
- Munch-Museum Oslo - Lucy M. Laube
Edvard Munch (1863 bis 1944) gilt als Wegbereiter des Expressionismus, sein Gemälde "Der Schrei" mithin als erstes expressionistisches Werk. Nun soll das Munch-Museum in Oslo mit dem Stenersen-Museum zusammengelegt werden und umziehen in einen innovativen Stadtteil von Oslo – den Bjørvika-Hafen.
Munch-Museum: Umzug von Tøyen nach Bjørvika
Das Munch-Museum in Oslo gibt es seit 1963. Da Edvard Munch seine Werke der Stadt Oslo vermacht hat, gibt es dort eine einzigartige Sammlung: Etwa 1.100 Gemälde, 4.500 Zeichnungen und 18.000 Drucke sind dort untergebracht. Nicht alle sind gleichzeitig ausgestellt, die Bilder werden ausgetauscht, doch die Hauptwerke Munchs sind natürlich dauerhaft zu sehen. Zum Museum gehört auch eine Bibliothek mit Büchern über Edvard Munch und weitere Künstler. Nun hat die Stadt Oslo einen Umzug des Munch-Museums beschlossen. Voraussichtlich 2014 soll das neue Munch-Museum zusammen mit den Sammlungen des Stenersen-Museums im Bjørvika-Hafen eröffnet werden. Dort wartet bereits illustre Nachbarschaft: die 2008 eröffnete Oper von Oslo.
Edvard Munch hat lange an einem Zyklus von Bildern gearbeitet, den er "Lebensfries" nannte und als Gedicht über das Leben, die Liebe und den Tod beschrieb. Zu diesem Lebensfries – zentral im alten wie im neuen Munch-Museum – gehören auch seine beiden bekanntesten Werke, "Der Schrei" und "Madonna".
"Der Schrei" und "Madonna" – die berühmtesten Bilder Edvard Munchs
Der Aufschrei war laut, als im Jahr 2004 die zwei bekanntesten Gemälde von Edvard Munch – "Der Schrei" und "Madonna" – aus dem Munch-Museum in Oslo gestohlen wurden. Zwei Jahre später, im August 2006, konnte die norwegische Polizei die beiden Bilder sicherstellen und das Museum bekam sie zurück – allerdings beschädigt. Spezialisten begannen umgehend damit, die Bilder zu restaurieren. Nach diesem Vorfall verbesserte das Munch-Museum seine Sicherheitsvorkehrungen. Heute müssen Besucher durch eine Art Schleuse gehen, um hineinzugelangen.
Von beiden Bildern existieren mehrere Versionen. So erklärt sich die Verwunderung, die den interessierten Kunstliebhaber befallen mag, der den "Schrei" im Munch-Museum bewundert hat, ihm aber anderntags in der Nationalgalerie Oslos wiederbegegnet. Ebenso wie der "Madonna". Den "Schrei" gibt es zudem als Lithographie, Pastell und Zeichnung in verschiedenen Versionen. Von der "Madonna" gibt es gleich fünf gemalte Versionen – im Munch-Museum, in der Nationalgalerie Oslo, in der Hamburger Kunsthalle sowie zwei in Privatbesitz. Sehr bekannt ist auch die Lithographie des Motivs Madonna mit einem Embryo und einem Rahmen aus Spermien.
Für eine Interpretation des Gemäldes "Der Schrei" kann Edvard Munch selbst befragt werden, der 1892 in seinem Tagebuch die dem Bild zugrunde liegende Szene beschreibt: Bei Sonnenuntergang spazierte er gemeinsam mit Freunden am Wasser entlang, als ihn eine ungeheure Müdigkeit und Melancholie überfiel. Er hielt an, stützte sich am Geländer und spürte einen gewaltigen, endlosen Schrei durch die Natur gehen, der ihn vor Furcht erzittern ließ, während seine Freunde einfach weiterliefen.
Edvard Munch – geprägt von Tod, Krankheit und unglücklicher Liebe
"Ich habe mein ganzes Leben halb im Traum, halb in der Wirklichkeit verbracht. Die Menschen haben dies verstanden und sich mit ihren Raubtierzähnen in meinen wehrlosen Leib verbissen, während sich meine Seele auf Reisen befand."1
Edvard Munch, geboren am 12. Dezember 1863 im norwegischen Løten, erlebt Tod und Krankheit schon während seiner Kindheit in geballter Form. Sein tief religiöser Vater vermittelt ihm die Angst vor dem Höllenfeuer. Als er fünf Jahre alt ist, stirbt seine Mutter an Tuberkulose. Neun Jahre später stirbt auch seine Schwester mit 15 Jahren an der Krankheit. Eine weitere Schwester und er selbst leiden an psychischen Erkrankungen. Sein Bruder stirbt mit 30. Edvard Munch durchleidet Alkoholprobleme, eine unglückliche Liebe zu Tulla Larsen mit tragischem Ende und einen monatelangen Aufenthalt in einer Nervenklinik. 1944 zieht sich Munch eine Lungenentzündung zu und stirbt zurückgezogen und auf seine Kunst konzentriert am 23. Januar 80-jährig in seinem Haus Ekely bei Oslo.
Der Maler Edvard Munch
1881 beginnt Munch eine Ausbildung an der Zeichenschule des heutigen Oslo (damals Kristiania) und bricht dafür ein Ingenieurstudium ab. Drei Jahre später schließt er sich einer avangardistischen Künstlergruppe an, der Kristiania-Bohème. Die Gruppe spricht sich für sexuelle Freiheit und gegen bürgerliche Moral aus. Wiederholt reist Munch nach Paris, nimmt dort mit Hilfe eines Stipendiums Zeichenunterricht und beschäftigt sich unter anderem mit den Werken der französischen Impressionisten. 1892 stellt er in Berlin aus, wird heftig angefeindet, so dass die Ausstellung vorzeitig beendet wird. Der Streit führt zur Gründung der Künstlergruppe "Berliner Secession". Berlin wird für Munch eine zweite Heimat.
1894, etwa um die Zeit der Entstehung seines Gemäldes "Der Schrei", kam Munch in Berlin in Kontakt mit einem Kreis großteils skandinavischer Künstler, unter ihnen August Strindberg, Stanislaw Przybyszewski und der norwegische Bildhauer Gustav Vigeland. 1902 stellt er in der Berliner Secession 22 Gemälde seines "Lebensfrieses" aus – Weltangst ist das Thema, Eifersucht, Einsamkeit, Liebe und Tod.
Ab 1930 macht ihm eine Augenkrankheit die Malerei zunehmend schwer, über einige Jahre hinweg unmöglich. Die Nationalsozialisten beschlagnahmen viele seiner Werke in Deutschland und kategorisieren sie als "entartete Kunst". Munch vermacht seine Werke der Stadt Oslo. 1963 wird das Munch-Museum eröffnet.
Munch-Museum Oslo: Tøyengata 53, 0578 Oslo, Norwegen
Quellen und weiterführende Informationen:
- Deutsches Historisches Museum – Biografie Edvard Munch
- Edvard Munch – Leben und Werk, Berghaus Verlag 1987
- Munch-Museum Oslo
- Die Familie hinter Edvard Munch - ein Pakt im Zeitalter der "Degeneration"?
- Hartwig Dingfelder: Edvard. Munch für Kinder
1Edvard Munch, zitiert nach "Edvard Munch – Leben und Werk", Berghaus Verlag 1987
