Musikalische Folter – Horror-Hitparade aus Guantanamo

Musikalische Folter - Wilhelmine Wulff/ pixelio.de
Musikalische Folter - Wilhelmine Wulff/ pixelio.de
Musikbeschallung kann als Foltermethode wirken. In Guantanamo trieb die US-Regierung Häftlinge mit Heavy Metal und Sesamstraßenliedern in den Wahnsinn.

Geräusche und Musik als Foltermethode einzusetzen, ist eine jahrhundertealte Idee, die schon im Zweiten Weltkrieg in deutschen Konzentrationslagern umgesetzt wurde. Auch die Koreaner und Chinesen quälten amerikanische GIs in den 50er Jahren im Koreakrieg systematisch mit Musik. In abgeschwächter Form als Rausschmeißer wird sie sogar heute in Deutschland gern angewandt, um Junkies aus Bahnhöfen oder Haltestellen zu vertreiben.

Jede Musik eignet sich als Foltermusik

Das Beispiel der Haltestelle Giselastraße in München, an der Tschaikowskys "Serenade für Streicher“ unaufhörlich dudelte, zeigt neben anderen deutschen Bahnhosfmusikprojekten, dass keineswegs nur moderne Klänge aus dem Techno- oder Metal-Genre geeignet sind, den Hörern gewaltig auf die Nerven zu gehen.

Ob Rock, Pop oder Kinderlieder, ab einer bestimmten Lautstärke und Dauer behindert jede Musik die Konzentrationsfähigkeit so nachhaltig, dass der Beschallte nicht mehr zur Ruhe kommen kann und schwer traumatisiert wird, sofern er den Klängen lange ausgeliefert ist. Dazu sorgt eine unpassende Umgebung für gesteigertes Unbehagen, so bilden Klassik im Drogenmilieu und Kinderlieder im Gefängnis beliebte Kombinationen des psychologischen Klangkriegs.

Guantanamo-Songs von Eminem, ACDC, Bruce Springsteen und aus der Sesamstraße

Aus den Aussagen ehemaliger Gefangener und Bewacher in der Guantanamo Bay Naval Base lassen sich Klangszenarien rekonstruieren, die mit bis zu 72-stündiger Dauer bei permanenter Lichtdurchflutung der Zelle und zum Teil überlagerten Songs als unausweichliche Gehirnwäsche aus Krach und Licht fungiert haben müssen. Die Gefangenen sollen entweder gezwungen worden sein, Kopfhörer aufzusetzen, bevor sie auf Stühlen festgebunden wurden, oder in unbequemen Positionen in einem Raum mit Lautsprechern gefesselt am Boden gelegen haben.

Dann wurden oftmals Sesamstraßenlieder des Komponisten Christopher Cerfs mit Rock- und Heavy-Metal-Songs gekreuzt und überlagert, um die vertrauten Kinderlieder auf Äußerste zu pervertieren und die Konzentrationsfähigkeit besonders zu schwächen.

In der bunt gemischten Songsammlung fanden sich Stücke von Metallica, Bruce Springsteen, Eminem, Neil Diamond, Christina Aguilera, Britney Spears und ACDC. Vor allem "Enter Sandman“ von Metallica, "Shoot to Thrill“ und "Hells Bells“ von ACDC, "Bodies“ von Drowning Pool und "White America“ von Eminem bildeten die bassgewaltigen Zugpferde der internen Gefängnischarts.

Richtlinie für Verhörmethoden der CIA: 18 Stunden Schnellstraßenlärm am Tag

Im Jahr 2003 wurde erstmals bekannt, dass in Guantanamo und anderen Geheimgefängnissen der US-Regierung Musikfolter eingesetzt worden war, allerdings hielt die CIA aus Staatssicherheitsgründen sämtliche Unterlagen unter Verschluss, bis verschiedene Menschenrechtsorganisationen, wie Amnesty International, die Veröffentlichung der "Richtlinien für Verhörmethoden“ gerichtlich durchsetzen konnten.

Nach diesen Anweisungen, die sich als detaillierte Folterinstruktionen lesen, durfte bis zu 18 Stunden am Tag Musik in der Lautstärke von 84 Dezibel auf die Häftlinge einwirken, was etwa dem Lärm einer nahe gelegenen Schnellstraße entspricht. Acht Stunden bei 90 Dezibel, vier Stunden bei 95 Dezibel und schließlich zwei Stunden bei 100 Dezibel, vergleichbar mit dem Krach eines Presslufthammers aus nächster Nähe, konnten den Insassen danach zugemutet werden.

Quellen:

Bildquelle: Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Elke Geyer, Elke Geyer

Elke Geyer - Ich erblickte 1974 in Hildesheim das Licht der Welt und entschied mich nach der Schulzeit zunächst für die Juristenlaufbahn. ...

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