
- Höhlenmalerei, Älteste Darstellung eines Musikinst - Unbekannter Maler
Der berühmte Neandertaler konnte zwar unartikulierte Laute ausstoßen, aber definitiv nicht singen. Unmusikalisch wie er war, starb er bereits vor 100.000 Jahren aus. Sein Nachfolger, der Homo sapiens, wusste sich schon wesentlich ausdrucksvoller seinen Gefährten mitzuteilen. So unterstrich er rhythmisch gegliedertes Hüpfen, Schreiten und Springen anfangs mit freudigen Schreien, später mit tonal gefestigten Wort- und Rufmotiven – die Musik als Klang- und Tanzerlebnis war geboren. Der Cro-Magnon-Mensch ergänzte (vor 25.000 Jahren in Südfrankreich) seine Darbietungen mit den ersten einfachen Musikinstrumenten: Klappern, Rasseln, Schwirrhölzern und Stampfbrettern, später auch durch Pfeile und Speere, die gegen Schilde oder Hohlkörper geschlagen wurden.
Römische Militärmusik und mittelalterliche Psalmen
Über die Musik des Altertums ist wenig bekannt, doch sind auf vielen, bei Ausgrabungen gefundenen Monolithen, Reliefs, Urnen oder Schalen, musikalische Szenen dargestellt. Ob der Musik in Ägypten, Babylon, Persien, Indien oder China jene zauberkräftige Macht nachgesagt werden kann, ob sie der Muße oder materiellen Zwecken diente, bleibt unklar. Während im antiken Griechenland die Musik einen eminent wichtigen erzieherischen, politischen und poetisch-ästhetischen Sinn hatte, pflegte das römische Weltreich vor allem die Militärmusik, die zum Teil sogar von den Germanen übernommen wurde. Als 476 n. Chr. das Weströmische Reich unterging, begann eine neue Ära: Das Mittelalter, oder musikalisch betrachtet, die Zeit der Psalmen, Hymnen und Choräle (in der abendländischen Kultur). Über Jahrhunderte prägte einstimmiger Gesang – ohne jegliche Mitwirkung von Instrumenten – das Leben im christlichen Europa.
Minnesänger und Nibelungenlied
Rund 200 Jahre später änderte sich die Situation – und die Musik. Es entstand der Feudalismus, das Rittertum und damit verbunden beginnt die malerische Zeit des Minnegesangs. In den Liedern der Barden, Troubadours, Minstrels und Minnesänger klingen zum ersten Mal Sagen auf, die nachfolgend zu Volksgut werden: Das Nibelungenlied, die Mär von Tristan und Isolde oder die Legende von Parzival und dem Heiligen Gral. Die wichtigsten Musikinstrumente zu jener Zeit wurden Orgel, Hackbrett, Zither, die Giga (Geige), Schnabelflöte, Fanfare, Drehleier und Laute.
Von den Chansons zur Oper
1517, mit dem Beginn der Reformation, geht (historisch gesehen) das Mittelalter zu Ende, die Musik wandelt sich erneut. Drei Männer (Palestrina, di Lasso und William Byrd), stellvertretend für diese „Erneuerung“, schaffen dabei die musikalischen Fundamente für die kommenden Großmeister. Die Musik wird harmonischer und dank Cembalos, Geigen und Lauten auch verspielter. Volkstümlich sind die Melodien, die Canzonetten (Italien), Chansons (Frankreich) oder Lieder, wie sie in Deutschland genannt werden. Die wohl nobelste Spielart dieses Genres ist die Kammermusik. Mantua ist es, wo 1607 Claudio Monteverdi einer für die damalige Zeit revolutionären musikalischen Ausdrucksform das Leben einhaucht – der Oper. Musik wird zur Kunst erhoben, wird immer zahlreicher und üppiger. Man spricht vom Barock.
Von Bach über Chopin zur Hausmusik
1685 ist das Geburtsjahr Johann Sebastian Bachs, einem der größten Komponisten aller Zeiten. Instrumental-Musik wird allmählich wichtiger als Vokal-Musik. Flöten, Oboen, Klarinetten, Violen und Klavier, Trompeten und Hörner prägen das Tongeschehen, eben jene Instrumente, die auch heutzutage bei Symphonie-Orchestern gespielt werden. Die Zeit bringt ein Musik-Genie nach dem anderen hervor: Händel, Mozart, Beethoven, Schubert, Chopin, Paganini, Liszt, Verdi, Wagner und Tschaikowski. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewinnt die „leichte Muse“ (Operetten, musikalische Possen und Gassenhauer, die Schlager von damals) steigende Bedeutung. Haus- und Volksmusik werden als angenehmer Zeitvertreib gepflegt. Der Niedergang des Kaiserreichs, das schreckliche Ende des 1. Weltkrieges bewirken vollkommen neue und andere Musikrichtungen.
Der Jazz, King Elvis Presley und die Beatles
In Amerika entsteht aus der Volksmusik der Ragtime, der allerdings in den späten 20-er Jahren ausklingt. Aus dem Ragtime entwickelt sich der Jazz, und es beginnt die Ära des Swing, der versucht, den improvisierten Charakter des Jazz in großen Orchestern (Big Bands) zu bändigen. Benny Goodman, Glenn Miller, Count Basie oder Duke Ellington heißen die Musikgiganten der 30-er und 40-er Jahre. Durch die Einführung der Elektrogitarre, mit der neue Klangvarianten möglich sind, leitet King Elvis Presley in den Roaring Fifties mit dem Rock’n’Roll eine neue Epoche ein: Pop, die Musik der Jugend. Die wohl (pop)ulärsten Vertreter sind zweifellos die legendären Beatles aus Liverpool. Nach dem Rücktritt der vier Pilzköpfe, Anfang der 70-er Jahre, wogt in der Band-Szene der Kampf um den Titel „Die Größten“.
R&B, Punk und Neue Deutsche Welle
In den 80-ern bestimmt Contemporary Rhythm ’n’ Beat (R&B) die Musikszene, seine Vorreiter sind Superstars wie Michael Jackson, Prince und Whitney Houston – während der 90-er Jahre vermischt sich diese Stilrichtung mehr und mehr mit Elementen aus Hip-Hop und Rap. Aus der Punkbewegung heraus entwickelt sich der New Wave und in Deutschland überrollt die Neue Deutsche Welle mit erfolgreichen Stars wie Nena und Trio die Hitparaden. Auch Synthie Pop prägt das Jahrzehnt, Bands wie Eurythmics, Pet Shop Boys und Alphaville feiern Triumphe.
Backstreet Boys, Grunge und Latin Pop
Ein kommerziell äußerst erfolgreiches Phänomen der 90-er Jahre sind Boygroups, die mit synchronen Tanzperformances arbeiten, wie etwa Backstreet Boys, NSYNC und Take That Daneben sind Techno, Trance, Rave und Hip-Hop als bedeutende Musikrichtungen erwähnenswert. Die Rockmusik wird zunehmend durch Grunge bestimmt, ein Stil, welcher der Untergrundszene Seattles entwachsen ist. Traurige Berühmtheit erlangt Kurt Cobain, Sänger der erfolgreichen Gruppe Nirvana, als er 1994 Selbstmord begeht. Aber auch lateinamerikanische Musik findet als Latin Pop mit populären Künstlern wie Jennifer Lopez und Gloria Estefan Eingang in die Popkultur der 90-er.
