
- Café in der Kunsthalle Baden-Baden, T. Rehberger - Sandra Eberle
Die rund zwei Kilometer lange Parkanlage der Lichtentaler Allee gehört zu den schönsten Plätzen der optisch an sich schon verwöhnten Stadt Baden-Baden. Angelegt wurde sie im 19. Jahrhundert für die elitäre Gesellschaft der boomenden Kurstadt im Stil eines englischen Landschaftsgartens. Zu sehen gibt es hier vieles: Einen vielseitigen Bewuchs an teilweise schon sehr alten Bäumen, darunter auch Gingko- und Tulpenbäume, prächtige Villen, die großzügige Anlage des luxuriösen Brenner’s Parkhotel und bei schönem Wetter: jede Menge Leute aus Nah und Fern. Seit ein paar Jahren hat sich die Allee im vorderen, ans Kurviertel angrenzenden Bereich auch zu einer modernen Museumsmeile entwickelt. Vier Museen locken hier mit Kunst- und Kulturgeschichte vom Feinsten.
Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts – das LA8
Das Museum LA 8 ist das jüngste der vier. Eröffnet wurde es erst im April 2009 als Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts. Es befindet sich im hinteren Bereich des Hauses Lichtentaler Allee 8 (daher der Name). Mäzene und private Sammler finden sich noch heute in Baden-Baden und so war es in diesem Fall der ortsansässige Unternehmer Wolfang Grenke (Inhaber der Firma Grenke Leasing), der nicht nur das aus dem 19. Jahrhundert stammende Haus gekauft und saniert, sondern auch das Museum eingerichtet hat. Die Institution besitzt keine eigenen Bestände, sondern organisiert Sonderausstellungen in Zusammenarbeit mit anderen Sammlungen und privaten Leihgebern. Thematisiert wird die Verbindung von Kunst und Technik, die mit neuen Entwicklungen wie Eisenbahn und Auto, Fotografie und ähnlichem im 19. Jahrhundert besonders fruchtbar war.
Die aktuelle Sonderausstellung beschäftigt sich mit einer alten Hochkultur und deren Erforschung:
"Die Pyramide von innen - Die Entdeckung ds Alten Ägypten im 19. Jahrhundert" läuft noch bis 22. August. Ab September 2010 werden Lithografien des französischen Künstlers Honoré Daumier (1808 - 1879) gezeigt.
Kunsthalle Baden-Baden – altehrwürdiger Bau mit neuem Café von Tobias Rehberger
Wenige Meter neben dem LA 8 liegt der schlichte weiße Bau der Kunsthalle, 1909, vor hundert Jahren also, von dem bekannten Karlsruher Architekten Hermann Billing errichtet. Auch hier gibt es keine ständige, sondern stetig wechselnde Ausstellungen, die sich vor allem mit nationaler und internationaler Kunst der Moderne und Gegenwart beschäftigen. Besonders schön ist der große Oberlichtsaal mit seinem schlichten, klassizistisch anmutenden Stuckfries. Das Café im Erdgeschoss hat der Künstler Tobias Rehberger im Juli 2009 in Anlehnung an sein preisgekröntes Café der Biennale in Venedig mit einem Interieur aus schwarz-weißen geometrischen Mustern und farbigen Akzenten in einen Ort verwandelt, wie es ihn in der Region wohl nirgends gibt. So gilt für das Café: klein, aber fein!
Museum Frieder Burda – moderne Kunst in modernem Umfeld
Der moderne Museumsneubau wurde 2004 von dem New Yorker Star-Architekten Richard Meier (geb. 1934) errichtet – in Meiers typischer, ausschließlich weißer Formensprache und mit viel Glas, das den Blick auf die grandiose Natur der Lichtentaler Allee freigibt. Frieder Burda, Bruder des Verlagsbesitzers Hubert Burda, wohnt in Baden-Baden – ein Glücksfall für die Stadt, denn seit Jahrzehnten hat er sich dem Sammeln von Kunst gewidmet. Seine Sammlung umfasst fast 800 Gemälde, Skulpturen, Objekte und Papierarbeiten und konzentriert sich auf die klassische Moderne und zeitgenössische Kunst, die regelmäßig in Sonderausstellungen aus Sammlungsbeständen und spektakulären Leihgaben präsentiert wird. Bis 14. November 2010 zeigt das Museum etwa einhundert Werke von Joan Miró (1893-1983), die sechs Jahrzehnte seines Schaffens widerspiegeln. Auch wenn der Eintrittspreis von 9 Euro nicht gerade günstig ist (wir sind nunmal in Baden-Baden!), die Sonderausstellungen lohnen sich immer. Über einen gläsernen Gang ist das Museum mit der benachbarten Kunsthalle verbunden, außerdem gibt es Kombikarten für beide Häuser.
Stadtmuseum Baden-Baden – auf den Spuren der Kurgeschichte
Das Stadtmuseum wurde 2004 von der Altstadt ins Alleehaus verlegt und hat damit ein attraktives neues Domizil bekommen. Der rückwärtige gläserne Anbau lässt einen Blick in die Skulpturensammlung erhaschen, in der man zum Beispiel Marmorstatuen der badischen Großherzöge, aber auch gotische Portalfiguren der in der Altstadt gelegenen Stiftskirche bewundern kann. Im Innern gibt es außerdem eine anschauliche Präsentation der Stadtgeschichte inklusive historischer Fotos und Originalteile von zerstörten Gebäuden wie dem Kaiserin-Augusta-Bad. Regelmäßige Sonderausstellungen widmen sich ebenfalls der Stadtgeschichte, die schon bei den Römern beginnt und natürlich ganz besonders durch das Bade- und Kurwesen bestimmt ist.
Tipp: Nach einem Museumsbesuch empfiehlt es sich, das neu gestaltete Café in der Kunsthalle und einen Spaziergang entlang der Allee genießen – zu jeder Jahreszeit ein herrlicher Ausklang.
