Nach dem Massaker in Norwegen: keine spontane Tat

Lange geplante Taten - Dieter Schütz / pixelio.de
Lange geplante Taten - Dieter Schütz / pixelio.de
Der junge Attentäter versetzte das ganze Land in einen Schockzustand. Wie tragisch das auch klingen mag: Seine Tat ist weder originell noch einmalig.

Behring Breivik, der 32-jährige Attentäter aus Norwegen wollte, seinen eigenen Angaben nach, die Gesellschaft treffen und richtete ein grausames Blutbad an. Das ganze Land erlitt einen Schock. Es handelt sich jedoch nicht lediglich um ein norwegisches Problem. Derartiger Amoklauf hätte überall passieren können. Behring Breivik hat viele Vorgänger. Die Nachahmer kann man leider auch nicht ausschließen.

Sicherheit statt Offenheit?

Das ist der Preis der Offenheit, heißt es im „Spiegel-Online“. Gleichzeitig listen die Autoren verschiedene Versäumnisse auf. Es fehlen in Oslo die Sicherheitsvorkehrungen im Regierungsviertel, wo Breivik die Bombe gezündet hatte. Und das trotz einer Gefahr seitens al-Qaida. Schleppend verlief der Einsatz der Polizei: „Es dauerte rund 60 Minuten, bis die Beamten nach der ersten Meldung über eine Schießerei auf der Insel eintrafen“, schreibt weiter „Spiegel.de“. Hätte man aber das Attentat verhindern können, wenn die Verantwortlichen schneller und besser arbeiteten? Kann sich eine Gesellschaft überhaupt von solchen Einzähltätern gänzlich schützen? Wahrscheinlich nicht. Eine Diskussion über ein Frühwarnsystem macht dennoch Sinn.

Niemals spontan

Jeder Täter hat andere Motive. Meist aber stellte man bei den Amokläufern im Nachhinein eine lange Vorbereitungsphase fest. Auch in diesem Fall. Der norwegische Attentäter bereitete seinen Angriff akribisch vor. Die Tat geschieht niemals spontan, betont Sozialwissenschaftler und Leiter des Projekts „Netwass“ Vincenz Leuschner. „In vielen Fällen geht einer solchen Tat Mobbing voraus“, erklärt Leuschner in einem Gespräch mit „Focus“. Das Risiko wird durch einen erhöhten Medienkonsum und damit verbundene Gewaltphantasien gesteigert. „Benachteiligungen, Demütigungen, Kränkungen und Beleidigungen“ als Ursachen nennt auf seiner Homepage der Psychiater Volker Faust. „Wobei – führt er weiter aus - der Betroffene für sich selber entscheidet, ob angebracht oder ungerecht, ob real oder eingebildet, meist allerdings in seinem verdrossenen bis schließlich verbitterten oder gar verzweifelten Sinne“.

Die Gesellschaft und der Täter

Wenn die Tat lange geplant wird, könnte man theoretisch vor der Ausführung eingreifen und das Schlimmste vermeiden. Im schnelllebigen Alltag versinken jedoch einige auch laute Warnsignale unbemerkt. Wie soll sich also eine Gesellschaft organisieren, um die Warnungen rechtzeitig zu empfangen? Hinschauen statt wegschauen – lautet eine der vielen Parolen. Das gesellschaftliche Klima in den Zeiten der nicht überstandenen Krise ist dafür nicht besonders günstig.

Das Augenmerk der Politik richtet sich vor allem auf die Wirtschaft und die Finanzen, der Mensch bleibt oft auf der Strecke. Besonders der Schwache. Der Nicht-Angepasste. Der Außenseiter. Im Bewusstsein eines durchschnittlichen Bürgers scheint die Meinung zu überwiegen, dass der Einzelne mit seinen Wünschen und Problemen nicht wahrgenommen wird und keinen Einfluss auf den Lauf der Dinge hat. Die Welt wird zweigeteilt: Es existiert nur noch oben und unten. Nur Gewinner und Verlierer. Derartige Taten, wie das Massaker in Norwegen, werfen jedes Mal die Fragen nach der Verantwortung auf. Der Täter wird sich vorm Gericht rechtfertigen müssen. Die Gesellschaft muss nach Ursachen suchen.

Bildnachweis: Dieter Schütz / pixelio.de

Grazyna Gintner, Grazyna Gintner

Grazyna Gintner - Ich habe als Journalistin in Polen gearbeitet. Seit Jahren lebe ich in Deutschland. Neulich brachte ich unter dem Pseudonym Lydia Sanojar ...

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