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Murales – Ein alter Brauch in Sardinien

Pinuccio Sciola - Alexandra Barone
Pinuccio Sciola - Alexandra Barone
San Sperate, im Süden Sardiniens, ist bekannt für seine Murales. Die Wandmalereien gibt es schon seit Jahrzehnten, sie erzählen die Geschichte des Dorfes.

San Sperate, im Süden Sardiniens, ist bekannt für seine Murales. Die Wandmalereien gibt es schon seit Jahrzehnten und sie erzählen die Geschichte des Dorfes. „Die Murales erählen von unserer Geschichte, unserem Alltag, von jahrzehntelangen ansgestautem Zorn!“ Antonello zeigt auf die berühmten Wandmalereien in San Sperate . Er ist hier aufgewachsen und ist stolz auf sein Dorf und die Murales. Die berühmten Wandmalereien des Dorfes zeigen die Pfirsich-Ernte, ein Hochwasser-Unglück, den Alltag der Bauern. Das 7.000 Seelen-Dorf ist kein Einzelfall in Sardinien, gilt doch die Wandmalerei als eine der wichtigsten Kunstformen auf der Insel. Doch in San Sperate gibt es Murales überall, an fast jeden Haus findet man eine Wandmalerei, die ein spezielles Ereignis im Dorf oder einfach nur die uralten Traditionen oder den Alltag der Bauern zeigen. Die Idee der Murales hatte Pinuccio Sciola (Italienisch): Nach seinen Studien- und Arbeitsaufenthalten im Ausland hat der Künstler in den 60er Jahren begonnen, sein Heimatdorf zu einer Galerie umzufunktionieren.

Pinuccio Sciola: Wandmalereien und Klangsteine

Unter der Leitung Sciolas entstanden immer mehr Wandbilder (Italienisch). Und während seine Kollegen Angello Pilloni, Raffaele Muscas, Gianni Pinna, Giampaolo Mameli, Mauro Cabboi und Aldo Costa das Dorf immer mehr mit Bildern bereicherten (insgesamt schätzt man die Anzahl auf 320!) hat sich Sciola der Skulptur und vor allem den Steinen gewidmet, die er zum Sprechen beziehungswweise Singen bringt. Ein Besuch in seinem Atelier ist ein Eintritt in eine andere Welt. In der ehemaligen Scheune findet man Skulpturen aus Marmor, Granit und Kalkstein - sie weisen den Weg zum hinteren Teil des Gebäudes. Dort stehen Steine aus Kalkstein und Basalt mit tiefen Einkerbungen, exakt geschnitten und bearbeitet. Doch was zunächst als toter Gegenstand wirkt, wird durch Pinuccio Sciolas Hände zum Leben erweckt.

Aus einem Stein geboren...

Konzentriert steht der Künstler vor einem unscheinbaren Kalkstein und reibt sich die Hände: „Das ist ein Art von Gebet“, erklärt Sciola. Nach einigen Minuten streicht er erst vorsichtig, dann immer heftiger über den Stein – und es entstehen wunderbare Töne. Wie er zu der Idee kam, dass man den Steinen Klänge entnehmen kann? „Vor meiner Geburt, habe ich in einem Stein gelebt“, erklärt Sciola, kein Wunder also, dass er die Idee hatte, durch tiefe und regelmäßige Schnitte in den Steinen einen Ton erzeugen zu können. Dieses Wissen wollte Sciola natürlich nicht für sich behalten und hat durch zahlreiche Ausstellungen in Deutschland, Österreich und Amerika die Besucher zum Staunen gebracht. Auf wenn er viel und weit reist, kehrt der Künstler doch immer wieder in sein Heimatdorf zurück.

Geschichte und Traditionen

„Die Wurzeln sind wichtig und wir müssen sie achten!“ - So denkt nicht nur Pinuccio Sciola, sondern viele der Bewohner von San Sperate. Sie bezeichnen mittlerweile ihr Dorf als Museumsstadt (Italienisch) und sind stolz auf ihre Murales und natürlich auf ihre Geschichte: Die ersten menschlichen Ansiedlungen stammen aus der Jungsteinzeit, 3.000 vor Christus.1876 wurden die berühmten „lachenden Masken“ aus der punischen Zeit entdeckt. Sie wurden bei magisch-religiösen Ritualen verwendet, um böse Geister abzuwehren. Während der Römerzeit, 300 vor Christus, gewann die Stadt San Sperate zunehmend an Bedeutung aufgrund seiner günstigen Lage zwischen Karalis, dem heutigen Cagliari, und Tharros.

Aus dem „Zitrusgarten“ wird San Sperate

Damals hieß San Sperate noch Orticedro (= kleiner Zitrusgarten, da die Zitrusfrüchte von den Sarazenen gepflanzt wurden). Erst im 14. Jahrhundert wurde aus Orticedru San Sperate. Während im 19. Jahrhundert in Italien langsam die Moderniesierung Einzug hielt, hinkte Sardinien immer nach. So wurde Besipiel ein Projekt zur Eindämmung und Regulierung des nahen Flusses Rio Mannu so oft vertagt, bis es am 20. Oktober 1892 zu einer Überschwemmung kam, die 69 Menschen das Leben kostete. San Sperate spielt heute noch eine große Rolle als Obstlieferant, dank seine hervorragenden Qualität von Pfirsichen und Zitrusfrüchten.

Alexandra Barone, Alexandra Barone

Alexandra Barone - Alexandra Barone arbeitet seit 1996 als Journalistin. Nach einem Volontariat im Pressebüro der Aktion Mensch, war sie vier Jahre lang ...

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