Motordoping im Radsport?

Cancellara bei seinem Sieg der Flandernrundfahrt - Bettini
Cancellara bei seinem Sieg der Flandernrundfahrt - Bettini
Der vom Doping angeschlagene Radsport steuert auf eine neue Krise zu - „Motordoping" soll nun die Fahrräder der Profis beschleunigen.

Trotz sportlicher Höhepunkte machte der Giro d’Italia auch dieses Jahr wieder abseits der Strecke von sich Reden. Doch diesmal ging es nicht um gedoptes Blut und gespritzte Waden. Nicht mehr nur die Sportler selbst stehen in Zukunft unter genauer Beobachtung, sondern auch ihre Arbeitsgeräte:

Während der diesjährigen Landesrundfahrt zeigte der italienische Sender „Rai“ eine Sendung mit dem ehemaligen Radprofi Davide Cassani, der einem Reporter erklärte, wie mögliches „Doping“ an Profirädern heutzutage möglich ist: Durch das Einsetzen eines Akkus im Rahmen bzw. Sattelrohr, welcher mit der Schaltung des Rades verbunden ist, soll einem Fahrer durch simplen Knopfdruck am Lenker bis zu 100 Watt an zusätzlicher Leistung zur Verfügung stehen, und das für bis zu 20 Minuten.

In einem Rennen würde der Vorteil durch solch einen „Zusatzmotor“ entscheidend sein. Angetrieben durch zusätzliche „Pferdestärken“ wäre ein Fahrer in der Lage, jede Tempoverschärfung und Attacke mitzugehen, oder die Konkurrenz durch einen „motorgestützten“ Antrieb einfach stehen zu lassen.

Dies mag für den Doping-erprobten Radfan nach einem verspäteten Aprilscherz klingen, jedoch nimmt die UCI die Möglichkeit dieser neuen Betrugsform nun ernst: So erklärt der ehemalige Olympiasieger auf der Bahn Chris Boardman, dass es kein Problem sei, Batterien in die Rahmen zu integrieren. Auch Quickstep-Teamchef Patrick Lefevere spricht von der Möglichkeit der direkten Manipulation an den Rädern.

Siege durch Motorleistung?

Angeblich soll die neue Art des Dopings schon im Peloton angekommen sein. Trotz fehlender Beweise werden die Anschuldigungen gegenüber manchen Profifahrern nicht leiser:

Besonders der Schweizer Fabian Cancellara, Sieger der diesjährigen Radsportmonumente Paris-Roubaix und der Flanderrundfahrt, soll seine Solosiege durch Batterieunterstützung errungen haben. Cancellara und sein Team weisen dies als unglaubwürdige Gerüchte zurück und erklärten, dass seine Siege „sauber“ und „sportlich“ errungen worden seien.

Jedoch werfen Cancellaras Siege Fragen auf: Der bis dato weltbeste Zeitfahrer schlug letztes Jahr bei der Zeitfahrweltmeisterschaft in der Schweiz die versammelte Konkurrenz in beeindruckender Manier. Auch seine schon angesprochenen Erfolge in diesem Frühjahr scheint „Spartacus“, so wie der Schweizer nunmehr in seiner Heimat genannt wird, mit geradezu spielerischer Leichtigkeit errungen zu haben. So ließ er seinen ärgsten Wiedersacher, den Belgier Tom Boonen, bei seinen beiden Siegen wie einen Amateur erscheinen und setzte sich jedes Mal durch eine scheinbar mühelose Attacke von letzterem ab. Vorausgegangen waren diesen Attacken jeweils Fahrradwechsel des Schweizers, obwohl keinerlei Defekt zu erkennen war. Ob diese Wechsel maßgeblich zu seinen Siegen beitrugen, kann mangels Beweisen nur vermutet werden. Im Internet kursiert jedoch ein Video, welches das mögliche „Motordoping“ Cancellaras zu entlarven versucht. Jedoch findet sich darin kein eindeutiger Beweis für Manipulation.

Schlussendlich bleiben so unbeantwortete Fragen zurück, die den Radsport und seine Glaubwürdigkeit wieder einmal auf die Probe stellen. Ob Cancellara seine Siege durch „Motordpoing“ errungen hat, wird nicht mehr zu beweisen sein.

Die UCI reagiert auf die neuen Dopingvorwürfe

Die Konsequenz der sogenannten „Motordopingdebatte“ soll noch bei der diesjährigen Tour de France zu spüren sein: Die UCI (Union Cycliste Internationale) erklärte kürzlich, dass die diesjährige Frankreichrundfahrt den Auftakt zu systematisch angelegten Fahrradkontrollen bilden soll. Waren bis jetzt die Fahrräder der Profis meist nur auf ihr zulässiges Minimalgewicht überprüft worden, so sollen nun umfassende Scans, auch der Ersatzräder, jeden Betrugsversuch am Material von vornherein ausschließen.

Ob diese Maßnahme Früchte tragen wird, bleibt abzuwarten. Notfalls müssen die Profis wieder auf „altbewährtes“ zurückgreifen. Denn schließlich bleibt „traditionelles“ Doping im Peloton noch immer aktuell

Jonas Kaesler, Jonas Kaesler

Jonas Kaesler - Ich bin Geschichtsstudent im 2. Jahr des Bachelorstudiums. Meine ersten beiden Studienjahre verbrachte ich in Paris, eine Zeit die ich ...

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