Fast alles, was der Mensch produziert, landet irgendwann einmal im Meer. Drastisch gesagt, sind unsere Weltmeere eine einzige riesige Müllhalde. Aber all das ist weit weg, es klingt harmlos, und es betrifft uns auch nicht. Ein paar Delphine und Schildkröten weniger, davon geht die Welt schon nicht unter – oder vielleicht doch? Man sollte den Menschen keinesfalls unterschätzen: Die Meeresschutzorganisation Oceana vermutet, dass weltweit jede Stunde rund 675 Tonnen Müll direkt ins Meer geworfen werden. Die Hälfte davon ist aus Kunststoff.
It's plastic - it's fantastic
Plastik ist unser alltäglicher Freund und Helfer, von der Tüte im Supermarkt bis hin zu Turnschuhen, niedlichen Kinderspielzeugen oder Feuerzeugen. Plastik ist praktisch! Nur braucht es auch Jahrzehnte, bis es wieder abgebaut und zersetzt wird. Was also passiert mit dem Müll im Meer? Die Antwort scheint ein wenig befremdlich, ist jedoch bittere Realität: Strömungen und Winde transportieren den Abfall durch die Ozeane. Und dort, wo die Strömungen sich im Kreise drehen, entstehen Müllstrudel. Bis hierhin klingt das Ganze immer noch relativ harmlos. Ein paar kleine Strudel und ein bisschen Müll, eine Kleinigkeit. Was aber am Nordpazifikwirbel passiert, ist alles andere als banal.
Schätzungen zufolge zirkulieren in diesem Strudel zwischen Nordamerika und Asien Anfang 2008 etwa 200 Mio. Tonnen Kunststoffmüll. Tendenz steigend, denn der Mensch geht ja nicht von heute auf morgen verantwortungsvoller mit seinem Dreck um. Zweihundert Millionen Tonnen: So entspricht die Fläche dieses rotierenden Teppichs etwa der Größe von Mitteleuropa. Beeindruckend, was diese postmoderne Gesellschaft so zustande bringt.
Müllschlucker
Der Nordpazifikwirbel, auch liebevoll der North-Pacific-Garbage-Path genannt, ist nur ein Beispiel für solche maritimen Müllhalden. Auch zwischen Hawaii und Kalifornien im Südpazifik und in der Sargassosee im Nordatlantik dreht sich unser Abfall im Kreis. Die Folgen für die Tierwelt und das Meer als Lebensraum sind verheerend. Schildkröten verwechseln umher schwimmende Plastiktüten mit ihrem Hauptnahrungsmittel, den Quallen, und an den Stränden verenden Seevögel an Legofiguren, die als Ladung von Frachtschiffen auf offener See verloren gingen. Der Großteil der Kunststoffe wird jedoch durch Sonne, Wellen und Gezeiten in winzige Partikel zerrieben und schwimmt als giftige Brühe im Meer.
Falls die Tiere nicht schon an größeren unverdaulichen Plastikteilen sterben oder sich in alten Fischernetzen verfangen, nehmen sie die toxischen Partikel eben über die Nahrung und das Wasser in ihren Organismus auf und vergiften sich somit zwangsweise.
Buon Appétit
Dabei sollte man bedenken, wer das letzte Glied in der Nahrungskette darstellt und zu wem letztendlich auch der ganze Müll zurückkommt. Nicht in Form von sichtbarem Müll, sondern in Form von verseuchten Fischen auf unseren Tellern.
Mittlerweile sind weltweit die Umweltorganisationen auf die Müllproblematik aufmerksam geworden, und Experten suchen nach einer Lösung, den Müll und die Kunststoffpartikel aus dem Meer zu fischen.
Lösungen. Was aber ist mit den Ursachen des Problems, den Verursachern. Was ist mit uns?
