München Schwabing – Lebendiges Szeneviertel und Englischer Garten

Monopteros im Englischen Garten - © Marco Barnebeck - PIXELIO
Monopteros im Englischen Garten - © Marco Barnebeck - PIXELIO
Schwabing als Schmelztiegel der Welten: Treffpunkt von elitären Schickis, brotlosen Studenten, bayrischen Originalen, Touristen und Trommlern.

Nirgends sonst in München treffen die Kulturen so extrem aufeinander wie in Schwabing. Hier posieren auf der Leopoldstraße Schickis im offenen Porsche-Cabriolet, und nur zwei Kilometer weiter trommeln Schwarz-Afrikaner im Englischen Garten neben auf Sacklines balancierenden Studenten, eine um die andere “Maß“ verzehrenden Münchner Originalen und wild fotografierenden Japanern.

Geschichte und Gegenwart

Schwabing war in den sechziger und siebziger Jahren das angesagte Viertel Münchens. Die innovative Jugendszene zog weiter, erst nach Haidhausen, dann ins Glockenbachviertel und derzeit in die Maxvorstadt und Innenstadt. Doch Schwabing hat nichts von seinem Charme verloren und lebt weiter als Schmelztiegel verschiedener Schichten, Szenen und Kulturen.

Die Leopoldstraße – In-Viertel und Herz Schwabings

Das Kernstück Schwabings ist die mehrspurige Leopoldstraße. In gerader Linie führt sie vom Odeonsplatz zunächst als Ludwigstraße an der Universität vorbei, dann durch das Siegestor und jetzt als Leopoldstraße weiter durch Schwabing bis zur Münchner Freiheit und darüber hinaus. Wie eine Allee ist sie gesäumt von Bäumen, hochherrschaftlichen Bauten, teuren Geschäften und Cafés. Zwischen Giselastraße und Münchner Freiheit reiht sich ein Straßen-Lokal ans andere. Beliebt sind vor allem das "Roxy“ bei Münchens Schickeria und das “Wirtshaus zur Brezn“ bei den Ur-Münchnern. In welchem der vielen Straßencafés man auch immer sich niederlässt – immer genießt man seinen Latte Macchiato mit Blick auf die Leopoldstraße. Auf der es durchaus etwas zu sehen gibt. Denn dort posieren die Reichen und Schönen – wenn sie nicht gerade im Roxy sitzen – mit ihren Sportwägen. Den ein oder anderen soll man schon stundenlang im offenen Cabrio die Leopoldstraße auf und ab fahren gesehen haben. Ganz im Sinne des Münchner Leitsatzes der Schicki-Szene “Sehen und gesehen werden“. Abends schlagen die Kunst-Händler jenseits der Giselastraße ihre Stände auf und man kann im Licht der Straßenlaternen an Kunsthandwerk und Gemälden entlang flanieren.

Der Englische Garten die grüne Lunge Schwabings

Der Englische Garten befindet sich westlich der Leopoldstraße und zieht sich als größter Park Deutschlands durch ganz Schwabing bis Freimann und geht dann nahtlos über in die Isarauen. Hier kann man stundenlang spazieren gehen, ohne etwas von der Großstadt mitzubekommen, im Nordteil sogar, ohne einem Menschen zu begegnen. Kernstück des Englischen Gartens ist das Dreieck Monopteros – Chinesischer Turm – Seehaus. Der Monopteros ist ein säulenbewehrtes Bauwerk im Stil eines griechischen Tempels, das in der Sonne weißstrahlend auf einem kleinen Hügel die Szenerie dominiert. Darunter liegen im Sommer Studenten auf ihren Decken, spielen Frisbee, balancieren neuerdings auf Sacklines, lernen oder rauchen einen Joint. Dazwischen trommeln Schwarz-Afrikaner Stunde um Stunde ihre melodischen Rhythmen, fotografiert von Touristen, beklatscht von sie umringenden Zuschauern.

Biergärten Chinesischer Turm und Seehaus

Im Biergarten um den Chinesischen Turm treffen sich Touristen aus aller Welt und Einheimische. Hier kann man vereinzelt in der sonst von Zugezogenen dominierten Stadt noch "echte“ alte Bayern in Tracht und mit Gamsbart auf dem Hut beim Verzehr der ein oder andern "Maß“ – einem Krug mit einem Liter Bier – sehen. Dazu spielt die Blaskapelle hoch oben im Chinesischen Turm. Die Atmosphäre ist locker. Leicht kommt man mit Tischgenossen ins Gespräch. Der Biergarten am Seehaus dagegen ist elitärer, wenn auch nicht ganz so elitär wie sein Ruf. Hier treffen sich vermehrt die Reichen und Schönen und trinken unmittelbar am Ufer des Kleinhesseloher Sees ihr Bier. Die Tische stehen bis direkt ans Wasser. Gewohnt, von den Gästen gefüttert zu werden, schwimmen die zahlreichen Enten oft bis an die Tische heran. Vom mietbaren Tret- oder Ruderboot aus lässt sich die Vogelwelt der beiden unter Naturschutz stehenden Inseln wunderbar betrachten. Besonders zur Brutzeit kann man sich hier zwischen den Inseln mit verdecktem Blick auf das Seehaus in dem unglaublich lauten und vielfältigen Gekrächze der Enten, Schwäne und sonstigen Wasservögel mitten in der Großstadt fühlen wie in der Wildnis.

Kneipen- und Clubkultur: von schick über studentisch bis abgestürzt

Auch in der Kneipenkultur Schwabings spiegelt sich die Vielfalt dieses Viertels wider. Gehen in die “Schwabinger7“ eher abgehalfterte Altrocker, so trifft sich nur zweihundert Meter weiter im “Lardy“ die Schicki-Szene, ebenso wie im griechischen Restaurant “Kytaro“ in der Reitschule direkt am Englischen Garten. Dazwischen finden sich jede Menge Studentenkneipen wie das urige “CADU“, das “Cafe an der Uni“ oder Cocktailbars wie die “Tijuana Bar“, auf deren großer, wie eine Strandbar dekorierten Terrasse man sich fühlen kann wie in Mexiko. Im Café “Münchner Freiheit“ lernten sich einst Helmut Fischer und Helmut Dietl kennen. Aus dieser Begegnung entstand die Kultserie “Monaco Franze“. Heute wacht eine überlebensgroße Statue seiner selbst über Helmut Fischers einstigem Stamm-Café.