
- Das Ethnologische Museum in Dahlem - Thomas Sedlmeyr
Fährt man mit der U3 Richtung Krumme Lanke und steigt Haltestelle Dahlem Dorf aus, scheint die Großstadt plötzlich weit weg. Ein Hauch ländlicher Idylle umgibt den Ortsteil im Süden Berlins: Das Dach des Bahnhofs ist mit Reet gedeckt, der Verkehr fließt träge und alles in allem erweckt die weitflächige Siedlung den Eindruck saturierter Behäbigkeit. Doch Dahlem hat es in sich: hier befinden sich nicht nur der Sitz der Freien Universität Berlin, zahlreiche Forschungseinrichtungen und das berühmte Jagdschloss Grunewald - sondern auch wahre Schatzkammern menschlicher Kultur: Knappe hundert Meter von der U-Bahnstation entfernt liegen die Museen Dahlem.
Kunst und Kultur kompakt - die Museen Dahlem
Die Museen Dahlem: das sind das Ethnologische Museum, das Museum für Asiatische Kunst und das Museum Europäischer Kulturen. Alle drei befinden sich in demselben Gebäudekomplex im Berliner Stadtteil Dahlem und bilden ein weltweit einmaliges Ensemble kultureller Zeugnisse. Das 1873 gegründete Ethnologische Museum zeigt an die 500.000 Exponate - den Besucher erwartet eine faszinierende Reise in exotische Welten.
Das Ethnologische Museum in Berlin - faszinierende Vielfalt
Zunächst führt die Reise in die Vergangenheit Südamerikas: Gewaltige Stelen, Werkzeuge und Waffen, Räuchergefäße, Schmuck und Statuetten zeugen von der Kunstfertigkeit längst untergegangener Kulturen. Modelle von Pyramiden belegen eindrucksvoll die Fähigkeiten ihrer Baumeister und schlagen den Betrachter in ihren Bann. Überhaupt geht von den steinernen Relikten etwas Ehrfurchtgebietendes aus, eine Art zeitlose Schwere und düstere Präsenz.
Diese Stimmung wird mit dem Betreten des nächsten Raumes radikal gebrochen: Hinter einem kleinen Flur eröffnet sich eine völlig neue Welt, deren überwiegend hölzerne Exponate durch Farbenpracht und Exotik bestechen. Masken, Kleidung, Schilde und Gerätschaften vermitteln ein lebendiges Panorama vom Leben der Südseevölker. Auch hier gibt es wieder viele Modelle, einige Geräuschbeispiele untermalen das Sichtbare akustisch. Besonders beeindruckend: einige Hütten und Boote im Original.
Museen Dahlem: Indianer Nordamerikas und Kunst aus Afrika
Im Obergeschoss leitet eine Sammlung moderner und alter indianischer Kunstwerke über in die Kultur Nordamerikas. Hier wiederum überwiegt das Material Leder: Zelte und Kleider, aber auch Federschmuck und Pfeifen sowie zahlreiche weitere Gegenstände des Alltags erwecken den "Wilden Westen" zu neuem Leben. Hinzu kommen Portraits von Indianern und Männern, die das Land erkundeten und erforschten.
Weiter geht es auf den Schwarzen Kontinent: Die Afrikaausstellung präsentiert Masken, Schmuck und rituelle Gegenstände. Einen Film auf großer Leinwand. Und die spannende Geschichte des Königs Njoya vom Stamm der Bamum, der enge Beziehungen zum deutschen Kaiserreich unterhielt.
Das Ethnologische Museum - viel Raum für große Kulturen
Auch für routinierte Museumsbesucher verspricht ein Besuch im Ethnologischen Museum Berlin eine außergewöhnliche Erfahrung: Die ausgestellten Zeugnisse menschlicher Lebensformen stellen einen unermesslichen Schatz dar - und werden ansprechend präsentiert. Dabei sprechen die Exponate überwiegend für sich: Texte sind eher sparsam, aber ausreichend gesät. Zahlreiche Filme, Geräuschbeispiele und Modelle runden das Bild ab. Alles in allem vermitteln die Sammlungen einen prägenden Eindruck fremder Kulturen, der stärker als der Besuch manch überfrachteter Touristenattraktion wirkt und so in Zeiten des Klimawandels eine Flugreise ersparen kann.
Wohin in Berlin - Kultur pur in den Museen Dahlem
Nach einer solchen Reise um die Welt ist die Konzentrationsfähigkeit im Museum für Asiatische Kunst allerdings erschöpft - was schade ist, denn auch dort erwarten einen vielfältige und farbenprächtige Exponate. Ebenso im Museum Europäischer Kulturen. Wer neugierig geworden ist, sollte sich deshalb unbedingt einen Plan machen - alle drei Museen an einem Tag zu besuchen ist ein sehr ehrgeiziges Ziel.
Das Ethnologische Museum hat Dienstag bis Sonntag geöffnet, jeweils von 10:00 Uhr - 18:00 Uhr. Der Eintrittspreis ist angesichts der gebotenen Vielfalt erstaunlich moderat und beträgt 6 Euro (ermäßigt 3 Euro).
