Etwas außerhalb von Midland, Ontario, weisen große Schilder auf ein Museum hin, das die friedliche Koexistenz zwischen Jesuitenmissionaren mit den Huronen Indianern wieder aufleben lässt. Mit großer Detailtreue haben Freunde kanadischer Geschichte aus Midland eine Missionsstation rekonstruiert, die einst mitten im Indianergebiet entstand.

Sainte-Marie among the Hurons in Kanada - einst Ruhepol der Jesuiten und Rückzugsort der Huronen

Französische Jesuiten waren 1639 von Quebec aus aufgebrochen, um am Südufer des Lake Huron eine Stätte der Ruhe zu schaffen, die es den Missionaren erlaubte, sich in vertrauter Umgebung eines französischen Dorfes mitten im exotischen und fremden Indianerland von den Strapazen der Missionierung zu erholen. Die Huronen nutzten Sainte-Marie among the Hurons zudem als Zufluchtsort im Falle von Übergriffen der feindlich gesinnten Irokesen, die immer wieder von Süden her in ihr Stammesterritorium eindrangen.

Ein französisches Dorf mitten in Ontario, Kanada - eine Bastion gegen Angriffe feindlicher Irokesen

Zehn Jahre lang lebten Jesuitenmissionare, Huronen und Laienbrüder in diesem Dorf, das so auch in Frankreich hätte stehen können: umgeben von einem hohen, hölzernen Palisadenzaun errichteten sie sich ein Dorf mit Blockhäusern, Werkstätten, einer großen Küche, die gemeinschaftlich genutzt wurde, mit Ställen, Gemüse- und Kräutergärten, einer Hühnerzucht und - natürlich - einer großen Holzkirche, in der die Missionare, die Arbeiter und zum Christentum bekehrte Indianer gemeinsam die Messe feierten.

Im Räucherhaus hingen frisch erlegte Gänse über rauchendem Holzfeuer, in Lagerschuppen reihten sich Kräuter zu Bündeln gebunden aneinander und trockneten in der warmen Sommerluft, in Scheunen stapelten sich die Feldfrüchte aus dem dorfeigenen Kräutergarten und den Gemüsefeldern der Indianer. Um feindlichen Irokesenangriffen widerstehen zu können, hatten die Missionare einen Bach durch das Dorf geleitet, dessen Wasser in einem eigenen Dorfteich aufgestaut wurde.

Die indianischen Bewohner von Sainte-Marie among the Hurons lebten in traditionellen Langhäusern oder kleinen Wigwams und bauten - gemeinsam mit den Missionaren - auf eigenen Feldern ihr traditionelles Gemüse an: Mais, Kürbis und Bohnen.

Konflikte zwischen Huronen und Jesuiten existierten - tödlich waren die Angriffe der Irokesen

Nicht immer verlief das Zusammenleben so verschiedener Gruppen reibungslos: Konflikte waren an der Tagesordnung. Krankheiten wie Grippe, Masern und Pocken waren für die Huronen tödlich und rafften viele von ihnen dahin. Alte Konflikte zwischen Huronen und Irokesen flammten immer wieder auf und bedrohten auch die Mission der Jesuiten.

Als im Juli 1648 die Irokesen das Dorf der Franzosen überfielen, lebten hier zwanzig Prozent aller französischen Einwanderer in Kanada - eine beachtliche Zahl. Während dieses Angriffs starb einer der Jesuiten und viele Huronen. Nur ein Jahr später kamen die Irokesen zurück und nahmen Jean de Brébeuf und Gabriel Lalemant gefangen, zusammen mit Hunderten von Huronen. Sie wurden grausam hingerichtet. Die Überlebenden flohen aus Sainte-Marie, und nur wenige blieben zurück und verstärkten die Verteidigungsanlagen des Dorfes in Erwartung eines Angriffs, der aber nie kommen sollte.

Aus Furcht vor weiteren Angriffen setzten die Jesuiten ihr Dorf selbst in Brand und begannen an anderer Stelle mit dem Bau eines zweiten Dorfes. Aber auch dieses gaben sie ein Jahr später auf und zogen sich zurück nach Quebec.

Lebendiges Museum in Midland, Ontario: Sainte-Marie among the Hurons

Heute ist Sainte-Marie among the Hurons ein sehenswertes Museum, in dem während der Sommermonate "Jesuiten", "Huronen" und "Laienbrüder" in der Tracht der damaligen Zeit das Leben in diesem französischen Dorf am südlichen Lake Huron wieder zum Leben erwecken. Sie bestellen die Felder, arbeiten in den Werkstätten und lassen sich bekehren, genau wie zur Zeit, als Sainte-Marie noch die wichtigste französische Siedlung westlich von Montreal war.

Informationen zu Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und Anfahrtsmöglichkeiten gibt es online unter. Sainte-Marie among the Hurons oder unter folgender Adresse

Huronia Historical Parks

Sainte-Marie among the Hurons

P.O. Box 160

Midland, Ontario, Kanada

L4R 4K8

Tel. (705) 526-7838

Fax. (705) 526-9193

e-Mail: hhp@hhp.on.ca

Quelle: Huronia Historical Parks und eigene Recherchen vor Ort