
- Glubrecht: Na Servus - Rowohlt
Ja, es gibt sie, diese Bücher, die man an einem Sonntagmorgen nach dem Frühstück in die Hand nimmt und in einem Rutsch durchliest. "Na servus!", der Debütroman von Sebastian Glubrecht, ist solch ein Buch. Ein Buch, das sich wunderbar leicht liest, während man den freien Tag im Bett verbringt, das einen zum Schmunzeln und an einigen Stellen auch zum Lachen bewegt, ein Buch, das einem ganz nebenbei nahe bringt, dass Bayern nicht so schlecht ist wie sein Ruf.
Basierend auf eigenen Erfahrungen
Der Autor Sebastian Glubrecht ist gebürtiger Hannoveraner und wurde vom Wahlberliner zum Zwangsmünchner. Nur unter größter Überwindung und mit der festen Absicht, nach dem Jahr Schwangerschaftsvertretung wieder in die Hauptstadt zurückzukehren, zog er nach Bayern, verliebte sich dort – nicht nur in ein Mädchen, sondern auch in Stadt und Leute – und blieb. Basierend auf seiner eigenen Lebensgeschichte schrieb er eine Liebeserklärung an die Bayern, die ihn, den Preußen, in ihren Kreis aufgenommen haben. Herausgekommen ist ein Buch, das Vorurteile über Bayern und Berliner liebevoll aufzeigt, das erheitert und zur "Völkerverständigung" unter Deutschen anregt.
Lektionen bayerischer Gemütlichkeit
Die Hauptperson, nach dem Autoren Sebastian benannt, aber nicht hundertprozentig mit ihm gleichzusetzen, findet ein Zimmer zur Untermiete vor den Toren der Stadt. Sein Nachbar, ein waschechter Bayer, wird mit der Zeit zu seinem ersten Ansprechpartner in der Fremde und bringt ihm nicht nur die Sprache, sondern auch die ein oder andere Tradition näher.
Über ihn lernt er dann auch Veronika kennen, die es ihm zu Beginn nicht leicht macht, dann aber doch zu seiner großen Liebe wird. Würde das Buch hier enden, wäre es extrem kurz. Und so kommt es, wie es kommen muss, nach Ochsenrennen, Blasmusik und Oktoberfest kommt es zum Eklat zwischen den Liebenden. Und Sebastian muss nicht nur um Veronika kämpfen, sondern auch gegen seine Freunde, die ihn wieder in Berlin sehen wollen.
Unterhaltsam und urkomisch
Sebastian Glubrecht versteht sich auf genaue und unterhaltsame Beschreibungen – ob es ums Aussehen oder Verhalten der Figuren geht –, er gibt dem Leser das Gefühl, in der Geschichte zu sein und mit ihm die Eigenarten der Bayern zu verstehen. Eigentlich möchte man mit ihm tauschen und selbst in Traditionen eingeführt, mit Vorurteilen konfrontiert werden, um diese dann wiederlegen zu können. Und man hofft von Herzen mit, dass er in München bleiben und Veronikas Herz erobern kann. Alles in allem ein Buch, für das es sich lohnt, einen Vormittag lang nicht aus dem Haus zu gehen.
Sebastian Glubrecht: Na servus! Rowohlt 2008. Taschenbuch, 223 Seiten. Euro 8,95.
