
- Meinungsgegensätze - Wolfgang Pfensig
Viele Menschen merken in sich eine besondere Fähigkeit, gleichzeitig verschiedene Sachen machen können, z.B. am Steuer mit Handy zu telefonieren. Im Prinzip kann Jeder sich als einen Multitasker bezeichnen, weil manche Sachen in unserem Verhalten so weit automatisiert sind, dass man nebenan zwei oder sogar drei Tätigkeiten ausführen kann. So ist zumindest die allgemeine Vorstellung.
Wissenschaft zum Thema
Eine frische psychologische Studie von University of Utha belegt scheinbar einen anderen Schluss, dass Multitasking-Talente äußerst selten sind. Nur 2,5 Prozent der untersuchten Probanden, nach den von den Wissenschaftlern entwickelten Kriterien, könnten als Multitasker bezeichnet werden. Die Vorgehensweise der Untersuchung lässt sich auf folgende Weise beschreiben: die Versuchspersonen wurden in einem Fahrsimulator gleichzeitig mit mehreren Aufgaben mitten im Straßenverkehr konfrontiert. Darunter musste man mit Hilfe des Handys sich zum Beispiel die Reihenfolgen von Wörtern merken oder Matheaufgaben erledigen. Das Ergebnis zeigte eindeutig, dass bei 97,5 Prozent der Untersuchten im Laufe des Tests die Aufmerksamkeit für den Straßenverkehr deutlich nachgelassen hatte. Bemerkenswert ist aber auch, dass es einen kleinen Rest deren gab, die wirklich multitask-fähig zu sein scheinen.
Die glückliche Gabe
In der modernen Arbeitswelt, besonders in dem informationstechnologischen Bereich, ist die Fähigkeit zur effektiven Begleitung von mehreren Aufgaben von einem besonderen Wert. Dadurch können die Wenigen, die das wirklich können, zu den echten Glückpilzen werden. Die moderne Psychologie ging bis dato aber davon aus, dass wegen der physiologischen Struktur unseres Gehirns ist der Mensch überhaupt fähig, sich nur auf eine Sache richtig zu konzentrieren. Ist dann eine Vorstellung über Multitasker ein Mythos? In der Tat lassen sich die Ergebnisse der Studie unkompliziert relativieren. Erstens: nicht alle teilgenommenen Studenten waren beim Autofahren und bei der Lösung der Matheaufgaben gleich gut, was auf eine besondere Gabe der Multitasker zurückschießen ließe.
Alexander der Große und die Mythen über seine Größe
Der erste Multitasker der Geschichte allem Anschein nach scheint Alexander der Große zu sein, der angeblich gleichzeitig mit mehreren Sachen sich beschäftigen konnte. Aus verständlichen Gründen (Lebenszeit 356-323 v.Chr.) ist die Qualität seiner Konzentration dabei nicht mehr messbar. Heutzutage schreibt man allerdings den leidenschaftlichen Computerspielern eine besondere Multitasking-Fähigkeit zu, was mit dem Schluss endet, dass die eigentlich nicht so blöd sind, als es manchmal aussehen kann. Wie gesagt, trotz aller Wahrscheinlichkeiten hängt die Fähigkeit der Aufmerksamkeitsverteilung mit der eingelehrten Routine zusammen. Ein Fahrschüler wird kaum wagen, während der Fahrt ein Gespräch zu führen, weil er die neuen Handlungen noch nicht als Automatismen beherrscht. Ein erfahrener Fahrer erlaubt sich dagegen viel mehr Freiheit bis zu den Fällen, als manche Brummi-Fahrer ihr Steuer mit Füßen bedingen und gleichzeitig essen oder Kreuzrätsel lösen.
Letztendlich bleibt auf die Hoffnung, ein Multitasking-Talent zu sein, nur wenig Verlass. Deshalb bleibt die vernünftige Forderung immer noch in voller Kraft: Finger weg von dem Handy während der Fahrt.
Bild by Wolfgang Pfensig/pixelio.de
