Müll und Mozzarella

Skandal in Neapel: Gefahr für Nahrungsmittel

Müllberge - www.sxc.hu
Müllberge - www.sxc.hu
Rund um Neapel türmt sich der Müll. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Bürger fürchten verseuchte Nahrungsmittel

Im Fernsehen beobachten wir schon seit einigen Monaten die aktuellen Ereignisse in und um Neapel. Müllberge türmen sich, die Menschen können nicht außer Haus, eine Lösung scheint nicht in Sicht. Doch das alles scheint weit weg, wenn man in Deutschland vor dem Fernsehen sitzt. Der Müll betrifft aber auch die Deutschen. Seit einigen Wochen kommen ganze Schiffsladungen voller Müll nach Deutschland, die dann in den Verbrennungsanlagen verwertet werden. Doch ganz versteckt trifft der Müll auch ins Herz der Nahrungskette.

Spontane Müllverbrennung gefährdet Nahrungskette

Oft genug verbrennen aufgebrachte Bürger ihren Müll selbst in Neapel. Doch genau dies sei sehr gefährlich, so Wissenschaftler des nationalen Forschungsinstituts CNR. Eine Untersuchung hätte ergeben, dass das Einatmen des Rauchs nicht nur gefährlich für die Menschen sei, sondern auch die Tiere betreffe. So haben die Wissenschaftler beispieslweise bei Schafen, die in der Umgebung von Neapel grasten, erhöhte Dioxin-Werte festgestellt. Diese Werte aber würden in die Milch übergehen und würden somit auch vom Menschen aufgenommen, unterstreichen die Forscher. Generell wären die Tiere auf der ganzen Welt höheren Umweltbelastungen ausgesetzt als vor Jahren, doch gerade in den verganenen Monaten sei die Situation in Neapel eskaliert.

Müllverbrennungsanlagen: ein Ausweg?

Noch während der Prodi-Regierung haben die Politiker einen Ausweg aus diesem Dilemma gesucht. Nun nach dem Fall der Regierung, scheint die Situation ausweglos. Da die Bürger in Neapel sich gegen die Errichtung von Müllverbrennungsanlagen sträuben, werden die enormen Müllberge nach Sizilien oder Sardinien verschifft. Der größte Teil geht allerdings nach Deutschland. Doch eine dauerhafte Lösung ist das nicht, zumal der Unmut auch unter den Deutschen wächst. Denn der Müll, der aus Italien bzw. Neapel kommt, ist unsortiert. Und das ist auch ein weiteres Problem des Mülls aus Neapel. Im Süden des Landes ist die Mülltrennung noch ein Fremdwort. Doch illegale Mülldeponien allerdings nicht. Vor allem in den ländlichen Gebieten um Neapel, aber auch um Rom, findet man oft ausrangierte Kühlschränke, Battierien und komplette Autos und Motorroller, die achtlos in die Natur geworfen werden. Nur ein paar Meter weiter aber grasen friedlich Büffel, Kühe und Schafe, aus deren Milch die vielbeliebte Mozzarella und Schafskäse produziert wird.

Wenig Kontrollen der Büffelsmilch

Laut dem Magazin "Salvagente" sind im Jahr 2007 von 83.000 Nahrungsmittel nur 25 auch einem Dioxin-Test unterworfen worden. Von diesen 25 hatten acht Pordukte Dioxin-Werte, die deutlich über dem national festgelegten Wert lagen. Gerade in dieser Region sei eine besondere Kontrolle aber notwendig, erklärt Enrico Cinotti von Salvagente. Die fehlenden Kontrollen sind um so verwunderlicher als dass eine kürzlich erschiene Studie des Forschungsinstituts CNR und dem nationalem Gesundheitsdienst ASL bewiesen hat, dass das Dioxin auch in die Muttermilch wandern kann. Ein zu hoher Dioxin-Wert im Blut wiederum führt zu Tumoren. Der Direktor der landwirtschatlichen Genossenschaft Casertas allerdings bleibt gelassen. Vincenzo Oliviero erklärt, dass bis heute keine Mozzarella die gesetzlich festgelegten Dioxin-Werte überschritten hat. "Wir verlassen uns auf die eigene Kontrolle der Hersteller, die sich an private Laboratorien wenden", so Oliviero. Doch die Studien des Magazins "Salvagente" von 2007 besagen, dass bei 13 von 58 Herstellern alarmierende Wete in den Produkten gefunden wurden. Der Streit beider Parteien nimmt kein Ende. Nicht verwunderlich, erklärt Stefano Raccanelli. Für den Direktor des einzigen zugelassenen Instituts zur Messung von Dioxin-werten ist klar: "Das Problem Dioxin gibt es schon seit Jahren, sogar Jahrzehnten in der Region Kampanien. Da seit Jahren illegal Müll verbrannt oder gelagert wird - und daran wird sich nicht so leicht etwas ändern." Zumal die Müllverwertung rund um Neapel in den Händen des Organisierten Verbrechens ist.

Alexandra Barone, Alexandra Barone

Alexandra Barone - Alexandra Barone arbeitet seit 1996 als Journalistin. Nach einem Volontariat im Pressebüro der Aktion Mensch, war sie vier Jahre lang ...

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