
- Don Sugar Cane Harris - Sugar Cane's Got The Blues - www.promising-music.com
Die Aufnahmen des Labels MPS sorgen bis heute für glänzende Augen bei Jazzliebhabern. Was ab 1968 bei der "Musik Produktion Schwarzwald" unter Regie des Labelgründers Hans-Georg Brunner-Schwer erschien, hat bis heute Weltrang: Ungefähr 600 Produktionen von Oscar Peterson bis Bill Evans wurden auf LP verlegt, Gesamtkunstwerke, die durch warmen Sound und spannendes Artwork bestechen. Kurios, dass sehr wenige dieser Schätze bis heute auf CD erschienen sind. Doch an der MPS-Geschichte wird nun wiederum im Schwarzwald weiter geschrieben. Von Freiburg aus wagt sich der langjährige Promotion-Manager Bodo Jacoby an die Aufarbeitung der Archive.
Brachliegender Katalog
Der gebürtige Aachener war früher bei Universal Music und in-akustik tätig und agiert nun als Selbständiger. Zum einen betreut und berät er Rockmusiker, aktuell etwa Alex Conti von den Hamburger Altmeistern Lake. Zum anderen hat er die Idee entwickelt, brachliegendes Material großer Plattenfirmen auszuwerten. Im Klartext: Er will dafür sorgen, dass gesuchte Musik wieder auf CD zugänglich gemacht wird. "Die normalen Mechanismen, besonders bei den Majors, erlauben das selten", erläutert er. "Für die lohnt es sich nicht, Kleinauflagen alter Aufnahmen für Liebhaber neu herauszugeben. Mir war klar, das kann ich nur aufziehen, wenn weltweite Rechte vorliegen, damit auch ein Freak in Norwegen oder wo auch immer dran kommt. Zum anderen muss es ein großes Repertoire sein."
15 Platten pro Jahr
Nach einiger Recherche stand für Jacoby fest: Das sind Anforderungen, die MPS wie kaum ein anderes Label erfüllen könnte. Anfang der Achtziger hatte Brunner-Schwer die Weltrechte zum größten Teil an die Polygram (heute Universal) verkauft. Doch die veröffentlichten bis heute nur ein verschwindend kleines Segment auf Silberling. Nach detailreichen Verhandlungen erzielte Jacoby mit seinen ehemaligen Arbeitgebern die Einigung, dass er 15 Platten pro Jahr herauspicken darf. Sie erscheinen nun unter der Universal-Lizenz auf seinem Verlag promising music – Ende Februar ist der erste Schub mit sechs CDs in die Läden gekommen.
Von Avantgarde-Jazz bis Synthesizer-Funk
"Bei der Auswahl habe ich auf eine Verklammerung von Progressive Rock und Free Jazz geachtet, da kommt auch ein wenig meiner persönliche Vorliebe für Fusion ins Spiel", begeistert er sich. Und erläutert, welches Flechtwerk es von 1967 bis 1976 noch zwischen den Genres gab. "Ich veröffentliche jetzt ‚Sugar Cane's Got The Blues' vom Jazzgeiger Don ‚Sugar Cane' Harris. Da ist Robert Wyatt von Soft Machine am Schlagzeug. Bei der Charlie Mariano-Platte ‚Helen 12 Trees' spielt Wyatts Nachfolger mit. Sugar Cane wiederum war bei Frank Zappa, genauso wie George Duke, dessen frühen Meilenstein ‚Faces In Reflection' ich ausgewählt habe." Die Wolfgang Dauner-Platte "Free Action" ist sicherlich die gewagteste Wahl unter den LP-Übertragungen, neben einer Livescheibe der Experimentaltruppe Association PC. Deren kollektive Improvisationen auf "Mama Kuku" wurden 1974 teils in der Alten Uni Freiburg mitgeschnitten. Insgesamt entfaltet sich ein Spektrum von Dauners Avantgarde-Jazz über psychedelisch Angehauchtes von Dave Pike zum frühen Synthesizer-Funk Dukes.
Trend zum Progrock
Jacoby hat somit einen Aspekt von MPS herausgearbeitet, der nicht auf die tanzwütigen Retro-Fans zielt – bei ihnen stand MPS aufgrund der berühmten "Mojo Club"-Kompilationen bislang hoch im Kurs. "Ich denke, dass die jungen Leute gerade wieder beginnen, sich am Progrock zu orientieren", analysiert Jacoby. "Aktuelle Bands berufen sich nicht mehr auf Genesis oder Pink Floyd, sondern eher auf das Mahavishnu Orchestra oder Zappa. Auf die setze ich also als Interessenten mindestens genauso wie auf die Rare Groove-Gemeinde."
LP-Transfer in Sammler-Philosophie
Wie er die LP-Transfers auf CD gestaltet, das entspricht dann eher der Philosophie von Connaisseuren und Sammlern: "Das Wichtige für den Musikfan ist die Verpackung", so Jacoby. Hier hat er sich eng an die Vorgaben gehalten: Der LP-Umschlag ist übernommen worden, im reichen Booklet gibt es die Liner Notes im Original, auch neue Kommentare der noch lebenden Künstler. Die CD selbst ist wie eine LP designed, schwarz und mit Rillen-Look. Für die Bewahrung des warmen MPS-Sounds wurden die East Side Mastering Studios verpflichtet, Nachfolger der berühmten Studios von Emil Berliner. "Wir haben den Klang der LP beibehalten, doch der entscheidende Vorteil lautet nun: Es ist zwischen Seite A und B keine körperliche Aktivität mehr nötig", schmunzelt Jacoby.
