Mündige Patienten als Herausforderung für Ärzte

Die Österreichische Gesellschaft für Präventivmedizin und Gesundheitskommunikation lädt am 14. Juni 2010 zum Symposium: Der mündige Patient.

Rund drei Viertel der Patienten, die heute einen Allgemeinmediziner aufsuchen, wollen sich an den Therapieentscheidungen beteiligen. „Gesundheitsexperten beobachten eine Entwicklung in Richtung ,mündiger Patient’, der die Verordnungen des Arztes nicht mehr uneingeschränkt akzeptiert und eine partnerschaftliche, empathische Form der Kommunikation einfordert“ - weiß Univ.-Doz. Dr. Karl Sablik, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Präventivmedizin und Gesundheitskommunikation (ÖAPG), um die Entwicklung. Das sei durchaus positiv zu sehen: Internationale Studien weisen nach, dass durch Einbeziehung der Patienten in die Therapieentscheidung sich Krankheitsverlauf bzw. Heilungsprozess verbessern und damit die Genesungszeit verkürzt wird.

Herausforderung für Arzt-Patienten-Kommunikation

Nichts desto trotz stellt die Kommunikation zwischen Arzt und Patient auf gleicher Augenhöhe für viele Ärzte eine große Herausforderung dar. Denn: Um einfühlsame Gesprächstechniken zu erwerben und das eigene Kommunikationsvermögen zu verbessern, fehlen adäquate Ausbildungsgänge während des Studiums bzw. in der Berufsausbildung. Und: Die Auffassungen darüber, was einen mündigen Patienten ausmacht, sind sehr unterschiedlich: Während die einen diesen als aktiven, verantwortlichen Patienten sehen, der mit Ärzten in Belangen seiner eigenen Gesundheit kooperieren möchte, verstehen ihn die anderen als Patienten mit überzogener Anspruchshaltung, der die fachliche Beratung infrage stellt und die Ärzteschaft somit unter Druck setzt.

Symposium: Der mündige Patient

„Der mündige Patient - Herausforderung für die Arzt-Patienten-Kommunikation“ ist deshalb der Titel eines Symposiums der ÖAPG, zu dem am 14. Juni 2010 in Wien geladen wird. Nationale und internationale Experten verschiedener Gesundheitsberufe diskutieren, wie einerseits das Self-Empowerment der Kranken gestärkt und andererseits die positiven Aspekte von mehr Patientenbeteiligung genutzt werden können.

Recht auf Selbstbestimmung

Ein wesentliches Patientenrecht ist das Recht auf Selbstbestimmung. „Um dieses Recht wahrnehmen zu können, ist ein partnerschaftliches Arzt Patienten-Verhältnis unumgänglich“, ist Dr. Artur Wechselberger - als ärztlicher Standesvertreter zum ÖAPG-Symposium geladen - überzeugt. „Dementsprechend wandeln sich auch die Patienten vom einst paternalistisch betreuten zum selbstbewussten Patienten. Ein Prozess, den zunehmend mehr Patienten durchlaufen und der von vielen Ärztinnen und Ärzten auch erwartet wird.“

Selbst ernannte Experten unter den Patienten

„Informed consent“, also die auf Aufklärung beruhende Einwilligung des Patienten, ist Grundlage jedes Behandlungsvertrages. „Je besser ein Patient vorinformiert ist, umso einfacher kann es sein, diesen informed consent zu erreichen“, führt der Tiroler Allgemeinmediziner und ÄK-Chef weiter aus. Es stimme schon, dass „selbsternannte Experten“ im Praxisalltag manchmal nerven können. Diese seien jedoch kein neues Phänomen: „Es hat sie immer schon gegeben. Es gehört zur Kommunikationskompetenz der Ärztinnen und Ärzte, auch mit diesen Patienten klar zu kommen!“ Der mündige Patient sei eine Chance, die sich vor allem im Bereich der Adherance (Einhaltung der von Arzt und Patient gemeinsam gesetzten Ziele) zeigen kann. Für den Arzt biete sich zudem die Chance einer Verringerung der Haftungsproblematik.

Der mündige Patient aus gesundheitspsychologischer Sicht

Dr. Juli Umek – als Gesundheitspsychologin ebenfalls zum ÖAPG-Symposium geladen – ist wichtig zu betonen: Selbstbewusstsein wird von Patienten oft mit „ich muss entscheiden“ verbunden, und das wird - wenn man krank ist, und sich schwach fühlt – nach wie vor als eher schwierig empfunden: „Daher ist für viele z.B. die ,Einverständniserklärung’ vor der OP belastend. Und daher ist Selbstbewusstsein eigentlich eher vom Arzt erwünscht.“

Eine gute Arzt-Patienten-Beziehung

Trotzdem sollte der Arzt „mündiges Verhalten“ möglich machen, begünstigen, dazu hinführen. Denn, so ist die Psychologin ebenfalls überzeugt: „Mündige Patienten sind eine Chance für unser Gesundheitssystem. Vorausgesetzt eine gelingende Arzt-Patient-Kommunikation und eine gute Arzt-Patient-Beziehung werden sie zur Kooperation bereit sein!“ Stark in der Kommunikation machen drei Grundhaltungen, die bereits Carl Rogers (Entwickler der klientenzentrierten Gesprächstherapie) beschrieben hat: 1. Wertschätzung, 2. empathisches Verstehen und 3. Echtheit, dazu gehört nach neuem Verständnis auch die Kompetenz.

Symposium: „Der mündige Patient“, 14.6.2010, 9-16 h, , Hotel ,Das Triest’, Info & Anmeldung

Karin Martin, Karin Martin

Karin Martin - ... geboren und aufgewachsen in Wien absovierte ich eben dort mein Romanistik- und Publizistik-Studium. Später zog ich mit meiner ...

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