Myriam Alter: "Where Is There"

Die belgische Komponistin schreibt für den Cellisten Morelenbaum

Myriam Alter - Where Is There - www.enjarecords.com
Myriam Alter - Where Is There - www.enjarecords.com
Myriam Alters Kompositionen bewegen sich zwischen Jazz, mediterranen, jüdischen und orientalischen Einflüssen, "Where Is There" präsentiert ihre neuen Klangmalereien

Sie ist oft erzählt worden, die Geschichte von der belgischen Vierzigerin, die als Kind klassische Musik spielte, über Psychologie, Werbeindustrie und Tanzpädagogik erst 20 Jahre später wieder zum Jazzstudium fand. Doch es gibt noch mehr Ungewöhnliches in ihrem künstlerischen Dasein: "Myriam Alter? Ah, das ist doch die, die nur schreibt", hört man oft, wenn man herumfragt, ob ihr Name denn geläufig sei. "Ich wurde mir klar darüber, dass das Komponieren meine stärkste Disziplin ist. Mir ist es wichtig, dass erstklassige Instrumentalisten meine Werke ausführen und ich selbst habe mich ja nicht gerade im jugendlichen Alter ans Jazzpiano gewagt. Für mich ist es einfach kohärenter, wenn jemand anders meine Stücke interpretiert", sagt sie und die impulsive Stimme überrascht.

Melancholische Lyrik

Denn sie steht schon ein wenig im Kontrast zur melancholischen Lyrik, die ihr neues Album "Where Is There" (enja/Soulfood) verströmt. Während auf dem Vorgänger "If" noch der Tango Nuevo umspielt wurde, hat sie nun zu einer Sprache gefunden, die sich mit vielschichtigen Arrangements ganz frei gemacht hat von einer konkreten stilistischen Stoßrichtung. Mediterranes Pastell, orientalische und jüdische Anklänge, ein Hauch von Latin kann man in ihren Stücken finden - eine folklore imaginaire mit ausgedehnten Impro-Strecken. Obwohl die Brüsselerin einen sephardischen Background hat, leugnet sie bewusste Einflüsse: "Das habe ich einfach in den Genen", meint sie lapidar. "Viele Leute sagen mir, dass meine Stücke sie an etwas erinnern, dass sie schon lange im Kopf haben. Aber das kommt vielleicht auch daher, dass ich am Piano extrem von der Melodie her komponiere."

Jaques Morelenbaum als Erzähler

Die Musik, die sie während des Schreibens höre, sei vom Aspekt der Klangfarben her noch abstrakt, betont Alter. Erst später entscheidet sie, welche Instrumente die Textur bilden sollen. Dieses Mal hat sie dem Cellisten Jaques Morelenbaum die Erzählerrolle zugedacht. "Er hat eine extrem sangliche, warme Art zu spielen, und so ist auch seine ganze Persönlichkeit", begeistert sie sich. Um den Brasilianer herum agieren Salvatore Bonafede am Piano, ihre "Lieblings-Rhythmussektion" Greg Cohen und Joey Baron, sowie die interessante Schichtung von John Ruoccos Klarinette und das Sopransax ihres Freundes Pierre Vaiana, der auch für italienische Momente sorgt.

"Ich bete jedes Mal, dass die Klangfarben, die ich mir vorstelle, sich dann auch real so anhören - bisher hat es immer funktioniert". Und dann lacht sie herzlich.

aktuelle CD: "Where Is There" (enja/Soulfood), VÖ: 26.10.2007

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