Mundartnacht mit Foitnrock, BernswanA und Tiger Willi

Premiere in der Kulturbühne Hinterhalt: Drei bayerische Liedermacher präsentierten erstmals ein gemeinsames Musikprogramm.

Das war eine echte Premiere, die die Zuhörer in der Kulturbühne Hinterhalt im Münchner Süden Ende Oktober 2010 zu hören bekamen, denn bis dato spielten die beiden bayerischen Liedermacher Foitnrock (Helmuth Tremmel) und BernswanA (Berni Maisberger) noch nie mit dem Tiger Willi, Wilhelm Raabe vom Wörthsee, zusammen. Der sollte eigentlich zeitgleich in der Flößerei auftreten, jedoch hatte man ihm kurzfristig seinen Gig gestrichen. Im Hinterhalt dagegen war der tigerwilde Metzgerkünstler mit seiner skurrilen Philosophengabe ein gern gesehener Überraschungsgast.

Liedermacher Helmuth Tremmel und Berni Maisberger ehrlich und direkt

Doch zuvor ließen es die beiden Liedermacher recht politisch-kritisch angehen, mit dem Deutschland-Lied für Angela zur Lage der Nation. „Heit is wieder Deppentreffen im Parlament, mit allen Idioten, die man halt so kennt.“ Sie sind verbal nicht zimperlich in ihrem handgemachten Programm. Auch die Schönheitsideale von Models betrachten sie männlich-kritisch. „Das Gesicht verspachtelt, die Brust voll Silikon, die Nas‘n operiert und die Haut nach hinten zog’n.“ Und der Bräutigam sei gewarnt, wenn der „Boandlhauf‘n im Hochzeitsg‘wand klappert“, denn, so wollen die Liedermacher wissen: „Spitze Nas’n, spitzes Kinn, pass auf, da is da Deifi drin.“ Seit vier Jahren sind Helmuth Tremmel und Berni Maisberger alias BernswanA, der Leadsänger von IRXN, in „wilder Musikerehe“ zusammen. Die beiden sind hervorragende Gitarristen, die ihre eigenen Songs komponieren oder die Klassiker der Beatles, der Stones oder Bob Dylans Jahrhundertsong „Nag, nag, naggeln am Himmeltor“ auf bairisch covern. Ihre Texte regen zum Nachdenken an, ihre Musik berührt und sie singen laut, was andere heimlich denken. Sie setzen sich mit dem Leben auseinander – ehrlich und direkt.

Musikkabarettist Wilhelm Raabe: Markenzeichen Tigerfell

Ehrlich und eher philosophisch-indirekt beschreibt derTiger Willi den ganz normalen Alltagswahnsinn. „Stört es euch, wenn ich im Pulli bleibe oder soll ich das Tiger-Westerl anziehen?“ fragte er das Publikum und die waren einstimmig der Meinung: Freilich braucht der Tiger sein Fell, schließlich ist das sein Markenzeichen. Wilhelm Raabe ist ein Original, der irgendwann vom Metzger zum Gesamtkunstwerk mutiert ist. Der Künstler vom Wörthsee verehrt die Philosophie, befasst sich mit Nietzsche und Schoppenhauer und verpackt seine eigenen Lebensthesen in skurrile Geschichten. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund, wenn es um Sex, Begierde und um die Abgründe des menschlichen Daseins geht, und warum der „Triebhofer-Sepp“ so ist, wie er ist. Und obwohl er immer wieder seine altbekannten Lieder herausholt, vom „Papageil“, vom „Mädchenpensionat“ und der „Lisi auf der Wiesi“, und dabei so typisch ungelenk mit den Händen fuchtelt, ist das Publikum immer wieder neu zu begeistern. Der lange Applaus galt am Ende der vorletzten MundArtNacht 2010 in der Kulturbühne Hinterhalt allen drei Liedermachern.

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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