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Nach Kampehl zum Ritter Kahlbutz

Unglaubliche Geschichte der Leiche eines Edelmanns

Die Mumie des Ritters Kahlbutz in Kampehl gibt Rätsel auf. Denn nur eine Sage kann erklären, wie die Mumifizierung möglich war

Vor 300 Jahren wurde der Ritter Kahlbutz in Kampehl in der Familiengruft beigesetzt. Nur sein Leichnam wurde mumifiziert. Bis heute ist die Ursache dafür unklar. Selbst Kapazitäten wie Ferdinand Sauerbruch und Rudolf Virchow haben keine Erklärung für die Mumifizierung liefern können.

Das Dorf Kampehl

Kampehl ist heute ein Ortsteil von Neustadt/Dosse, in dem etwa 160 Menschen leben. Neustadt, auch als „Stadt der Pferde“ bezeichnet, gehört zum Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Land Brandenburg. Kampehl ist ein typisches brandenburgisches Angerdorf und Rittergut. Erste Nachweise stammen aus dem Jahr 1307 durch „Heinricus von Campyl“. Bis 1784 waren Mitglieder der Familie Kahlbutz die Herren auf dem Gut Kampehl.

Die Dorfkirche aus dem frühen 13. Jahrhunderts ist ein Saalbau aus sehr sorgfältig gefügten Feldsteinen. Über dem Westgiebel erhebt sich ein Fachwerkturm. Aus dem frühen 18. Jahrhundert stammen der Barockaltar und die Patronatsloge. An der Nordseite der Kirche befindet sich die Gruft der Gutsherrenfamilie.

Das Schloss stammt im Kern aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und wurde mehrfach umgebaut. Nach 1945 wurde es als Schullandheim genutzt.

Der Ritter Kahlbutz

Bekannt wurde Kampehl durch den mumifizierten Leichnam des Ritters Kahlbutz und die sich um diesen Vorgang rankende Sage. Dieser Ritter hieß Christian Friedrich von Kahlbutz. Er kam 1651 in Kampehl zur Welt und verstarb dort 1702.

Schon in jungen Jahren musste der Ritter in den Krieg ziehen. Er war 24, als er 1675 in der Schlacht bei Fehrbellin am linken Knie verwundet wurde. Damit war die Karriere beim preußischen Militär beendet. Er kehrte auf das Gut Kampehl zurück.

Die Behinderung durch das zerstörte Knie störte den Lebemann Christian Friedrich nicht sonderlich. Er entwickelte ein reges Liebesleben und war stets hinter den Schönheiten des Dorfes her. Kind und Kegel, so nannte man damals die außerehelich gezeugten Kinder, hatte er reichlich. Elf eheliche Kinder sind bezeugt, die Zahl der nichtehelichen ist Legende.

An einem schönen Sommerabend 1690 erhielt der muntere Ritter erstmals einen Korb. Die schöne Schäferbraut verweigerte sich dem tapfereren Ritter: Dies brachte Kahlbutz schwer in Rage. Am nächsten Morgen wurde der arme Schäfer erschlagen aufgefunden. Die Schäferin war wieder frei und der Ritter war am Ziel seiner Sehnsüchte.

Der Verdacht lag nahe, das der Herr der Täter war. Als Gutsherr konnte sich ein preußischer Adeliger so eine Tat damals oft ungestraft leisten. War er doch der Herrscher im Dorf. Doch diesmal probten die Bauern von Kampehl erfolgreich den Aufstand. Sie forderten Gerechtigkeit und so wurde der Edelmann vor ein Gericht gestellt. In der Verhandlung konnten keine zwingenden Beweise für die Schuld des Ritters vorgelegt werden. Christian Friedrich von Kahlbutz leiste zur Beteuerung seiner Unschuld einen Eid: „Bin ich der Mörder gewesen, will ich nach meinem Tod nicht verwesen!“ Und er war wieder ein freier Mann.

Die Mumie des Ritters

Der Ritter muss der Mörder gewesen sein. Rund 100 Jahre nach seiner Beisetzung wurde entdeckt, dass sein Leichnam in der Familiengruft der Kampehler Kirche nicht verweste. Nur seine Leiche in dieser Gruft war mumifiziert.

Medizinische Kapazitäten haben den Leichnam und die Gruft untersucht. Weder Gifte, Blei noch Mumifizierungsmethoden konnten nachgewiesen werden. Die Mumifizierung des Ritters Kahlbutz bleibt ein „biologisches Rätsel“. So bleibt als Erklärung nur die Sage mit dem Schwur. Und damit gibt es einen ungeklärten Mordfall weniger in der brandenburgischen Kriminalgeschichte.

Besuch beim Ritter Kahlbutz

In einem dunklen Holzsarg mit gläsernem Deckel, durch ein massives Vorhängeschloss gesichert, liegt auf weißem Tuch der Leichnam des Christian Friedrich von Kahlbutz. Der 1,70 Meter große Leichnam ist wohl nur noch 10 kg leicht. Die Haut wirkt wie Leder. Deutlich zu sehen ist die Blessur des linken Knies. Starr blickt der Ritter auf seine Besucher.

Die Besuchszeiten finden sich bei Brandenburg-Info.