
- Dan Wells: Ich bin kein Serienkiller - Piper-Verlag
John erfüllt alle wichtigen statistischen Merkmale eines Serienkillers: Er ist weiß, ein Außenseiter ohne echte Freunde, unfähig, die Gefühle anderer Menschen nachzuempfinden. Doch John weiß, dass er diese Merkmale aufweist und hat sich geschworen, das Monster in ihm durch Regeln unter Kontrolle zu halten, wobei ihm ein Psychiater und seine Familie helfen. „Ich bin kein Serienkiller“, hat John sich geschworen. Doch seine Selbstkontrolle wird auf eine schwere Probe gestellt, als in seinem Wohnort tatsächlich ein Serienkiller sein Unwesen zu treiben beginnt. Die Polizei tappt im Dunkeln. Der 15-Jährige bekommt das Gefühl, nur er allein könne den Mörder stoppen. Dazu müsste er jedoch die Bestie in sich rauslassen …
Thriller aus der Sicht eines möglichen Serienkillers
Dan Wells (geboren 1977) hat sich für seinen ersten Roman „Ich bin kein Serienkiller“ die Aufgabe gestellt, die Geschichte aus der Sicht eines Jugendlichen zu erzählen, der zwar kein Mörder ist, aber fürchtet, zu einem zu werden. Der Protagonist John ist ein Soziopath, unempfänglich für die Gefühle anderer. Seine Eltern haben sich getrennt, als er noch ein Kind war. Diese Konstellation erinnert ein wenig an „Supergute Tage oder die Welt des Christopher Boone“ (The Curious Incident of the Dog in the Night-Time), den Roman von Mark Haddon, in dem die Geschichte aus Sicht eines Autisten geschildert wird. Wells gelingt es jedoch längst nicht so eindringlich, die innere Gefühlswelt seines Serienkillers in spe zu schildern. Zudem bleibt die Welt des Protagonisten dem Leser fremd, fällt die Identifikation mit der Figur schwer. Ähnlich wie bei Haddons Christopher Boone bringt in „Ich bin kein Serienkiller“ ein Todesfall den Hauptcharakter dazu, aus der Sicherheit der Routine auszubrechen. Bei John könnte das schlimme Folgen haben, sollte er wirklich seine selbst auferlegten Regeln brechen und zum Killer werden.
Ich bin kein Serienkiller - Parallelen zur Fernsehserie „Dexter"
Von dieser Spannung lebt der Mysterythriller hauptsächlich. Dan Wells ist das aber nicht genug. Der im US-Bundesstaat Utah lebende Autor versucht, die Handlung weiter voran zu treiben, in dem er übernatürliche Elemente und Figuren einführt. Diese reduzieren die Glaubwürdigkeit der gesamten Geschichte, lenken von der zuvor so realistischen Schilderung des Innenlebens eines Soziopathen ab. Wahrscheinlich wollte sich Wells allerdings gerade bei der Entwicklung Johns noch Optionen offenhalten, da der Thrillerautor bereits Fortsetzungen zu „Ich bin kein Serienkiller“ plant. Band 2 trägt in Deutschland den Titel „Mr. Monster" und ist im Mai 2010 erschienen, Band 3 „Ich will dich nicht töten" im September. Die Reihe dürfte ihr Publikum finden. Nicht zuletzt seit der Fernsehserie „Dexter“ sind Stoffe populär geworden, bei denen ein Killer jagender Mensch selbst zum Mörder wird.
Dan Wells: Ich bin kein Serienkiller. Piper 2009. Broschiertes Taschenbuch, 384 Seiten. Euro 12,95 (Österreich 13,40).
