
- Flosse eines Pottwals - © Public Domain
Es muss ein schreckliches Monster gewesen sein: 17 Meter lang mit Zähnen so groß wie männliche Unterarme und scharf wie Kreissägen. In der Wüste Perus stießen Forscher im vergangenen Jahr auf die Überreste eines Ur-Wals, der vor zwölf Millionen Jahren gelebt hat.
„Leviathan Melvillei“ tauften die Wissenschaftler den gefährlichen Räuber in Anlehnung an das biblische Meeresungeheuer Leviathan und den „Moby Dick“-Autor Herman Melville (1819 – 1891).
Die Wahrheit über Moby Dick
Wale haben die Menschen immer fasziniert. In der Bibel wird Jonas von einem Wal verschlungen und wieder ausgespuckt: Symbol von Tod und Wiedergeburt. Der wissenschaftliche Sammelbegriff für Wale lautet „Cetacea“, abgeleitet aus der griechischen Mythologie bedeutet es „Seeungeheuer“.
Auch Herman Melvilles weißer Wal „Moby Dick“ ist ein mörderisches Wesen. Melville verarbeitete in seinem Roman eigene traumatische Erlebnisse auf Walfangschiffen. Zudem griff er auf die Geschichte des Walfängers „Essex“ zurück, der 1820 sank, als er von einem Pottwal gerammt wurde.
Sind Wale tatsächlich gefährliche Monster? Nein, meinen Wissenschaftler. Walforscher Dr. Harald Benke, Direktor des Meeresmuseums in Stralsund: „Bis auf die räuberischen Orcas sind Wale sanfte Riesen, vor denen wir Menschen trotz ihrer Größe keine Angst zu haben brauchen.“
Der Wal, der die „Essex“ versenkte, handelte in Notwehr. Die Walfänger hatten ihn harpuniert und verletzt. Was Menschen als Angriffe interpretieren, sind oft Todeskämpfe, bei denen sich die sterbenden Wale verzweifelt winden.
Oder sie verteidigen ihre Jungen. Wale sind nämlich soziale Wesen und Familientiere, die ihre Kälber um jeden Preis schützen. Einerseits faszinieren uns Wale durch ihre gigantischen Ausmaße, anderseits wirken viele Verhaltensweisen fast menschlich. Die sanften Riesen strahlen Ruhe und Kraft aus, gelten aber auch als intelligent und verspielt – Eigenschaften, die uns sympathisch sind.
Größter Feind ist der Mensch
Whale Watching – also das Beobachten von Walen in der Natur – boomt. Geschätzte zwölf Millionen Touristen jährlich wollen den Giganten der Meere so nah wie möglich kommen. Weltweit suchen pro Jahr geschätzte zwölf Millionen Menschen die Nähe zu den Giganten der Meere, an 500 Orten in 87 Ländern ist das möglich.
Viele Menschen sind auch fasziniert von dem einzigartigen Gesang der Buckelwale. Doch leider verstummen immer mehr Wale. Laut Umweltschutzorganisation Greenpeace sind alle 80 Walarten vom Aussterben bedroht. Schuld ist der Mensch. Seit 1986 ist die Jagd auf die bedrohten Säugetiere verboten. Aber Island, Norwegen und vor allem Japan fordern vehement die Aufhebung des Verbots. Unter dem Vorwand wissenschaftlicher Forschung haben sie in den vergangenen 25 Jahren 34.000 Wale gekillt.
Die Gefahren durch die Menschen sind vielfältig: 300.000 Wale sterben jährlich elendig, weil sie sich in Treibnetzen verfangen. Andere sind vergiftet oder verhungern, weil die Meere verdreckt und überfischt sind. Eine tödliche Gefahr ist auch der Schiffsverkehr: Zahlreiche Wale enden in Motorschrauben oder bei Kollisionen. Und durch den Lärm unter Wasser finden sich Wale, die sich über Echosignale orientieren, nicht mehr zurecht, verirren sich und stranden sogar.
Als sich vor einigen Jahren ein Entenwal in die Londoner Themse verirrte, bangten Tausende um sein Leben. Als die Rettungsaktion der Tierschützer missglückte und der Wal verendete, weinten viele der zuschauenden Menschen. Längst wissen wir, dass Wale keine gefährlichen Monster sind, sondern schützenswerte Tiere, die dringend unsere Hilfe brauchen.
Fakten über Wale
Vor 50 Millionen Jahren wanderten ihre Vorfahren vom Land ins Wasser. Es waren Paarhufer, deshalb gelten Kühe und Flusspferde als Verwandte der Wale. Heute existieren 80 verschiedene Arten, die in Barten- und Zahnwale unterschieden werden. Weil sie keine Fische, sondern Säugetiere sind, müssen sie zum Atmen immer wieder an die Luft. Ein sehr guter Taucher ist der Pottwal. Der 40-Tonnen-Koloss taucht 1.000 Meter tief und bleibt gut 40 Minuten unter Wasser. Noch gigantischer ist der Blauwal. Er ist das größte bekannte Lebewesen, das je auf der Erde gelebt hat. Er wird 25 bis 30 Meter lang – der Rekord liegt bei 35 Metern – und wiegt 100 bis 140 Tonnen. 90 Jahre alt kann der Blauwal werden. Der neuseeländische Hector-Delfin ist mit 1,5 Metern Länge der kleinste Wal und wiegt 40 bis 60 Kilo.
Quellen:
- ScienceBlogs
- Nature
- Herman Melville: Moby Dick, Insel Verlag, 776 Seiten
- Monika Rößiger, Claus-Peter Lieckfeld: Mythos Meer, Blv Buchverlag; Auflage: 1 (2004), 221 Seiten
- Spiegel vom 21.1.2006
- Greenpeace
- WWF
- Seemotive
- Wale-info
- Deutsches Meeresmuseum in Stralsund
