Nachhaltigkeit als Lebensstil

Exzessiver Konsum zerstört globales Ökosystem

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Der aktuelle Bericht "Zur Lage der Welt 2010" ist ein Plädoyer für mehr Nachhaltigkeit. Die Autoren fordern einen einschneidenden kulturellen Paradigmenwechsel.

Am vergangenen Donnerstag haben die Lobbyorganisation Germanwatch und die Heinrich Böll Stiftung den Bericht zur Lage der Welt 2010 mit dem Titel "Einfach besser leben: Nachhaltigkeit als Lebensstil" vorgestellt (Leseprobe des Berichts).

Raubbau am Planeten Erde

Auf rund 300 Seiten kommt das US-amerikanische Umweltinstitut Worldwatch, das den Bericht erarbeitet hat, zu dem ernüchternden Ergebnis, dass exzessiver Konsum für die zunehmende Zerstörung der globalen Ökosysteme mitverantwortlich ist. Die Förderung umweltfreundlicher Technologien oder die Verabschiedung staatlicher Maßnahmen im Rahmen von Gipfeln wie jenem in Kopenhagen seien nicht ausreichend. Die Autoren des Berichts fordern nicht weniger als einen grundlegenden Wandel unseres Konsumverhaltens. Sie untermauern ihre Forderung mit eindrucksvollen Zahlen: Die natürlichen Kapazitäten der Erde werden um rund ein Drittel übernutzt. Wenn in allen Staaten das selbe Wohlfahrtsniveau herrschen würde wie in hochindustrialisierten Ländern wie den Vereinigten Staaten oder Deutschland, würden die regenerativen Ressourcen der Erde gerade einmal für etwas mehr als zwei Milliarden Menschen ausreichen. Die momentane Bevölkerungszahl liegt bei sieben Milliarden! Fünf Prozent der Weltbevölkerung zeichnen dabei für rund ein Drittel des gesamten Konsums verantwortlich.

Der so genannte Living Planet Report, der vom Global Footprint Network herausgegeben wird, hat bereits im Jahre 2008 vor Augen geführt, dass die Menschheit bis Mitte 2030 zwei Planeten an verfügbaren Ressourcen in Anspruch nehmen müsste, wenn sich die gegenwärtigen Trends nicht umkehren.

Realismus oder Utopie?

Zwar versprühen die 60 verantwortlichen Wissenschaftler durchaus ein gehöriges Maß an Optimismus, das von insgesamt 26 aufgelisteten Beispielen für nachhaltige Lebensstile und Verhaltensweisen gefüttert wird. Ob ein grundlegender Wandel unserer Konsumkultur tatsächlich umsetzbar und realistisch ist, bleibt indes zweifelhaft. Sicherlich hat der Konsument zahllose Einflussmöglichkeiten: Vom Boykott bestimmter Unternehmen, über den Konsum fair gehandelter Produkte hin zum Umstieg auf Ökostrom.

Das größte Problem ist das "kulturelle Leitbild des Konsumismus", wie es Erik Assadourian, einer der Direktoren des Worldwatch Institutes, nennt. Die Menschen suchen nach wie vor "Sinn, Zufriedenheit und gesellschaftliche Akzeptanz" in dem, was sie konsumieren. Die Werbung suggeriert einem unaufhörlich, dass man ohne den LCD-Fernseher mit 100 cm Bilddiagonale oder das neueste iPhone nicht leben kann.

Im Vorwort des Berichts fordern Ralf Fücks und Klaus Milke einen "tiefgreifenden Wandel von Gewohnheiten und Verhaltensweisen: von einem verschwenderischen Lebensstil zu einem ökologisch verantwortlichen Wohlstandsmodell". In ersten Ansätzen ist ein solches Umdenken bereits erkennbar. Ökostromanbieter und Biohandelsketten erfreuen sich regem Zulauf und steigenden Umsatzkurven. Von einem nachhaltigen Wirtschaftsmodell kann freilich (noch) keine Rede sein. Bis sich eine solche Erkenntnis in den Köpfen der Konsumenten und anschließend auch in ihrem Verhalten nieder schlägt, wird es noch eine Weile dauern. Für Gerd Billen, den Vorsitzenden des Bundesverbandes Verbraucherzentralen (vzbv) geht es dabei nicht in erster Linie um Verzicht. Das Umdenken sollte als Chance begriffen werden. "Der Kunde bekommt ein Produkt und gleichzeitig handelt er klimafreundlich und schont unsere Rohstoffe." Nicht nur das Verhalten des Kunden, sondern insbesondere verbindliche Umwelt- und Sozialstandards sowie transparente Kennzeichnungssysteme spielen eine gewichtige Rolle, um die vorherrschende Kultur des Konsumismus durch eine der Nachhaltigkeit zu ersetzen. Nur auf diese Weise ist zu erreichen, dass der so genannte "World Overshoot Day", jener Tag also, an dem alle regenerativen Ressourcen des Planeten für das jeweilige Jahr verbraucht sind, nicht mehr in den September fällt, sondern idealerweise auf den 31. Dezember.

Die deutsche Ausgabe in Buchform

Die deutsche Ausgabe des vom Worldwatch Institut publizierten Berichts mit dem Originaltitel "2010 State of the World: From Madison Avenue to Mad Max?" ist hierzulande im oekom-Verlag erschienen (ISBN 978-3-86581-202-5, 300 Seiten, 19,90 Euro). Mit Vorworten von Muhammad Yunus, Ralf Fücks und Klaus Milke sowie Sonderbeiträgen von Gerhard de Haan und Germanwatch.

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