Muskatnüsse - das Gold Ostindiens

Ganze Muskatnüsse - Gaby von Döllen
Ganze Muskatnüsse - Gaby von Döllen
Die Muskatnuss hat eine bewegte und umkämpfte Geschichte. Als Gewürz ist sie aus der Küche kaum wegzudenken.

Heutzutage führt die Muskatnuss eher ein Schattendasein unter den Gewürzen. Doch sie hat eine bewegte Geschichte, ihre spezielle Muskatnote wird bei einigen Speisen sehr geschätzt und ihre heilende Wirkung in vielen Bereichen wissenschaftlich nachgewiesen.

Geschichte der Muskatnuss

Die ersten Hinweise auf die Verwendung dieser Gewürznuss stammen aus China und Ägypten aus Zeiten vor Christus. Auch im Römischen Reich war die Muskatnuss bekannt, sie findet ebenfalls Erwähnung in den Schriften der Hildegard von Bingen. Größere Verbreitung fand sie aber erst durch die Erkundung der Seewege nach Indien und den aufblühenden Handel im 16. Jahrhundert.

Ursprünglich wuchsen die Muskatnussbäume ausschließlich auf den südlichen Molukken (Indonesien). Dort befindet sich auch die Insel Ban, die fast vollständig mit Muskatbäumen bewachsen war.

Kampf um die Vorherrschaft auf den Gewürzinseln

Mit der Entdeckung der Seewege nach Indien rückten die sogenannten Gewürzinseln in den Mittelpunkt des Interesses der Kaufleute. Zwar bedeutete eine Expedition zu den Molukken im 16. Jahrhundert ein riskantes seefahrerisches Abenteuer, doch der Reichtum, der mit einer Ladung Gewürze erzielt werden konnte, reizte die Kaufleute, Schiffe auszurüsten. Die Schiffe benötigten zur Bewältigung dieser Strecke ungefähr 4 Jahre, nur ein Bruchteil der ausgesandten Besatzung kehrte lebend zurück.

Die Preise, die mit Muskatnüssen erzielt werden konnten, erreichten das 60.000fache des Kaufpreises. Kaufleute, Händler und Bader wussten die Nachfrage zusätzlich zu schüren, indem sie der Muskatnuss heilende Kräfte im Kampf gegen die Pest nachsagten. Damit war auch das einfache Volk bereit, die letzten Ersparnisse für dieses angebliche Heilmittel herzugeben.

Die kleine Molukkeninsel Ban, Reichtum durch Muskatnüsse

Um die Vorherrschaft auf den Molukken entbrannte im 16. Jahrhundert zwischen den Seefahrernationen England, Portugal und Holland ein heftiger Kampf. Die Insel Ban, mit nur drei Kilometern Länge und einem Kilometer Breite eine sehr kleine Insel der Molukken, spielte im Kampf um die Muskatnuss die Hauptrolle. 1603 wurde sie von der britischen East-India Company entdeckt. Die Briten besetzten und verteidigten die Insel bis 1620, dann wurde sie den Niederländern überlassen. Die Auseinandersetzungen um die reiche Insel wurden jedoch fortgesetzt und erst 1667 („Frieden von Breda“) beendet, als die Niederländer sie im Austausch gegen die Insel Manhattan erhielten. Mit diesem Tausch sicherten sich die Niederlande das Monopol auf die gesamten Muskatnussvorkommen, da sie bereits den übrigen Bereich der Molukken kontrollierten. Mit Anbau- und Ausfuhrbeschränkungen wurde der Preis zusätzlich in die Höhe getrieben. Dieses Monopol fiel erst im 18. Jahrhundert, als es den Franzosen 1770 gelang, Samen und Pflanzen zu erhalten und in anderen Regionen (Réunion und Maruitius) anzupflanzen.

Heute gedeihen Muskatnussbäume in tropischen Regionen am Äquator. Abgesehen von den indonesischen Inseln, den weiter geführten französischen Anpflanzungen auf Réunion und Mauritius zählen Neuguinea, Indien, Madagaskar und Brasilien zu den bedeutenden Muskatnusslieferanten.

Aussehen und Früchte des Muskatbaumes (myristica fragans)

Der immergrüne Muskatnussbaum benötigt tropisches Klima, einen möglichst halbschattigen Standort und erreicht eine Höhe von 15-18 Metern. In Kulturen wird er wegen der einfacheren Ernte kleiner (auf ca. 5-6 Metern) gehalten. Die Blätter ähneln in ihrer Form dem Lorbeer, sind ledrig und ca. 15 cm lang. Die hellgelben Blüten sind traubenförmig angeordnet. Die Bäume tragen erst im achten Jahr Früchte. Verwendung in der Küche findet der Samenkern, der landläufig als „Muskatnuss“ bezeichnet wird. Der Samenmantel („Macis“ oder Muskatblüte) ist seltener und wird hauptsächlich in der gehobeneren Küche benutzt, Aroma und Geschmack sind im Vergleich zur Muskatnuss etwas feiner.

Verwendung der Muskatnuss in der Küche

In der Küche dient die Muskatnuss zur Verfeinerung von Speisen, insbesondere von Kohlgerichten, Kartoffelpüree, Obstkompott und Spinat. Auch die klassische Béchamelsoße wird mit Muskatnuss verfeinert. Zur Weihnachtszeit spielt sie sowohl bei Keksen, Kuchen & Co als auch als Zutat für Punsch und Glühwein eine wichtige Rolle.

Während sie in vielen europäischen Ländern eine Außenseiterrolle spielt, zählt sie in den Niederlanden zu den klassischen Gewürzen. Kein Wunder, wenn man die lange Vorherrschaft und das Monopol der Niederländer auf den Gewürzinseln berücksichtigt.

Das Gewürz sollte frisch gerieben und sofort verwendet werden, da das Aroma sehr schnell verfliegt.

Medizinische Verwendung der Muskatnuss

Das Heilmittel gegen die Pest, wie im Mittelalter angepriesen, ist sie natürlich nicht, aber wie bei vielen Gewürzen und Kräutern konnte ihre Wirkung bei vielen Beschwerden inzwischen wissenschaftlich belegt werden. Einsatz findet die Muskatnuss bei hauptsächlich bei Verdauungsbeschwerden. Das ätherische Öl wird auch bei Erkältungsbeschwerden genutzt, es ist Bestandteil von Kräuterbonbons und Erkältungsbalsam.

Die Muskatnuss – eine pflanzliche Droge?

Als Alternative zu herkömmlichen Drogen hat sie sich nie durchsetzen können, obwohl durch die Inhaltsstoffe Myristicin und Elemacin Halluzinationen hervorrufen können. Diese bewirken gleichzeitig unangenehme Nebenwirkungen wie Übelkeit und Brechreiz. Der intensive, kräftige Geschmack könnte ein zusätzlicher Grund sein, weshalb die Muskatnuss im Drogenhandel keine Rolle spielt. Um in einen ‚Muskatnussrausch’ zu verfallen, müssten außerdem größere Mengen konsumiert werden.

Als Gewürz, das in kleinen Mengen angewandt wird, verursacht die Muskatnuss weder die beschriebenen Nebenwirkungen noch Halluzinationen. Es müssen schon Mengen verzehrt werden, die kompletten Nüssen entsprechen, um zunächst Halluzinationen und später auch Lebensgefahr auszulösen.

Quellen: Gewürzlexikon

Die Muskatnuss

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Gaby von Döllen, Copyright: Peter von Döllen

Gaby von Döllen - geboren 1964 in Bremen verheiratet, 2 Töchter. Zur Familie gehören außerdem ein Weißer Schäferhund und eine ...

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