Bis 1977 erfüllte das Gasometer in Leipzig seinen ursprünglichen Zweck. Heute ist hier das derzeit größte Panoramabild der Welt „Amazonien – Yadegar Asisis Zauberbild der Natur“ zu sehen. Im äußeren Ring, im Gasometer, befindet sich das Museum zur Ausstellung mit Informationen zum Leben und Lebewesen im Regenwald. Am Panoramabild selbst, lässt sich Sehen lernen. Multimedial und visuell überladen, möchte der Künstler bei seinen Besuchern das bewusste Sehen mit Nachhaltigkeit fördern.

Hommage an Alexander von Humboldt

Den Rundgang eröffnen Porträts einiger Entdecker des Amazonas. Neben spanischen Eroberern ist auch der Forscher Alexander von Humboldt, der rund 1000 bis dahin unbekannte Pflanzen neu bestimmte, hervorgehoben. Ihm und seinem Werk ist auch die gesamte Ausstellung gewidmet.

Die Führung durch das Museum findet unter fachmännischer Leitung, auch von Botanikern statt, die selbst zu Forschungszwecken in den Amazonas reisten und authentisch über die besonderen Arbeitsbedingungen zu berichten wissen. Denn obschon heute die technische Ausrüstung andere Möglichkeiten als vor einigen hundert Jahren bietet, so sind die klimatischen Bedingungen mit nahezu 100 Prozent Luftfeuchtigkeit für den Europäer ebenso beschwerlich wie auch damals schon.

Faszination und Forschung im Regenwald

Doch nicht allein die hohe Luftfeuchtigkeit erschwert die Forschungsarbeiten, sondern auch, dass sich rund 80 bis 90 Prozent aller Lebewesen in den Kronen der Bäume befinden. Wissenschaftler sind gezwungen, mit Bergsteigerausrüstung hinauf zu klettern, da wo sich das Leben ansiedelt und abspielt. Die Gefahren lauern in den schnellwachsenden weichen Gehölz. Es gibt Abstürze und auch Tote. Der österreichische Botaniker, Morawetz, schlug den Einsatz von Kränen vor. Das brachte erhebliche Erleichterungen. Die Beförderung erfolgte für die forschenden Wissenschaftler sicherer und mit umfangreicherer Ausrüstung.

Den Künstler, Yadegar Asisi, faszinieren die mystischen Szenen, die ihm die Natur in Amazonien liefert. War der Wald schon immer die Heimat der Geister und Götter, so ist er für andere die Apotheke der Natur. Asisi komprimiert die Fülle, ohne den Maßstab zu verlieren. Seine Devise lautet: Je größer die Dimension eines Gemäldes, desto intensiver zeige sich die Natur. Er gestaltet sein Bild vom Regenwald sinnlich und nutzt hierfür die Regeln der Landschaftsmalerei.

Kapokbaum, erster heiliger Baum der Mayas

Die Problematik ist einleuchtend, denn schon der Kapokbaum erreicht eine Höhe von rund 60 Meter und ragt damit weit über die zweite von drei Etagen des Regenwaldes hinaus. In dem Museum ist er als Modell mit der beeindruckenden Höhe von 30 Meter zu sehen. In der Mythologie gilt er als der Schöpferbaum und wurde von den Mayas als erster heiliger Baum verehrt.

Der Regenwald kann in drei Etagen unterteilt werden. Die erste umfasst 12 bis 20 Meter hohe Gewächse, darunter auch zahlreiche Büsche, die letztlich lediglich ein bis zwei Prozent Licht zum Boden durchdringen lassen. Die nächste Etage befindet sich in der Höhe um dreißig Meter und das Obergeschoss liegt bei rund 60 Meter und damit nahezu in gleicher Höhenlage wie die Thomaskirche in Leipzig.

Der Regenwald ist gefährdet

Die Wurzeln des Kapokbaumes reichen nur bis zu einem halben Meter in den relativ nährstoffarmen Boden und zehn Meter über den Boden, bevor der eigentliche Stamm beginnt. Mit den Gehalt an Eisen und Aluminiumoide bietet der oft rostrot gefärbte Boden keine optimalen Bedingungen für einen derartigen Pflanzenwuchs. Doch über eine Million Schimmelpilze, die Wind und Tiere verbreiten, verrotten das Laub und bilden die erforderlichen Nährstoffe. Das System hat funktioniert und das seit tausenden von Jahren. Heute werden pro Minute rund vier Hektar Regenwald abgeholzt.

Faszination und Mystik Regenwald

Rund eine halbe Millionen verschiedene Insekten sind im Amazonas zuhause. Davon alleine ist jede vierte Tierart ein Käfer. Die verschiedenartigen Schönheiten an Schmetterlingen des Amazonas sind in einer dreißig Meter hohen und zwei Meter breiten Wand in Schaukästen zu sehen. Abgerundet wird die Ausstellung von Asisis Zauberbild der Natur durch die begehbare Blüte einer Orchidee. Aber auch der Alltag einer Ameise wird genauso anschaulich vermittelt, wie das Leben von Pflanzen und Tieren in den Wipfeln, am Boden und im Wasser, deren Tarnung und den Geschichten, die sich die Indianer im Amazonas erzählten. Auch das Abbild der 1801 entdeckten victoria regia, die königliche und größte Seerose der Welt, fasziniert seinen Besucher. Mit der Größe von bis zwei Meter wiegt allein das Blatt zwischen 20 und 40 Kilogramm. Ihre Blüte zeigt die Exotin lediglich in zwei Nächten.

Auch um den rosafarbenen Delphin, mit den zurückgebildeten Augen, der in Brasilien lebt, ranken sich mystische Geschichten. Ihm werden nahezu magische Kräfte zugesprochen und er erhält jegliche Verehrung. So heißt es, wenn eine Frau ein Kind erwartet und nicht wisse, wer der Vater sei, es nur von dem charmanten Flussdelphin sein könne. Damit ist die Ehre der werdenden Mutter gerettet.

Mit der Kulisse des Regenwaldes im Panometer feiern

Das Panometer kann für private Feiern, Empfänge, Bälle, Pro-Veranstaltungen, in jedem Fall Feste der besonderen Art für eine Personenzahl bis zu 500 Personen gemietet werden. Die sechs Meter hohe Aussichtsplattform bietet einen beeindruckenden Rundumblick, der jedes Fest in eine besondere Veranstaltung verwandelt. Weiterhin stehen das Auditorium und das Foyer und eine technische Ausrüstung zur Verfügung. Die Besucher können direkt am Haus parken. Für Sonderveranstaltungen können die Räume auch montags gemietet werden.

Öffnungszeiten Panometer Richard-Lehmann-Straße 11 in Leipzig

Während der Sommermonate, von April bis Oktober ist die Ausstellung dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Von November bis März schließt die Ausstellung jeweils eine Stunde früher als in den Sommermonaten. Der letzte Einlass ist bist zu einer Stunde vor Schließung möglich.

Die empfehlenswerten Führungen finden bei maximaler Teilnehmerzahl, jeweils um 11 Uhr und 14 Uhr statt.

Quelle: Führung durchs Museum und Begleitfilm, Panometer Leipzig

Fotos: Sabine Wenzel