
- Musik im Amerikanischen Bürgerkrieg - Library of Congress
Im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861–1865) spielte Musik auf beiden Seiten eine wichtige Rolle. Zum einen verband sie die Soldaten beider Seiten, spielten die Musikkorps beider Armeen die selben Melodien, zum anderen zeigten Lieder aber auch die Unterschiede auf, vor allem wenn die dazu gesungenen Texte stark patriotisch gehalten waren wie bei der „Battle Hymn of The Republic“ und „The Bonnie Blue Flag“.
Die inoffizielle Hymnen der Konföderation: „Dixie“ und „The Bonnie Blue Flag“
Der populärste Song in den Südstaaten zu Zeiten der Sezession war sicherlich „Dixie“. Die Musik stammte aus den späten 1850er-Jahren. Der Komponist Daniel Decatur Emmett hatte den Song erstmalig arrangiert und in New York City 1859 in der Mechanics Hall gespielt. Die Ursprünge der Melodie reichen jedoch weiter zurück und könnten gar bei Afro-Amerikanern liegen. Emmetts Text hat deutliche rassistische Untertöne, da sich der schwarze Protagonist in seine Heimat zurücksehnt, in der er als Sklave gehalten wurde. „I wish I was in the land of cotton, old times they are not forgotten; Look away! Look away! Look away! Dixie Land“ (Ich wünschte ich wäre im Land der Baumwolle, unvergessen sind die alten Zeiten, blick zurück nach Dixie Land) sprach jedoch auch das Heimatgefühl der weißen Südstaatler an. Dazu existieren abweichende Liedtexte patriotischen Inhalts. Allerdings war das Lied auch in den Nordstaaten sehr populär – Präsident Abraham Lincoln zählte „Dixie“ sogar zu seinen Lieblingssongs. Nach dem Bürgerkrieg wurde das Lied jedoch vor allem bei Wiedersehenfeiern der Südstaaten-Veteranen gespielt, weshalb es heute fast nur noch mit der Konföderation in Verbindung gebracht wird.
Bei „The Bonnie Blue Flag“ war die Zuordnung hingegen immer eindeutig, entstand das Lied doch direkt nach der Sezession des Bundesstaats Mississippi. Der Titel weißt auf eine blaue Flagge mit einzelnem weißen Stern hin, im Gegensatz zum Sternenbanner der USA. Die Rebellen sangen „The Bonnie Blue Flag“ mit dem Text von Harry McCarthy häufig während des Marschierens.
Musik der Nordstaaten: „Yankee Doodle“ und die „Battle Hymn of The Republic“
Populärer als „Dixie” waren im Norden zwei andere Stücke: der „Yankee Doodle“ und die „Battle Hymn of The Republic“. Der „Yankee Doodle“ existierte bereits zu Zeiten des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs und geht vermutlich auf ein Spottlied britischer Offiziere zurück. Im Bürgerkrieg spielten allein die „Yankees“ das Lied.
Die eigentliche Hymne der Union war jedoch die „Battle Hymn of The Republic“. Sie basierte auf dem Song der Sklaverei-Gegner, „John Brown’s Body“, der entstand, nachdem Brown 1859 gehängt worden war. Musikalisch handelt es sich um die Mischung eines afro-amerikanischen Spiritual und eines Methodisten-Lieds. Zu Beginn des Amerikanischen Bürgerkriegs wurde es von Truppen gesungen, die den Krieg mit dem Ziel der Abschaffung der Sklaverei führen wollten. Größere Verbreitung fand der Song erst mit seinem neuen Text, den die Dichterin Julia Ward Howe im November 1861 schrieb. Darin wurde aus John Browns „soul goes marching on“ (Seele lebt weiter oder seine Botschaft verbreitet sich weiter), „his truth is marching on“ (seine Wahrheit lebt weiter/verbreitet sich weiter), womit allerdings bereits Gott gemeint war. Denn in der “Battle Hymn of The Republic” geht es um göttliche Vorsehung und den Glauben daran, dass die USA ein Land der Gerechtigkeit und Freiheit sind. Und noch heute wird das „Glory, glory, hallelujah“ gern von Patrioten geschmettert.
Musik der Soldaten im Amerikanischen Bürgerkrieg
Es gab auch Musik im Amerikanischen, die die Musikkorps beider Seiten spielten und die von Soldaten aus Nord wie Süd gesungen wurden. Bei „The Battle Cry of Freedom“ unterschieden sich allerdings die Texte. George Root schrieb das Lied 1862 mit dem Refrain: „The Union forever! Hurrah, boys, hurrah! Down with the traitor, up with the star; While we rally round the flag, boys, rally once again, Shouting the battle cry of freedom!” (Auf ewig die Union, hurra, Jungs, hurra! Nieder mit dem Verräter, hoch mit dem Stern; während wir uns um die Flagge sammeln, erneut sammeln, brüllen wir den Schlachtruf der Freiheit)
Die Konföderierten, die nach eigenem Ermessen ja ebenfalls für die Freiheit kämpften, änderten den Text ab und ersetzten die Symbole der Union mit ihren eigenen: „Our Dixie forever, she's never at a loss! Down with the eagle and up with the cross. We'll rally 'round the bonny flag, we'll rally once again, shout, shout the battle cry of Freedom!” (Auf ewig Dixie, mit ihm wird es immer weiter gehen! Herunter mit dem Adler und hoch mit dem Kreuz. Wir sammeln uns um die Bonny Flag, sammeln uns erneut, schreit, schreit den Schlachtruf nach Freiheit hinaus!)
Ohne Unterschied wurde das Lied „When Johny Comes Marching Home“ von beiden Seiten gesungen, schildert es doch die Rückkehr eines Soldaten aus dem Krieg. Im Feldlager waren neben den Märschen aber auch Tänze sehr beliebt. Zu den beliebtesten Lagerfeuerliedern, für die keine ganze Band benötigt wurde, zählten zudem auf beiden Seiten Songs wie „Lorena“ und „Home, Sweet Home“.
Doch darüber hinaus wurden auch zu einzelnen Schlachten Stücke geschrieben – zumeist für Klavier –, darunter „The Battle of Gettysburg, July 3d, 1863“ zum entscheidenden Tag der Schlacht von Gettysburg und „The Fall of Fort Sumter“ zum Beschuss von Fort Sumter, mit dem der Amerikanische Bürgerkrieg begann.
Literatur zur Musik im Amerikanischen Bürgerkrieg:
- Stephen Currie: Music in the Civil War. Betterway Books 1992
- Richard Crawford: The Civil War Songbook. Dover Publications 1977
- David Stephen Heidler, Jeanne T. Heidler und David J. Coles (Herausgeber): Encyclopedia of the American Civil War: A Political, Social, and Military History. W W Norton & Co 2002
