es waren heute sehr schwere Bedingungen. Für mich war es heute der schwerste Sprung meines Lebens", strahlte Schlierenzauer nach dem Wettkampf.

Thomas Morgenstern gewinnt letztes Tourneespringen in Bischofshofen

Der 25-jährige Kärntner Thomas Morgenstern gewann die in nur einem Durchgang Abschlusskonkurrenz in Bischofshofen mit einem Sprung auf 135 Meter und der Note 138,7. Mit der gleichen Weite ging zweite Platz der Tageswertung an den Norweger Anders Bardal (136,5 Punkte), vor Tournee-Gesamtsieger Gregor Schlierenzauer (131/128,4). Bester Deutscher wurde Richard Freitag (125,5/119)

Sturmtief "Ulla" und Orkan "Andrea" wirbeln Vierschanzentournee durcheinander

Zwei Frauen wirbelten den Skisprung-Weltcup durcheinander. War das Wetter schon bei den ersten drei Tourneewettbewerben in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck wenig einladend und skisprungfreundlich. Dann brachten Tief "Ulla" und Orkan "Andrea" die Organisatoren der 60. Vierschanzentournee in Bischofshofen endgültig durcheinander. Am Donnerstag musste die Qualifikation erst unterbrochen und dann ganz abgesagt werden. Und auch für den Dreikönigstag waren die Wetterprognosen für den Pongau alles andere als gut. Mit vereinten Kräften, selbst FIS-Race-Direktor Walter Hofer legte mit der Maurerkelle und Kettensäge in der Anlaufspur selbst Hand an, um die Sprunganlage im "Sepp-Bradl-Stadion" von Bischofshofen sprungfähig zu machen. Am Ende reichte es dann gerade zu einem Wertungsdurchgang.

62 Springer in Bischofshofen am Start, aber kein K.o.-Durchgang

26.000 Zuschauer an der "Paul-Außerleitner-Schanze tauchten das "Sepp-Bradl-Stadion" in ein rot-weiß-rotes Fahnenmeer, sorgten zudem wir bei einem Fußball-Länderspiel für eine stimmgewaltige Kulisse. Und mit zwölfminütiger Verspätung war es dann soweit. Mario Innauer, der Sohn der österreichischen Skisprunglegende Toni Innauer eröffnete den ersten Wertungsdurchgang. Weil die Qualifikation ausfallen musste, gingen 62 Springer in Bischofshofen über den Bakken. Der sonst bei der Tournee übliche K.o.-Durchgang war somit nicht möglich.

Nur ein Weltcuppunkt für Severin Freund, Hocke und Wank nicht in den Punkterängen

Von den sechs deutschen Skispringern hatten vier das vermeintliche Finale der Dreißig besten erreicht. Stephan Hocke (WSV Oberhof) enttäuschte mit schwachen 110,5 Metern ebenso, wie Andreas Wank (WSV Oberhof), der mit 118 Metern auf Rang 31 kam. Severin Freund sprang mit 120,5 Meter nur auf Rang dreißig und holte lediglich Weltcupzähler. "Die erste Hälfte der Tournee war wirklich gut, in der zweiten Hälfte bin ich etwas weg gebrochen", bilanzierte der Deutsche Meister am Ende der Jubiläumsauflage.

Richard Freitag fliegt in Bischofshofen auf Rang zehn

Richard Freitag (SG Nickelhütte Aue) stand mit 125,5 Metern den weitesten Sprung der Weitenjäger aus dem Team von Bundestrainer Werner Schuster und positionierte sich damit auf Rang zehn in der Verfolgerposition. Überschattet wurde das Springen durch den schweren Sturz von Lukas Hlava, der einen offenen Nasenbeinbruch erlitt. Der 27-jährige Tscheche musste von den Sanitätern mit dem Rettungsschlitten aus dem Auslauf abtransportiert werden.

Maximilian Mechler erneut in den "Top 15" - Freund Siebter der Gesamtwertung

Eine starke Leistung bot erneut Maximilian Mechler, den es bei schwierigen Bedingungen auf 126 Meter hinab trug. Mit Rang 14 setzte der 28-jährige Allgäuer erneut ein Ausrufezeichen und kann mit dem Tourneeverlauf mehr als zufrieden sein. Gleiches gilt für Michael Neumayer. Der Team-Senior vom SK Berchtesgaden sprang 125,5 Meter und kam 115,2 Punkten auf Rang 17. Mit 933,8 Punkten ging die Gesamtwertung an Gregor Schlierenzauer. Dahinter sorgten Morgenstern (908,0 Punkte) und Andreas Kofler (796,9) den österreichischen Dreifach-Erfolg. Bester Deutscher wurde Severin Freund (WSV Rastbüchl) mit 843,4 Punkten als Siebter.

Stephan Hocke landet bei 60 Metern und dann wird Qualifikation abgebrochen

Und bei andauernden Schneefall war die Streuung auf der "Paul-Außerleitner-Schanze" gewaltig. Die stockende Anlaufspur spaltete das Feld. Während die einen, wie Stephan Hocke schon bei 60 Metern wieder Bodenkontakt bekamen, segelten andere Springer wie der Tourneesieger von 2009, Wolfgang Loitzl oder der japanische Altmeister Noriaki Kasai in Richter der 130-Meter-Marke hinunter. Und nach 39 Springern hatte dann auch die Jury ein Einsehen und brach die Qualifikation ab. Denn nur mit viel Glück überstand der bereits in der Anlaufspur "rudernde" Jurij Tepes, Sohn des Race-Direktor-Assistenten Miran Tepes seinen "Abfahrtslauf" und landete unfallfrei auf dem Vorbau der Schanze.